Yangus 21.02.2013, 08:03 Uhr 8 14

Allein sein, einsam sein

Habe ich nicht gelernt.

Alleinsein ist manchmal sehr schön. Allerdings nur, wenn man weiß, dass es sich um temporäres, optionales oder bewusstes Alleinsein handelt. Ich persönlich bin in der Regel nicht so gerne allein. Besonders nicht im Herbst, wenn es draußen nur trüb und grau ist. Es kommt einen dann alles so trist vor. Auch innerhalb der Wohnung. Man kann sich die Wohnung zwar so gemütlich wie möglich herrichten und sich schön einkuscheln. Aber das macht alleine auch irgendwie traurig. 

Es gibt ja Menschen die sind gerne mit sich allein. Sie finden es schön sich in einer leeren Wohnung zu befinden. Die Anwesenheit einer anderen Seele empfinden sie in der Regel als anstrengend. Gesellschaft ist für sie nur angenehm, wenn sie optional ist. Sozusagen ein umgekehrtes Verhältnis, wie bei mir mit dem Alleinsein.

Allein zu sein ist nur schön, wenn man weiß, dass es in Bälde endet. Wenn die Freundin mal für ein paar Stunden unterwegs ist und man in Ruhe lesen oder mal wieder Playstation spielen kann. Wenn man aber nicht mit dem subtilen Wissen alleine ist, dass man bald nicht mehr alleine ist, hat das Alleinsein eine ganz andere Qualität. 

Es heißt ja immer, dass etwas nicht mit einem stimmt, wenn man nicht in der Lage ist allein zu sein. Das mag wohl sein. Ich wüsste aber nicht wie ich das ändern kann. Selbst als ich noch zu Hause gewohnt habe, war ich nicht gern allein. Ich war zwar immer allein in meinem Zimmer. Aber ich habe mich wohler gefühlt, wenn ich wusste, dass noch jemand mit in der Wohnung ist. Allein in einem freistehenden Haus zu wohnen, wäre für mich bestimmt nicht schön. Das hat komischerweise gar nichts damit zu tun, dass ich mit Einbrechern oder bösen Geistern rechne und mich deshalb fürchte. Es fühlt sich einfach unangenehm an, wenn man die Einzige Person in einem Haus oder einer Wohnung ist.

Man kann auch leicht den Wunsch nach nicht Alleinsein, mit dem Wunsch nicht Single zu sein verwechseln. Ich glaube aber mittlerweile, dass das zwei Paar Schuhe sind. Ich wäre momentan nicht gerne Single. Aber nur, weil das bedeuten würde, dass ich dann nicht mehr mit meiner Freundin zusammen wäre, was ich höchst bedauerlich fände. Das liegt aber an meiner Freundin und nicht daran, dass ich ein Problem damit habe Single zu sein. Früher habe ich mir manchmal gewünscht Single zu sein, weil ich dachte, dass ich jetzt mal eine Zeit allein sein möchte. Dabei hat die Beziehung einfach nicht mehr gestimmt.

Ich wüsste nicht, was wohl die beste Lösung wäre, wenn ich mal wieder Single wäre. Dann müsste ich mich ja irgendwie damit abfinden, dass man in der Regel abends allein zu Hause ist. Dass man in einer leeren Wohnung einschläft und in einer leeren Wohnung wieder aufwacht. Vielleicht ist das aber auch nur eine Gewöhnungssache. Weiß ich nicht. Was macht man denn in so einer Situation? In der Regel stürzt man sich wahrscheinlich in die nächstbeste Beziehungsmöglichkeit. Und in dieser Beziehung ist man vielleicht weniger anspruchsvoll. Man will ja nicht wieder allein sein. Und in der nächsten Beziehung ist man noch ein bisschen anspruchsloser. Bis es schließlich wirklich nur noch darum geht in einer Beziehung zu sein. Mit wem ist irrelevant. Soll es ja geben.


Oder man zieht in eine WG. Wäre aber wohl nichts für mich. Da bin ich wohl zu speziell. Und für eine lässige Studenten-WG zugegebenermaßen mittlerweile einfach zu alt. Eine WG von Erwachsenen, welche in der Früh alle ins Büro gehen und abends wieder nach Hause kommen. Da sehe ich mich nicht. Wieder zu den Eltern ziehen ist aber auch keine Option. Man müsste sich wohl tatsächlich damit arrangieren.  

Vielleicht ist es auch einfach so, dass es vielen Leute mit dem Alleinsein so geht wie mir. Man jammert aber nicht. Ich hoffe jedenfalls, dass die Augenblicke, in denen ich unfreiwillig alleine bin, rar bleiben. Wichtig sind sie wahrscheinlich trotzdem. Um sich eben mal mit solchen Dingen auseinandersetzen zu müssen. Ist bestimmt charakterbildend. Wenn ich so darüber nachdenke, dann sind meine schon länger alleinlebenden Freunde auch alle äußerst angenehme Menschen. Das ist vielleicht wie mit den Einzelkindern. Wenn man seltener in Gesellschaft ist, dann weiß man sie um so mehr zu schätzen und gibt sich bei Gelegenheit mehr Mühe als jemand, für den Gesellschaft eine gottgegebene Selbstverständlichkeit sind. Who knows. 

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8 Antworten

Kommentare

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    Verstehe ich, auch das alleine schlafen hat eine gewisse unangenehme Qualität für mich.
    Ich mochte es schon als Kind nicht.
    Mancher schafft sich dann ein größeres Haustier an.
    Mir ist beim Tierarzt z.B. aufgefallen, dass viele kinderlose Paare oder alleinstehende Personen dort sind..kann auch Zufall gewesen sein.

    23.02.2013, 20:00 von Igel75
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  • 1

    Hungrig sein ist manchmal sehr schön. Allerdings nur, wenn man weiß, dass es sich um ein temporärs, optionales oder bewusstes Hungrigsein handelt. Ich persönlich bin in der Regel nicht so gern hungrig. Besonders nicht im Herbst, wenn es draußen trüb und grau ist und man sich aufraffen muss, um in den Supermarkt zu gehen

    23.02.2013, 19:30 von Alida.Montesi
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  • 1

    Olli Schulz hat alles dazu gesagt.

    23.02.2013, 19:20 von RAZim
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  • 0

    Schöner, wahrer Text!

    21.02.2013, 10:44 von Jadeca
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 2

    Wenn dich alle verlassen haben, kommt das Alleinsein.
    Wenn Du alle verlassen hast, kommt die Einsamkeit.

    Oder so...

    21.02.2013, 10:29 von sailor
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  • 0

    Was Cosmo sagt stimmt. Da hat sich jemand viele Gedanken um das Thema gemacht und das ganze auch noch gut zusammen gefasst. Hab ich gerne gelesen.

    21.02.2013, 09:36 von Tanea
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  • 3

    Find ich gut beobachtet.

    21.02.2013, 09:05 von cosmokatze
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