violett84 12.01.2014, 17:12 Uhr 9 0

Abgrenzung

"Denk endlich an dich selbst, sonst gehst du daran kaputt" Das höre ich in den letzten Wochen von allen Seiten und sitze ratlos vor meinem Spiegel

"Denk endlich an dich selbst, sonst gehst du daran kaputt"
Das höre ich in den letzten Wochen von allen Seiten und sitze ratlos vor meinem Spiegel?!
Ich weiß, dass das sicher gut gemeint ist und ein Stück Wahrheit ist an jeder Aussage, aber was heißt das eigentlich: Abgrenzung?
Eine Grenze legen zwischen mir und dieser Welt, zwischen mir und den Menschen um mich herum, zwischen Verstand und Herz?
Wenn ich darüber nachdenke, spüre ich Widerstände in mir, werde ich wütend und hilflos zugleich und fühle mich allein.
Warum muss da diese Linie gezogen werden, warum muss da diese unsichtbare Mauer stehen, die alles soviel schwerer macht und vorallem kenne ich überhaupt meine Grenzen?
Ich frage mich momentan, ob die Grenzen mir Magenkrämpfe bereiten oder die Tatsache diese ziehen zu müssen? Es ist mir fremd mit anderen in Kontakt oder Beziehung zu treten, aber ganz bei mir zu bleiben, immer mich im Fokus zu sehen und vor mein Gegenüber zu stellen. Muss dann denn immer sein? Muss denn Egoismus das Miteinander dominieren, leben wir wirklich in einer Welt, in der jeder nur versucht sich selbst zu retten, ohne Solidarität und Miteinander?
Bin ich wirklich so naiv und wünsche mir eine Welt, die es da draußen garnicht gibt? Und wenn ja, rannte ich in den letzten Jahren nur einer Illusion hinterher?
Und wenn das so ist, wie lernt man Kälte, Berechnung und Kalkül, wenn man diese Eigenschaften so garnicht in sich trägt? Wenn man eigentlich ein Mensch ist, der immer für Liebe, TOleranz und Austausch kämpfte?
Und vielleicht auch Angst davor hat irgendwann allein und verlassen dazusitzen, weil eine vermeintliche Souveränität gesiegt hat?
Mir ist diese Sicht der Dinge, mir sind diese Erwartungen, die an mich gestellt werden, zu wider und es fällt mir schwer einen Sinn darin zu erkennen so zu handeln?
Gehts mir dann wirklich besser und was mache ich mit der großen Angst in Folge auf solch ein Verhalten garnicht mehr in den Spiegel gucken zu können, weil irgendwelche Vorgesetzte meinen dieses einzufordern?
Ich kann und will so nicht leben und ich kann und will all mein Gefühl, meine Emotionalität, die ich in mir trage, die mich eigentlich ausmacht und die daraus resultierende Lebendigkeit, nicht ablegen oder im Laufe der Zeit verlieren, nur weil es sozial erwünscht ist.
Es ist wie in einer Zwickmühle- ich kann nun funktionieren und sozial erwünscht handeln und mich dabei verlieren oder ich bleibe bei mir und bei dem, wie ich bin und verliere in anderer Hinsicht-Job, Kontakt, Selbstwert, weil ich gedrückt und ausgegrenzt werde,
Ich frage mich wo uns all diese Machtspielchen, diese Kälte und diese Berechnung irgendwann mal gesellschaftlich hinführen?
Wollen wir wirklich eine kalte Welt, in der nur noch vereinsamte Egoisten leben, die sich vermeintlich durchsetzen und abgrenzen können?
So langsam glaube ich das die gesellschaftlich Schere sich nur noch durch Einkommen, Status und Milieu abzeichnet, sondern auch dadurch welche Menschen dieses Spiel mitspielen und dadurch mitspielen und denen, die dieses Spiel nicht mitspielen und verlieren.
Ich finds ekelhaft und es desillusioniert mich, ich kann das alles noch nicht in mein Weltbild integrieren und im Grunde möchte ich das auch nicht,denn ich bin nicht dafür auf der Welt meinen Arsch zu retten, komme was wolle, sondern im Grunde sah ich den Sinn meiner Existenz darin mich mit der Welt, den Menschen und ihrem Inneren zu befassen und ein gesellschaftliches miteinander und nicht Gegeneinander zu unterstützen.
Ja, ich bin momentan überlastet, und ja ich muss mich abgrenzen lernen, aber ich muss nicht kalt und berechnend werden, weil irgendein Teil der Gesellschaft mein so sein Leben gestalten zu müssen-und auch das ist Abgrenzung!!!

9 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    wer sagt du sollst dich abgrenzen?

    nur dich zu verbinden, macht glücklich.

    15.01.2014, 00:09 von elliflora
    • 0

      Momentan wird mir auf der Arbeit geraten mich abzugrenzen, in sehr fordernder Weise, obwohl ich mit Menschen, isnbesondere kranken Kindern, arbeite!
      Und privat meine ich selber das ich mich abgrenzen muss, um endlich wieder frei zu atmen!

      Kennst du das garnicht?
      Ich meine auch das Verbindung glücklich macht, deshalb bin ich so desillusioniert!

      15.01.2014, 19:11 von violett84
    • 0

      psychologisch gesehen bedeutet "lieben" brücken bauen und dich verbinden. demnach bedeutet jede abgrenzung, deinem wesen das zu versagen, was es eigentlich ist: liebe. demnach tut jeder prozess der abgrenzung weh. jeder prozess der verbindung ist wohltuend. daraus schließt sich ganz einfach, was gesund und was ungesund ist.

      15.01.2014, 20:00 von elliflora
    • 0

      Ich glaub die Abgrenzungen, die ich meine, tuen weh, aber nur dadurch bleibe ich gesund?!
      Die Verbindung macht zufrieden und glücklich, aber ist nicht immer gesund!

      15.01.2014, 20:06 von violett84
    • 0

      warum tun die abgrenzungen weh? weil sie ungesund sind. warum machen verbindungen zufrieden? weil sie gesund sind.

      das ist so einfach. aber wir können das so schwer annehmen und es erscheint uns unlogisch, weil wir im laufe unseres lebens eine andere denklogik übernommen haben von anderen. es wird zeit, das zu ändern: JETZT!

      15.01.2014, 20:08 von elliflora
    • 0

      boah. was ein naiver, unüberlegter quatsch, elliflora. sorry, aber das will ich so deutlich sagen.
      abgrenzung von dingen/personen, die nicht guttun, ist manchmal extrem wichtig und im endeffekt gesünder.
      abgrenzung kann im ersten moment wehtun oder sich ungwohnt anfühlen, weil/wenn man es nicht gewohnt ist. auf lange sicht kann sich dann aber herausstellen, dass man eben dadurch eine neue freiheit für sich gewonnen hat, die viel besser ist.
      vor allem bei menschen mit gestörten beziehungsmustern/verhalten können (die "falschen") verbindungen ungesund und schädigend sein.

      wenn eine verbindung existiert, die auf dauer zufrieden macht, dann ist sie gesund, ja. aber das lässt sich auf keinen fall pauschal für jede verbindung sagen.
      ebenso kann abgrenzung unsinnig sein, wenn sie nicht nötig ist.
      aber zb gerade bei der arbeit mit menschen mit problemen ist abgrenzung eine der wichtigsten eigenschaften, über die man verfügen oder sich antrainieren sollte. damit man sich nicht mit runterziehen lässt, sondern aus der nötigen gesunden entfernung helfen oder/und gesunde beziehungen pflegen kann. kannste tausendmal nachlesen, von therapeuten und konsorten anhören und auch mit ein bisschen menschenverstand verstehen und zustimmen.

      31.03.2014, 20:38 von nnoaa
    • Kommentar schreiben
  • 0

    zwischen schwarz und weiß gibt es auch noch grau, und davon viel, ge. ;)
    abgrenzung und auch mal an sich zu denken bedeutet doch gar nicht, gleich berechnend und kalt zu sein. da hast du vielleicht was falsch abgespeichert.
    abgrenzung bedeutet erst mal, den fokus auf sich selbst und seine bedürfnisse zu lenken. daraus kann dann gesundes selbstvertrauen wachsen, das sollte nicht mit dem negativ gefärbten begriff "egoismus" verwechselt werden.
    kannst du dich selbst lieben, deine eigenschaften und probleme tolerieren und mit dir im austausch sein? dann ist man automatisch nicht kalt, berechnend, gefühls-immun und arschlochmäßig egoistisch nach außen hin, glaube ich.

    der text liest sich wie als wolltest du dich gegen was wehren, für das du selbst noch nicht bereit bist. find ich einerseits gut, dass du darauf pochst, deine werte zu vertreten und nicht unüberlegt alle ratschläge annimmst. aber andererseits, wie gesagt, schließen sich deine werte und abgrenzung/ "an sich selbst denken" nicht aus.
    kann teilweise einer gratwanderung gleichen, aber die machen das leben ja gerade so spannend. :)

    12.01.2014, 22:23 von nnoaa
    • 0

      Danke für den Kommentar und ich stimme dir zu und scheinbar ist es so das ich da noch eine Menge Widerstände in mir trage, die ich erstmal ablegen muss-vielleicht auch mir selbst noch näher kommen, um dann mir nahe und gewiss, Anderen klar und konsequent gegenüber treten zu können ohne es als Egoismus zu erleben!
      Das wird ein langer, harter Weg?!
      Bist du schon soweit?

      13.01.2014, 20:09 von violett84
    • 0

      sieh es lieber als spannenden weg an, macht mehr spass. :)
      soweit? am ziel? ist man glaub nie. immer mal wieder erkenn ich und versuche danach zu handeln, wie ich will und es für richtig/ gesund empfinde.
      baustellen gibts aber immer genug, bei jedem, der sich mit sich und der welt auseinandersetzt.

      14.01.2014, 00:39 von nnoaa
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare