ilofi 30.11.-0001, 00:00 Uhr 7 6

220-Volt-freie-Zone

Spielerisch ins Aus

Wieso riecht es in Zimmern von Jungen eigentlich immer so nach Testosteron? Wie in einem Pumakäfig – egal, wie oft gelüftet wird.

Es ist Mitternacht und meine Hand greift zum Monitor. Warm. Ich wusste es. „Das war’s dann wohl, Hase“. Auch wenn er so tut als ob er schläft, höre ich das leise Ächzen.

Was sollen wir noch alles tun? Diese Entscheidung ist unzähligen Diskussionen geschuldet. Da war der Brief von Schule. Versetzungsgefährdet hieß es da. Auch der Englisch-Privatunterricht im letzen halben Jahr mit dem – ach so sympathischen - Studenten hat nichts gebracht. Zensurenabfall in allen Fächern. Abitur ade!

Der Computer liegt nun im Bettkasten. Dem Fernseher fehlt das Netzteil. 220-Volt-freie Zone.

„Ich bin dann mal bei Basti“ hören wir nun immer häufiger. „Schön“, denke ich. Endlich mehr soziale Kontakte außerhalb der Schule. Keine Vereinsamung. Das ist gut.

Vielleicht.

Ich hörte das erste mal von WoW. Was ist eigentlich WoW? World of Warcraft? „Ahhh“, World of Warcraft ist ein Online-Spiel, in dem Spieler aus der ganzen Welt in die Rolle heldenhafter Fantasy-Charaktere schlüpfen.

Ja, in einen anderen Charakter schlüpfen trifft es gut. Anerkennung aus dem Netz. In heldenhaften Welten untertauchen, raus aus der Realität, die nervt.

Wie naiv, dachte ich. Wir wussten es nicht besser. „Himmel“, er steckte da mittendrin. Für manche mag es vielleicht nur ein Chat sein - für ihn war das aber eine extreme Sucht, in der man manchmal das Spiel verflucht, welches eigentlich den Tagesablauf bestimmt und das Realleben verdrängt.

Das war vor fünf Jahren.

Nun sitze ich hier - spiele Auszeit und denke an meine Projekte, die auf mich warten.

Ich muss dringend lüften."Wichtige Links zu diesem Text"
... der soziale verfall

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7 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Generation next.

    aber mein bester Kumpel (28!), hat auch ein Monatsabo bei wow. 

    23.09.2015, 09:35 von neuzeit
    • 0

      ja damals ... ohne WLAN ...

      23.09.2015, 14:04 von ilofi
    • 0

      nee.... das ist mit w-lan

      23.09.2015, 23:45 von neuzeit
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  • 0

    "raus aus der Realität, die nervt",


    Alles gelesen, liebe Ilofi. Auch den angefügten Beitrag.


    Ich kenne aber auch eine "Leseratte" (nur als Beispiel). Dieser Mensch liest sich in andere Welten, raus aus der Realität. Das schon seit bestimmt 30 Jahren. Von Spielsucht, Kaufsucht, Sexsucht, Sammelsucht, Alkoholsucht und Drogenmissbrauch liest man häufig... Aber Lesen kann für manche Menschen auch zur Sucht werden. Dieses Phänomen wurde meines Wissens noch nie analysiert und kritisch beleuchtet. Im Gegenteil, wer Bücher "verschlingt", gilt als wissbegierig, eventuell auch als kluger, gebildeter, belesener Mensch. Aber ich würde behaupten, dass Menschen die Bücher "fressen", ein ähnliches Suchtproblem haben: Abtauchen, "raus aus der Realität, die nervt", oder langweilt, unterfordert, frustriert, schmerzt was auch immer.

    18.11.2011, 17:57 von Jackie_Grey
    • 0

      liebe jackie, ich denke sucht hat so viele facetten, sucht hat viele gesichter und immer steckt eine geschichte dahinter - vielleicht auch die "leseratten".

      21.11.2011, 12:34 von ilofi
    • 1

      Liebe Ilofi, ja, so ist das wohl.
      Man sagt ja auch nicht umsonst: Hinter jeder Sucht verbirgt sich eine Sehnsucht.

      21.11.2011, 18:21 von Jackie_Grey
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers

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