dasgehtvorbei 30.11.-0001, 00:00 Uhr 42 172

Zwei wie eine Insel

Glück im Spiel – Pech in der Liebe. Pech für uns, dass wir miteinander spielen wollten.

Ich kann mich an deinen Pullover erinnern. Das wird am Ende das Einzige sein: dein Pullover. Der sah aus wie jene, in denen nette Menschen stecken, die gerne schlafen. Ich mochte damals schlafen und ich mochte dich und deinen Pullover. Genützt hat es mir nichts, denn am Ende hatte ich weder deinen Pullover noch dich. Aber versuchen kann man es ja mal. Du würdest über diesen Satz lachen „Versuchen kann man es ja mal“. Weil Versuchen nämlich nichts ist, das man so nebenbei macht. Das man mal so eben machen kann. Wenn man versucht, dann richtig. Zumindest wir. Wir haben es immer richtig versucht. Schade bloß, dass wir bei dem ganzen Richtig-machen-wollen immer alles falsch gemacht haben, schade nur, dass am Ende nur Würgreiz bleibt und Lethargie, das Herz im Klo und Angst wie nie.

Ich vermisse dich nicht im Bett und nicht an den Tagen. Ich vermisse dich nicht in den Nächten und nicht an den Sonntagen. Ich vermisse dich immer dazwischen, zwischen zwei Zigaretten und zwei Bushaltestellen, zwischen den Tagen und zwischen den Nächten, zwischen Zähneputzen und schlafen gehen, zwischen zwei Herzschlägen und zwei Atemzügen, zwischen rausgehen und wiederkommen, zwischen den Zeilen und zwischen den Sätzen, zwischen dableiben und endlich ankommen.

Und, mein Herz, ich versuche weiterzumachen. All die Sachen, über die wir gelacht haben. Sport und gesundes Essen und um zehn ins Bett, rausgehen, zusammenreißen, lächeln und immer nett sein. Ich habe mir eine Maske aufgesetzt, die immer funktioniert. Lächeln, nicken und dann lachen. Lächeln, nicken und gesunde Sachen sagen. Lächeln, nicken und nicht nachfragen. Lächeln, nicken und.

Schau, wie ich jetzt herumstotterte, nach Worten suchend, die nicht lächerlich sind. Ich versage dabei, weil über die Liebe zu sprechen immer irgendwie jämmerlich klingt. Und deshalb schweige ich seit Wochen und schreibe alles auf. Über unsere Insel und über unsere Absichten, über unsere Herzen und unser Einknicken, über unser Versagen und über unsere Idiotie, über unser Spiel und über deinen Pullover, über die Wäsche an der Leine und über leere Betten, über den Morgen und über die Nacht, über alles, was wir nicht mehr haben, über alles, was wir nicht mehr ertragen. Ich schreibe alles auf, siehst du, jedes Detail, damit sich jemand erinnert an das Uns, das eine Insel war, damit jemand das Licht im Leuchtturm brennen lässt, falls du mal zurückkommen willst.

Nie wirst du ein Wort von dem hier wissen, nie wirst du auch nur erahnen, wie lange ich noch auf unserer Insel saß, die Beine im Wasser, den Kopf im Sturm, lächeln, nicken und weitermachen, das Licht muss doch brennen, versuchen kann man es ja mal.


Tags: wir, Insel, liebe
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42 Antworten

Kommentare

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  • 1

    ich bin immernoch ganz verliebt in diesen Text!

    04.03.2017, 19:01 von Kokosnusswolke
    • 0

      also ich nicht :-(


      inflationaeres  Geblubber.  

      Habe noch keinen Text hier gelesen, der die Gruende  der beschrieb, warum die Parnerschaft beendet wurde. Immer nur:  Wie toll oder schlecht alles war. Die Schuld lag immer beim Anderen.
      Grauenhaftes Gesuelze. 

      04.03.2017, 21:14 von Dr_Lapsus
    • 0

      ...Gruende  beschrieb, ...

      04.03.2017, 21:16 von Dr_Lapsus
    • 1

      jemand ehrenwert selbstreflektiertes  wie du, nimmt freilich alle Schuld und Klage auf sich selbst, wie man überall sieht.

      deshalb sülzt du ja auch täglich und jeden mit irgendeinem inflationären Geblubber voll, du greiser Spinner.

      geh und schaff dir mal n Update Script & Text für deine grauenhaften Leerstellen zwischen den Ohren an.
      denn haste auch plötzlich wat wichtigeres zu tun als auf Neon lifetime zu wasten   

      04.03.2017, 22:31 von Bellbass
    • 1

      hmm, habe dich noch nie gesehen.  du aber kennst mich ausgezeichnet ?


      Das sieht verdaechtig nach einem Zweitnick aus.  
      Froie mich immer wieder ueber Deppen, die mir vorschreiben wollen, was ICH  zu machen habe.  
      Lies meine Kmmentare einfach nicht !  Ist die Idee gut ?'  Klar, iss ja auch von mir :-))))

      04.03.2017, 22:56 von Dr_Lapsus
    • 2

      Es geht noch nicht darum, ob der Text jetzt toll ist oder nicht. Sondern daß er ein Gefühl einfängt, daß (hoffentlich) jeder kennt, aber das so verdammt schwer zu artikulieren ist. Deswegen ... naja, halt wie die Kokosnusswolke sagt ;-)

      05.03.2017, 00:26 von alter_hund
    • 0

      guten Morgen AH,


      mit deinem Kommentar kann ich wat anfangen. Du schreibst  zu dem Gefuehl, das die Kokosnuss zum Ausdruck brachte. In was sie dabei verliebt ist,  bleibt ihr Geheimnis.

      Ich moechte aber auch die Freiheit besitzen, zu aeussern, was ich nicht mag.  Das wollen manche verkorkste Neon-user nicht verstehen !

      05.03.2017, 01:01 von Dr_Lapsus
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  • 0

    ich bin sehr beeindruckt von deinen texten,


    alle haben sie etwas 
    dieser ist besonders schön, wenn man ihn leise vor sich hin liest - er hat eine Melodie

    04.07.2014, 23:30 von meerblau
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  • 0

    Mag ich wirklich wirklich sehr!

    14.05.2014, 21:10 von Kokosnusswolke
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  • 0

    Du drückst aus, was ich gerade fühle und das in wunderbar fließenden Worten.

    05.04.2014, 22:21 von -atinA-
    • 0

      da kann ich mich nur anschließen!

      14.05.2014, 18:45 von Kokosnusswolke
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  • 0

    wunderbar geschrieben

    03.04.2014, 18:51 von ViveLaDanse
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  • 1

    Ich habe mitgefühlt und mich erinnert. :)

    02.04.2014, 19:58 von vonnovembertal
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  • 1

    "Ich vermisse dich immer dazwischen, zwischen zwei Zigaretten und zwei Bushaltestellen, zwischen den Tagen und zwischen den Nächten, zwischen Zähneputzen und schlafen gehen, zwischen zwei Herzschlägen und zwei Atemzügen, zwischen rausgehen und wiederkommen, zwischen den Zeilen und zwischen den Sätzen, zwischen dableiben und endlich ankommen."


    Schöner kann es nicht gesagt werden. 

    01.04.2014, 11:52 von Leben_lassen.
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  • 0

    Mehr als beeindruckend 

    31.03.2014, 19:36 von madame_c_b
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  • 0

    spricht aus deiner seele

    31.03.2014, 19:02 von thecrossword
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  • 1

    "dass am Ende nur Würgreiz bleibt und Lethargie, das Herz im Klo und
    Angst wie nie."

    Super toll. Sagenhaft geschriebener Text mit sehr schönen Bildern!

    31.03.2014, 16:46 von FleurEyre
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