metropolenherz 01.07.2013, 19:00 Uhr 18 35

Zwei Nächte und ein Abschied.

Wir beide hatten zwei perfekte Nächte miteinander. Zwei Nächte und einen Abschied.

Wir haben uns kennengelernt und wir haben nicht miteinander geflirtet. Wir haben keine zweideutigen Andeutungen gemacht und wir haben auch nicht darüber geredet, wie wir gemeinsam etwas unternehmen könnten. Wir haben über dein Politikstudium geredet und darüber, wo wir am liebsten essen in unserem Kiez, das zufällig dasselbe ist. Das war zumindest das erste geschriebene Gespräch.

Das Zweite war anders. Es war charmanter und lauter, obwohl es eigentlich stumm war. Und irgendwie war es von da an ein anderes Gefühl. Es war sommerlich, es hat im Bauch gekitzelt und es hat mich nicht richtig schlafen lassen. Bis zu dem ersten Gespräch, das erste richtige Gespräch. Ich habe dir erzählt, wie ich ihm auf der Arbeit immer vorlese, wie das so seine kleine Einschlafroutine ist. Seine kleine Verabschiedung vom Tag und die Begrüßung in die Nacht, vor der er immer Angst hatte. Wie schön das sein muss, wie gern du auch von mir vorgelesen bekämst.

Wir verhandelten die Regeln. Du darfst nicht reden, ich rief an, las dir vor. Dein Schweigen hielt nicht lang, viel zu groß war die Spannung und die Vorfreude wirklich miteinander zu sprechen, so richtig, mit Tönen und Pausen und einem Lächeln, das man hören konnte. Unsere erste Nacht.


Die zweite Nacht begann ähnlich. Begann in zwei Betten, Luftlinie vielleicht 500 Meter voneinander entfernt. Die Stimme mittlerweile so vertraut, doch keine Vorstellung, wie der Andere aussehen könnte. Fast 1,90 Meter, braune gelockte Haare, eine Brille, aber mein Kopf war nicht fähig, daraus ein Bild zu basteln. Du fragtest nach meinen Gedanken und es fiel mir so schwer, sie dir zu schenken. Pausen. „Ich würde mich gern zu dir legen. Dich einfach nur umarmen. Einfach im selben Raum, im selben Bett liegen.“ Spannung.

Auch diese Nacht blieb nicht frei von unseren kleinen Spielregeln. Die vordere Haustür bekam ich problemlos auf. An die zweite Tür hattest du einen Stein gelegt, sodass sie nicht richtig schloss. Das Licht im Treppenhaus blieb aus, ich lief im Dunkeln in den zweiten Stock, klopfte an deine Tür. Das Herz raste, die Hände zitterten. Nur Umrisse, Silhouetten. Die erste Umarmung. Du führtest mich durch deine Wohnung. Ich tastete alles mit den Fingerspitzen vorsichtig ab, die Sinne geschärft. Wir lagen in deinem Bett und vielleicht sind das diese Momente, die dich dein Leben lang begleiten werden. Die Momente, in denen du deinen Kopf vor der Tür gelassen hast, um nur noch auf dein Herz und seinen Herzschlag zu hören, nahezu unvorstellbar schön.

Zwei perfekte Momente, die man vielleicht so hätte stehen lassen sollen. Schwer zu übertreffen, voll von Erwartungen. Zum Scheitern verurteilt.


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18 Antworten

Kommentare

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  • 0

    so ist es...

    06.08.2013, 10:07 von Kuestenperle
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  • 1

    wenn es mal die selbe Stadt wäre.. 


    aber ja, nach solchen Erlebnissen liegt die Latte ziemlich weit oben. 

    04.07.2013, 15:06 von la_morgue
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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  • 1

    sehr schön geschrieben und unglaublich nah!

    aber ist es nicht ein wenig pessimistisch? oder weißt du schon das es scheitert und denkst dir, das du es schon von anfang an hättest wissen müssen?

    03.07.2013, 12:21 von timlink
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  • 0

    Frauen schlafen mit Maenner um zu traeumen... Maenner traeumen davon mit Frauen zu schlafen... Man sollte diesen Unterschied zumindest achten...

    02.07.2013, 22:12 von RazthePutin
    • 1

      Macht keinen Sinn.

      03.07.2013, 01:21 von forst
    • 0

      Weiss auch nicht warum... Fiel mir nur gerade ein...

      03.07.2013, 01:48 von RazthePutin
    • 0

      Dafür schreiben Frauen die längeren SMS!

      03.07.2013, 11:01 von kirschgruen
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  • 3

    verdammt schön, auch wenn ich befürchte die folgenden Nächte werden daran nur schwer anknüpfen können...

    02.07.2013, 22:07 von einweggedanken
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  • 1

    Ja, der letzte Absatz mag sich nicht so ganz in den Text fügen. Für die Handlung verstehe ich, dass er da sein muss, aber so viel Selbstmitleid steht der Geschichte nicht gut.

    02.07.2013, 19:53 von forst
    • 0

      Forst, jetzt sag bloß nich, dir hat der gefallen?

      02.07.2013, 19:53 von forst
    • 2

      maybe. ;)

      02.07.2013, 19:54 von forst
    • 2

      Forsts, wenn ich euch so zulese, werde ich ganz gaga! :-D

      02.07.2013, 20:13 von topfbluemchen
    • 0

      Stimmt, der letzte Absatz verpfuscht es...

      02.07.2013, 21:10 von Tanea
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  • 4

    "Die Momente, in denen du deinen Kopf vor der Tür gelassen hast, um nur noch auf dein Herz und seinen Herzschlag zu hören, nahezu unvorstellbar schön."


    ganz wunderbar.

    02.07.2013, 17:48 von ladyhope
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  • 2

    Picasso malt ein Bild vom Chatten?

    02.07.2013, 17:44 von RazthePutin
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  • 5

    Klingt iwie nach einem intensiven Erlebnis. Schön, nur das Ende klingt sehr mutlos.

    01.07.2013, 19:55 von EliasRafael
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