Zugzwang
Bewegungen in gefensterter Raumluft einer zweigeschlossenen Gesellschaft
Wir sitzen
Fest verbunden, nichts, was fehlt
Atmen unbekümmert die verbrauchte Luft
Dann seufze ich
Du lächelst
Sagst, es sei stickig
Ich warne, es sei sehr riskant zu lüften
Das Fenster bleibt zu.
Du gehst
Verlässt den Raum beruhigt
Du weißt, ich warte
Ich sehe ins Kaminfeuer. Das wärmt
Du willst immer Holz nachlegen
Ich sage, es ist warm genug im warmen Raum
Dein Blick ein Fang
Das Fenster bleibt zu.
Ich sitze allzu oft alleine hier
Die Wände sprechen schon
Das Fenster wie ein großes Auge
Redet nicht
Es starrt mich an mit wachem Blick
Deine Zuversicht in mir
Zweigeschlossen
Spiegelt sich im Glas
zerschnitten.
Ich sitze
geduldig da
alles gesagt, gut tausendmal
Sogar das Mobiliar verstummt
Hier über uns
Die Scheite stapeln sich für
Noch mehr warme Luft
Ich sage, es ist stickig.
Du sagst, dann zöge es doch
Das Fenster bleibt zu.
Ich sitze nicht mehr
Stehe nun
Gefährlich nah am Fenster
Nun frieren auch die Worte
Da alle um mich schweigen
Es tadelt diese Luft in
In diesem deinen Raum
Ich sage, ja, ich weiß
Das Fenster zwinkert mir stumm
zu.
Ich sehe
In dir meine Liebe
Dein Lächeln ein gerahmtes Bild
Geduld an einer Wand.
Ein Holzscheit glüht
Verschlafene Vertrautheit
Zieht es? Nein
Du sagst, ich liebe dich
Das Fenster ächzt dazu in Moll.
Ich lehne
Meine Stirn ans flache Glas
Schaue hinaus: ein Traum
Die Welt ein buntes Meer, getunkt
In zauberschöner Weite
Tief in mir wächst ein Sehnen
Das Fenster lächelt breit
Ich küsse es
Da klappt es auf.
Ich springe
voller Freude aus dem Fenster
Hinein ins Paradies
Mit nackten Füßen tanze ich auf
Frischem Moos und jeder
Luftzug ist Umarmung
Du Narr! ruft es. Du Narr
Ich sage, pah! nie wieder
kehre ich zurück.
Niemals.
Nie mehr.
Ich sitze
Auf dem Fensterbrett
Die Augen zu und ganz weit draußen
Kamin wie sonst, die Luft eiskalt
Es möchte sein wie immer
Nur ein Lächeln.
Du sagst eiskalt, es zöge
Ich sag, ach was
Das Fenster, es harrt abgrundoffen.
Ich lehne
Schweren Herzens
Die Seele voller Sehnsucht
aus dem Fenster, verträumt der weite Blick
Nie wird es mehr wie immer sein.
Du sagst nun – nichts
Verkohlte Scheite knistern nach der letzten Glut
Dein stummer Blick fleht, schließ es endlich
Halbherzig rüttle ich
Am Fenster, das sich nicht bewegen lässt.
Nie mehr.




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