xx-ani 28.07.2013, 22:05 Uhr 0 3

Zug um Zug

Ich nehme einen Zug, lass ihn lange in der Luge um mich mit dem Nichts zu umgeben. Nichts sehen, nichts hören, nichts denken, nichts fühlen.

Der kalte Boden unter mir so ziemlich das Einzige, was mich spüren lässt, dass ich in der hässlichen Realität des Lebens gefangen bin. Über mir Sternbilder und hin und wieder eine Sternschnuppe, ferne Zeichen einer anderen Zeit. Fernweh glüht in mir auf ohne bestimmtes Ziel, einfach nur weg.

Ich nehme einen Zug, lass ihn lange in der Luge um mich mit dem Nichts zu umgeben. Nichts sehen, nichts hören, nichts denken, nichts fühlen. Der Zustand der völligen Egalität, zu oft in den letzten Wochen von mir heimgesucht. Mein Fluchtort, raus aus dem Dschungel der zwischenmenschlichen Beziehungen, deren Mysterium sich mir wohl nie erschließen wird. Einzig und allein habe ich begriffen, dass es immer im Chaos endet - ein Gefühls- und Gedankenchaos aus dem ich mir mit einer Machete den Weg freikämpfe. Meine Machete, der Joint in meiner rechten Hand. Stark genug, um mir Büsche und Äste aus dem Weg zu schaffen, doch zu schwach um den Felsen aus meinem Weg zu räumen. Früher warst du mein Fels in der Brandung, nun zeugt einzig und alleine der kalte Stein in meiner Brust davon, dass du einst da warst.

So sehr ich auch gegen den Gedanken an dich ankämpfe – ich verliere immer. Und schon ist der Wunsch in mir gepflanzt, mit dir in meinem Nichts zu liegen, nur zu wissen, dass du bei mir bist. Nicht reden, nicht anschauen, nicht zweifeln – einfach nur dort neben dir zu liegen und die Gewissheit zu haben, dass du bei mir bist. Mit dir würde ich mein Nichts teilen, mit dir würde ich vor der ganzen Welt fliehen.

Ich nehme nochmal einen kräftigen Zug, um den aufkommen Wunsch in seinem Keim zu ersticken, ihn zum Schweigen zu bringen diesen Gedanken an dich. Ich fliehe vor der Welt. Fliehe vor dir. Ich merke wie der Stein in meiner Brust kälter wird und schließe die Augen. Nichts sehen, nichts hören, nichts denken, nichts fühlen.

Ein kalter Wind holt mich zurück, ich ziehe meine Jacke enger zusammen und öffne die Augen. Eine Sternschnuppe huscht über den Himmel, ich offenbare ihr meinen einzigen Wunsch.

Zurück in der schnöden Realität hoffe ich und der Stein in meiner Brust wirkt für einen kurzen Moment beflügelt.

3

Diesen Text mochten auch

0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •  

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare