martinisandmistakes 09.01.2014, 00:07 Uhr 5 9

Zu nah

Ich kann das nicht. Deine Lieblingsfloskel.

Ich war auf kaltem Entzug nach dir. Monate, Tage, Stunden, Herzschläge. Ich habe geweint, gebrüllt, gekämpft, und verloren. Resignation ergab mit dem letzten Tropfen Stolz eine Symbiose, die mich aufgeben lies.

Gründe konntest du mir keine nennen.

Sagtest, es liege an dir und deinem kalten Herz.
Ich wusste von Anfang an, dass du etwas Besonderes bist. Und dass du selbst deinen größten Feind darstellst. Oft genug habe ich den Streit zwischen dir und deinem Kopf geschlichtet.
Es gelang mal mehr, mal weniger, dich davon zu überzeugen, dass du liebenswürdig und wertvoll, und zu so viel fähig bist. Aber du warst dir selber nie genug.
Höher, schneller, weiter – Maßstäbe, die du weiß Gott wie definiertest; tief und tiefer ließ dich der Anspruch an dich selbst fallen.

Ich habe nie verstanden, warum du so unzufrieden mit dir und deiner allgemeinen Situation bist.
Hätte man die Leute gefragt, hätten sie gesagt, eine kopflose Optimistin und ein melancholischer Schwarzseher – hochexplosiv.
Und sie sollten Recht behalten.

Liebesbriefe und Gedichte habe ich bekommen. Worte waren deine Zuflucht. Damit hast du ausgedrückt, was du niemals hättest aussprechen können.

Ich war dein Kompass und die Heilung deiner alten klaffenden Wunden. Ein loser Herzschlag wurde fest.

Diese Worte brennen bis heute vor meinem inneren Auge.
Und in dem kitschigen, wachsversiegelten Briefumschlag, ganz weit hinten im Kleiderschrank archiviert.

Du hast mit deinem Fehlen Besitz über mich ergriffen, ich konnte nicht essen, nicht schlafen, nicht denken. Liebeskummer halt.

Es verstrich keine Minute in der ich nicht daran dachte, was du tust, was du denkst, ob du mich vermisst.
Und du hast mich vermisst.

Wie leid es dir täte. Wie du nur so dumm sein konntest. Wie ein Phoenix aus der Asche entstiegst du deiner Depression, in der du ohnmächtig vor dich hinvegetiertest, unfähig dich und andere zu ertragen.

In der du hast gesagt, du könntest nicht der sein, den ich verdiente - ohne dass ich jemals Forderungen an dich stellte.
Ich würde mich immer mit weniger zufrieden geben müssen mit dir. Von einem anderen Mann würde ich das bekommen, was für mich vorgesehen wäre und ich verdienen würde.

Du könntest dich nicht ändern und du wärst nun mal ein kalter Mensch.

Worte, die zu den verschiedensten Momenten, doch immer wieder in meinen Ohren hallen würden.
Kalter Mensch.

Dann würde ich mich am liebsten ins Auto setzen, ungeachtet der Geschwindigkeitsbegrenzung zu dir rasen, dich packen und ganz feste schütteln.

Du wolltest mich zurück, sagtest, du hättest nie aufgehört mich zu lieben.

Um dann am nächsten Tag zu beteuern, dass jedes deiner Worte zwar wahr gewesen wäre, aber du es nicht mit dir vereinbaren könntest, mich nochmal so zu verletzen.
Gestandest dir und mir ein, das Vertrauen, dass ich dir schenkte, mit Füßen getreten zu haben.
Du wärst nicht fähig dich zu ändern und mich besser zu behandeln.

Stichworte, die dafür sorgten, dass mein Innerstes sich schmerzhaft vor Wut und Trauer und Hilflosigkeit zusammen zog.

Ich kann das nicht. Deine Lieblingsfloskel.

Immer hast du dir eingeredet, du könntest etwas nicht, bis du es dir irgendwann schließlich selber geglaubt hast.
Genau genommen auch der Weg des geringsten Widerstandes.

Ich konnte mit Worten und Taten sooft beteuern wie ich wollte, dass ich dich liebte, aber in einer deiner Phasen hast du es überhört, übersehen und ignoriert.
Dein Mantra war schließlich, dass jemand wie du nicht geliebt werden konnte.

Wenn die Depression sich wieder verkroch und du wieder Herr deiner Sinne bist, bist du für mich immer noch eine der interessantesten Personen, die ich bis jetzt kennen gelernt habe.
Aufmerksam, bedacht. Manchmal kitschig romantisch, für mich genau im richtigen Maße.

Aber das hast du alles mit Gewalt kaputt gemacht, hast mich von dir weggeschubst und mich in die Ohnmacht gedrängt, mir jegliches Mitspracherecht verwehrt.
Du hattest deine Entscheidung gefällt, nie der Mann für mich sein zu können, der du gerne wärst.

Vielleicht wolltest du auch einfach nicht? Eine Frage von vielen die mir unbeantwortet blieb.

Du hast gesagt, noch nie hat dich jemand so berührt wie ich.

Indem du dies aussprichst, läuft in deinem Kopf aber in Endlosschleife, dass dein Herz aus Stein ist.

Ich habe alles versucht, um dich vom Gegenteil zu überzeugen, und ich bin mir sicher in zahlreichen Momenten habe ich das geschafft.

Aber es ist wie eine Sucht, sich selber zu peinigen.
Sie kommt und ergreift Besitz über dich, ohne Voranmeldung, einfach so.
 
Die Sonne geht immer irgendwo auf.

Worte, mit deren Bedeutung du dich nicht identifizieren kannst, aber meine Lebensleitlinie sind.
An guten Tagen, sagtest du ich wäre deine Rettung, ich würde dich warm machen.

Und das war unser Verhängnis, denn ich war dir zu nah.

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5 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 2

    Genau meine Situation seit einem Monat. :-( 


    Sehr gut formuliert. :)

    11.01.2014, 13:29 von Sunny2401
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  • 1

    So habe ich mich vor kurzem auch noch gefühlt ... Gut geschrieben :) 

    10.01.2014, 20:33 von _gedankengut_
    • 1

      danke sehr, gut zu wissen, dass man da nicht allein ist :)

      11.01.2014, 01:14 von martinisandmistakes
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