Kopflos. 30.11.-0001, 00:00 Uhr 12 22

Zu früh. Zu spät. Ich war zu jung.

Dort, wo ich ankomme, wirst Du sein.

Das Leben und ich hatten es oft nicht leicht miteinander. Ja, so kann man diese turbulente, beschissene Zeit beschreiben, nachdem Du gingst. Nachdem ich, auf der Suche nach dem Leben, ging. 

Viele Nächte vergingen, in denen ich zugedröhnt durch die Clubs tanzte und Menschen unter Drogen nah an mich lies. Viele Frauen und Männer lagen nach Dir in meinem Bett und liefen im Dunkeln, in Schlangenlinien an meiner Hand. Ich versank in mir. Mit einem Tunnelblick ging es raus in die Welt. So groß meine Lust nach ihnen auch war, desto mehr hasste ich sie. Immer wieder, wenn ich nackt, schwer atmend, vor ihnen stand, hasste ich sie ein Stückchen mehr, weil der Weg zu ihnen mich von Dir entfernte. 

Das ganze ist Jahre her, Lichtjahre. Eine Ewigkeit. Aber immer noch weiß ich genau, was an diesem Abend geschah. Ich kann mich an die Blicke erinnern, die sie mir zuwarf und jede meiner Bewegungen verfolgte. Silvester. Nur noch eine Nacht will ich Dich lieben. Vergessen was war und was kommt. Es war Wärme, die in mir hochkroch, als mir bewusst wurde, dass mein Umfeld sie ungemein sympathisch fand, dass sie kein Fremdkörper war in dieser Gemeinschaft, die mein Leben so sehr bestimmte. Und schon da wusste ich, was in dieser Nacht passieren wird. Fast fühlte ich mich ein wenig schutzlos, als wir die Feier verließen. Mir war, als ob ich aus einem sicheren Hort hinaus in eine gefährliche Welt träte, wo stürmische Winde bliesen und ich allein auf mich gestellt war. Allein auf mich gestellt, obwohl sie auf mir lag. Ein Moment, in dem unsere Haut keine Grenze mehr darstellte. Mit jeder Berührung, mit jedem Atemzug, den ich spürte, fühlte ich ein kleines Stück mehr Schutz. Nie werde ich ihren Blick vergessen. Ein tiefgründiger Blick, der nichts als Liebe und Ehrlichkeit versprach. Ihre Hände waren überall gleichzeitig. Anspannung und Angst, gemischt mit purer Lust fühlte ich, als sie meine Haut als Grenze zurück lies. Erst als mein Atem schneller wurde, kam die Sicherheit. Das erste Mal, kam ich in ihrer Hand. Ich spürte ihre Fingerspitzen in mir, wie sie sich im Takt meines Atems bewegten und mich immer und immer wieder zusammenzucken ließen. Nie wieder sollten sie aus mir gleiten. 

Doch sie glitten. Es war nicht unsere Zeit. Zu früh, zu spät, ich war zu jung. Zu jung um dahin zu gehen, wo ich mit Dir hin wollte. In ein Leben, in dem es Momente, wie diesen gibt. Ein Fundament, das uns beide trägt. Dort, wo ich ankomme, wirst Du sein.

 

22

Diesen Text mochten auch

12 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 3

    "Zu jung um dahin zu gehen, wo ich mit Dir hin wollte. In ein Leben, in dem es Momente, wie diesen gibt. Ein Fundament, das uns beide trägt. Dort, wo ich ankomme, wirst Du sein."


    sehr schön..

    07.03.2013, 17:35 von hinie
    • 0

      Danke :)

      26.03.2013, 09:11 von Kopflos.
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare