kjaeddi 30.11.-0001, 00:00 Uhr 16 71

Zeit

Ich habs erklärt: Ich habe gegen deine Kontrolle aufbegehrt. Nur denkst du jetzt, du wärst mir gar nichts mehr wert.-

Du warst alles und du warst nichts, brachst mir das Herz und fügtest es wieder zusammen. Die Zeit verging und vergeht und wird vergehen, aber du wirst immer irgendwo bleiben.

Es ist merkwürdig; ein kleines Wort, ein Buchstabe weniger als in Liebe und Glück und einer mehr als in Wir. Schwer zu erfassen und nicht zu umgehen, mal schneller und mal langsamer, aber immer da.
Der Herbst kommt langsam, es wird kühler und sanfter Regen läuft das Fenster hinab. Teilt sich, läuft zusammen, einzelne Tropfen suchen sich ihren einsamen Weg.

Uns gibt es schon länger nicht mehr, wir waren lange und dabei doch immer kurz; die Zeit teilt sich in ein davor und danach. Du warst nicht die große Liebe, aber zumindest die Erste. Vielleicht kommt mit der Zeit Klarheit in das Fragezeichen, das verschwommen immer im Hintergrund auftaucht in den einsamen Nächten und melancholischen Liedern.

Es ist an der Zeit, abzuschließen. Du hast mir so viel von diesem kleinen Wort geraubt und so viel davon geschenkt. Hast mir Stunden ewig lange und viel zu kurz vorkommen lassen, aber hast du je wirklich geliebt?

Wenn ich an uns denke fühle ich kein Ziehen in der Brust, keine Trauer, kein Verlangen und auch kein Herzklopfen, aber die Gedanken sind da. Werden mit der Zeit stärker und wieder schwächer –und dann doch wieder stark. Zeit heilt nicht alle Wunden, mit Schmerz lernt man umzugehen, aber es dauert. Ich bin soweit. Ich kann beginnen los zu lassen.

Mit der Zeit legt sich Staub ab, nach und nach wird alles grau; Konturen verschwimmen, lösen sich auf. Ohne dass ich es merke vergeht die Zeit, das Grau wird mehr, beruhigt. Bald kann ich den Raum unserer Erinnerung betreten, kann sanft mit der Hand über die verhüllten und verstaubten Stücke unserer Zeit fahren und mich erinnern, kann lächeln und hinter mir die Tür schließen. Leise, keinen Blick zurück. Bald wird es soweit sein, und ich bin geduldig. Die Zeit wird alles richten.
Ich höre die Uhr ticken und die Zeit gehört mir.


Tags: liebe, Erste Liebe, Trennung, abschließen
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16 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Wunderschöner Text, in wahrster Hinsicht des Wortes. Schön.
    Das einzige störende der Zweifel am Anderen.
    Der Andere wird angeklagt. Durch eine Vermutung. Durch einen Schmerz. Schade.
    Denn es ist die Zeit des einen Menschen. Immer. Allein mit sich, alein mit dem Anderen, zusammen mit dem Anderen. Auch, wenn die Zeit anders vorkommt. Ohne ihn. Mit ihm. - Deutsche Grammatik ist verdammt schwer! -
    Der Andere liebte wie es die Umstände zuließen. Nicht zwingend (nur), wie sein Herz liebte.
    Aber!.- Yes, wonderful. J'aime beaucoup. Schöne Gedanken.

    17.09.2013, 12:02 von Filousoph
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  • 1

    Einfach nur WOW.

    05.09.2013, 14:23 von never_not_ever
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  • 1

    Spricht mir aus dem Herzen; wunderschön wahr!

    04.09.2013, 07:22 von mangoooni
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  • 2

    Hach, hoffentlich ist es bei mir auch bald soweit ... Wundervoll geschrieben und absolut ehrlich und toll. Du sprichst wahrscheinlich uns allen aus der Seele <3

    04.09.2013, 07:18 von lialein1989
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  • 1

    Sehr sehr wahr!

    03.09.2013, 22:26 von where_are_U
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  • 2

    bei der ersten Liebe, wie bei der nächsten Liebe. Immer wieder anders und doch immer wieder wahr. 

    03.09.2013, 02:03 von hupftigga
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  • 1

    thats big.

    wirklich grandios geschrieben. :)

    02.09.2013, 22:28 von julchen_dot_com
    • 0

      Vielen Dank! :)

      02.09.2013, 22:53 von kjaeddi
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  • 1

    wow, toller text mit all den gegenteilen und dem gefühl dahinter! bin begeistert!

    02.09.2013, 20:41 von chiwagne
    • 0

      Gracias.

      02.09.2013, 22:53 von kjaeddi
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  • 3

    Sehr schön. Allerdings finde ich den letzten Absatz zu viel. Ein davor zu enden hätte ich persönlich schöner gefunden.

    02.09.2013, 09:45 von PinkahPandah
    • 0

      Danke fürs Feedback!


      02.09.2013, 22:53 von kjaeddi
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  • 1

    Dieser Text trifft es auf den Punkt. So ist es, so fühlt es sich an.

    Auch die Leere die man manchmal spürt, wenn man sich erinnert. 'Wenn ich an uns denke fühle ich kein Ziehen in der Brust, keine Trauer, kein Verlangen und auch kein Herzklopfen, aber die Gedanken sind da. Werden mit der Zeit stärker und wieder schwächer –und dann doch wieder stark.'

    Sehr schön!

    01.09.2013, 15:31 von bergrose
    • 1

      Vielen Dank!!

      01.09.2013, 15:48 von kjaeddi
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