pjerre_vulgaer 25.02.2010, 22:13 Uhr 0 0

Yin, Yang und Yen.

Die Tür fällt ins Schloss.

Ich saß da und sah ihrem Treiben zu. Ich wusste nicht, was ich tun, was ich sagen könnte, um etwas zu ändern, um alles wieder in die richtige Richtung treiben zu lassen. Ich saß nur da und sah sie gehen.

In der schlupfrigen Nachtbeleuchtung meiner Straße, besser gesagt des Parkplatzes vor meinem Haus, war sie dann nicht mehr zu sehen. Doch als ich wieder in meine Wohnung zurückkehren wollte, hörte ich im Treppenhaus ein leises Schluchzen. Im nächsten Moment verklang es, und ich fragte mich, ob ich es mir nur eingebildet hätte. Ich schaute nach, doch weder weiter oben noch unten war jemand zu sehen geschweige denn etwas zu hören. Vielleicht würde sie ja wiederkommen, vielleicht war sie nur einmal um den Block gegangen und würde schon im nächsten Augenblick an meiner Tür klopfen. Zwanzig Minuten später vergrub ich diesen Gedanken in der Schublade des sinnlos-gedachten.
Da es mitten in der Nach war und ich am nächsten Morgen zeitig zur Arbeit gehen müsste, konnte ich nicht ewig dort in meinem Bett wachliegen, ich musste mich zum Einschlafen zwingen, das wäre vernünftig. Gleichzeitig kotzte mich dieser rationale Gedanke an, er war vielleicht der Grund, wieso alles in die Brüche gegangen war, und dass ich ihn nun noch weiterzuführen gedachte, war pervers. Dennoch schlief ich irgendwann, so circa halb zwei, ein.

Der nächste Morgen verlief normal, bis auf die Tatsache, dass ich niemand zum Verabschieden hatte, als ich zur Arbeit ging. In der S-Bahn zückte ich mein Handy und verfasste eine provisorische Nachricht, die ich später am Tag noch verfeinerte und schließlich, voller innerer Angespanntheit, verschickte. Doch es kam keine Antwort. Ich hatte auch nicht direkt eine Frage gestellt, nur eine allgemeine Bemerkung, die etwas hätte bewirken können, aber so dachte ich fortlaufend, dass sie es nicht getan hätte. Ich malte mir ihre Reaktion aus. Hatte sie Regung gezeigt, war sie noch immer erbost, wütend, traurig, enttäuscht? Wahrscheinlich alles zusammen. Oder einfach gar nichts. Wie auch immer, es war nicht schön, es nicht zu wissen, keine Kopfkamera zu besitzen, die einem an den Ort der gesendeten SMS bringt.

Es ließ mich ratlos zurück.

Und in dieser Ratlosigkeit bin ich seitdem gefangen, wie in einem Zeitloch, das um sich selbst routiert, ein Perpetuum Mobile des Gehirns. Höre, lese und schreibe mich durch die Gefilde meines Rechners, um Ablenkung zu finden. Finde sie nicht. Sehe nur die, zum Glück(!), dagelassenen und auch nicht abgeholten Sachen, verstehe, ja interpretiere dies als ein Zeichen der Hoffnung und wälze mich dennoch qualvoll über den Boden angesichts der Fülle von Konflikten, die diese Sachen repräsentieren. Habe Angst vor der Enttäuschung, habe Angst davor anzurufen und ihre Stimme zu hören, die etwas sagt, dass ich nicht verschmerzen kann. Habe Angst vor der Endgültigmachung des gestrigen Vorfalls. Stattdessen: Space Oddity von David Bowie, den Song, den ich erst durch Jan Bodenlos kennen lernen durfte, der ihn wiederum von der rückwärts laufenden Kiku hat, und der mich jetzt daran erinnert, was Thomas Lang mir gestern per Email mitteilte: "Das Einzigartige an Literatur ist, dass wir mit ihr ganz weit weg kommen und dann plötzlich uns selbst begegnen."

So ist es.

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