chilenita 30.11.-0001, 00:00 Uhr 1 2

Wortjongleurin

"Eigentlich habe ich immer unglaublich gerne geschrieben. Mit Herz, und aus Leidenschaft. (...) Doch seit ich dich kenne, fehlen sie mir. Die Worte."

Eigentlich habe ich immer unglaublich gerne geschrieben. Mit Herz, und aus Leidenschaft. War eine Wortjongleurin.
Doch seit ich dich kenne, fehlen sie mir. Die Worte. Die Sätze. Die Formulierungen. Ich will dir so viel sagen, die schönsten Texte dieser Welt schreiben, doch mir fällt nichts ein. Nichts passendes. Alles klingt irgendwie abgedroschen. Wie zweimal im Mund umgedreht, drauf herumgekaut, heruntergeschluckt und angeekelt wieder ausgewürgt. Es sind nicht meine Worte, die mir in den Sinn kommen, sondern die von anderen. Die üblichen leeren Floskeln.
"Ich liebe dich so sehr, du kannst dir das gar nicht vorstellen".
"Du bist mein Ein und Alles".
"Ohne dich kann ich nicht mehr."
Klingt irgendwie abgedroschen. Wie schonmal benutzt. Unehrlich, beinahe.
Und obwohl ich den Gehalt dieser Worte über alle Maßen für dich fühle, aus tiefstem Herzen und mit voller Aufrichtigkeit, so mag ich den Klang dieser Worte nicht, wenn ich sie ausspreche. Wenn ich sie zu dir sage. Sie klingen gewöhnlich, ja fast lieblos. Was ich für dich empfinde ist so viel mehr, als sie auszudrücken vermögen. Und nun bin ich mit meinem Latein am Ende. Ich, die Wortjongleurin, die das Schreiben und den Schatz der Sprache immer für das Größte auf Erden hielt. Wie soll man sonst ausdrücken, was man fühlt, wenn nicht durch die schönsten Worte der Welt. Fein säuberlich ausgesucht, und nur für eine einzige Person verwendet. Für dich. Wieso ist das nicht mehr möglich? Wieso habe ich das Gefühl, es reicht nicht mehr?
Liebe ist schön, aber Liebe ist auch seltsam. Sie verändert uns. Dich. Mich.
Mich macht Liebe sprachlos.

2

Diesen Text mochten auch

1 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    wundervoll. 


    02.02.2016, 17:48 von Zart
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare