darkgob 13.05.2012, 22:27 Uhr 1 0

Work in progress.

Inspiriert von Mondscheingeschrei.

Oft, sagt sie, wache ich morgens auf und blicke in einen leeren Tag. Wie das erste Licht des Tages in mein Zimmer scheint die Realität in meine Gedanken, vertreibt das schwindende Dunkel der Nacht. Aber sie strahlt und erhellt nicht, sorgt nur für ein diffuses, konstantes Grau. Dann bekommen die Dinge Konturen, werden deutlicher sichtbar. Mit ihrer Schärfe nimmt mein Unbehagen zu, der Druck. Übelkeit inbegriffen, auch ohne das mein Körper von Natur aus zur Rebellion neigt. Bis ich auf Arbeit bin, sehe ich mich nur damit beschäftigt, die Gedanken abzutöten und meinen Kreislauf bei Laune zu halten, Tabak als difiziles Placebo missbrauchend.

Oft, sagt sie, zieht der Tag an mir als Aneinanderreihung zusammenhangsloser, ungerechter oder sinnloser Momente vorbei. Als anonyme Kranke im Krankenhaus, die noch Kränkere für eine begrenzte Zeit betreut, sind meine Antennen hochempfindlich und empfangen trotzdem nur das Rauschen unterdrückter menschlicher Dissonanzen. Alles wird auf Band gespult, die besonderen Momente decodiert. Meist im schlechten, manchmal im Guten. Alternative nicht in Sicht, aber ich bin gut in dem was ich mache.

Oft, sagt sie, weiß ich einfach nichts mit mir anzufangen. Der Möglichkeiten entweder zu viele oder keine, entsagen Bauch und Kopf ihren belebenden Dienst und schalten in den Wartemodus. Ansprechbar, emotional erregbar, aber immer mit der Sehnsucht nach Ruhe und Verdrängung. Einige Personen dürfen diesen Raum betreten, aber sie müssen sich vorsichtig bewegen und dürfen nicht anecken. Manchmal wächst der Raum durch sie, allzu oft schrumpfte er zuvor.

Oft, sagt sie, fühle ich mich als Zuschauer meines Lebens. Die Hauptperson hatte verschiedene Darstellerinnen, jede anders als die vorherige, fremdbestimmt. Die neueste zeigt mehr Potential, leider underrated, aber talentiert in ihrer Unabhängigkeit. Wären da nicht die geistigen Exzesse, die in ihrer physischen Manifestation den Aufstieg behindern. Und die physischen Hemmnisse, den gedanklichen Ausschweifungen in solider Symbiose verbunden.

Oft, sagt sie, ist mir nach weglaufen zumute, obwohl ich eigentlich bleiben möchte. Dann renne ich und renne, immer weiter, mich nicht von der Stelle bewegend und lächelnd. Momente dieser Art reichen von Sekunden über Stunden, ich übe Kontrolle durch Kontrolllosigkeit, während wir im Flur plaudern. Ich höre mein eigenes Lachen und freue mich jedes Mal, wenn es tatsächlich zu mir durchdringt. Das Leben kann schön sein.

Oft, sagt sie, habe ich trotzdem Spaß, entweder unübersehbar oder unsichtbar. Aber es sind wenige Momente, die wirklich hängen bleiben, mich balsamartig umfangen und weiter nach vorn tragen. Mich meiner Mitte ein Stück näher bringen, obwohl ich noch nicht mal genau weiß, in welcher Himmelsrichtung diese ominöse Mitte liegen soll. Aber ich scheine irgendwo in ihrer Umgebung zu oszillieren.

Oft, sagt sie, sehe ich dich deswegen nicht, obwohl du an manchen Tagen meine Realität erstrahlst und ich schon ein paar Mal gedacht habe, am Horizont deines Lichts meinen Spiegel aufblitzen zu sehen. Du bist dann trotzdem nur da, ich habe nicht die Kraft, dich zu reflektieren, so sehr ich es möchte. Du versuchst es hinzunehmen, aber dein Licht wird trotzdem schwächer und die Tage deines Strahlens seltener.

Oft, sagt sie, eckst du an, wenn du dich in meinen Raum begibst. Manchmal ist er eine ganze Halle für dich, doch auch nur in dieser weist du dich sicher zu bewegen. Den Unterschied zum Zimmer oder gar zur Zelle erkennst du nicht immer richtig, engst uns dann beide ein, obwohl du dir Mühe gibst und es nicht beabsichtigst. Immer öfter schlägt dann meine Tür zu, direkt vor deiner Nase. Öffne ich sie wieder, lässt dein Wesen dich unbeholfen herein breschen. Trotzdem legst du eine Blume in den Scherbenhaufen und machst wieder Ordnung. Aber nie vollständig.

Oft, sagt sie, hege ich deswegen Zweifel an uns und weiß nicht, was ich tun soll. Was ich jetzt zu geben habe reicht bei weitem nicht an das heran, was ich dir unter anderen Umständen gern geben würde. Gleichzeitig plagt mich die Furcht, dir nie das geben zu können, was du eigentlich brauchst. Wir drehen uns zunehmend im Kreis, jeder Schritt auf den anderen zu ist gleichzeitig einer von ihm weg. Ich beginne, dich in grau zu sehen und habe das Gefühl, dass auch du nur meinen Schatten wahrnimmst.

Ein Kuss beendet das monologe Schweigen. "Du bist, was du bist.", sagt er und verlässt den Raum.

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    Achtung: "Ein Kuss beendet das monologe Schweigen. "Du bist, was du bist.", sagt er und verlässt den Raum."

    13.05.2012, 23:29 von forst
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