candycube 27.12.2005, 22:57 Uhr 18 0

Wir

Ich wäre gern woanders. Ich wäre gern nicht hier.

Ich saß auf meinem Bett und du standst immer noch vor mir und ich ertappte mich dabei, wie ich mich über diese Tatsache begann zu wundern. Das was ich fühlte hätte die Welt anhalten müssen, der Boden hätte mich verschlucken müssen vor lauter Schmerz oder zumindest dich. Aber nichts passierte, ich atmete sogar noch. Die Menschen saßen immer noch auf der Straße und tranken und aßen und sie ahnten nichts von dem was passiert war in den letzten fünf Minuten. Und wenn sie es gewusst hätten, hätte es sie vermutlich auch nicht abgehalten. Denn hier in diesem Zimmer, in der Hamburger Sternschanze war kein Erdbeben, es fielen auch keine Bomben und es gab keine riesige Welle die alles überschwemmt hatte. Hier in diesem Zimmer hatte ein Mensch erfahren, was vermutlich jede Sekunde auf der Welt ein Mensch erfährt. Ein Mensch war betrogen worden. Was diese Situation anders machte, als bei all diesen anderen Menschen war, dass ich es war, die betrogen worden war. Und in mir fielen gerade Bomben, schwappte eine Welle die lebensbedrohlich war. Ich sah ihm in die Augen, es war ihm unerträglich, das machte mich wütend. Ich begann zu schreien und schickte ihn weg, fort. Und ich sparte nicht mit filmreifen Ausrufen wie "Ich will dich nie wieder sehen!" Er ging, was blieb ihm anderes. Das Problem war nur, dass mir das überhaupt nicht half. Ich war immer noch hier und ich war mir ausgeliefert. Mit endlosen Fragen im Kopf und soviel Trauer dass ich nicht wusste wie ich die je wieder aus mir rausbekommen sollte. Es klang so simpel und das war es auch und das ertrug ich an der ganzen Sache nicht. Es war eine der Situationen über die es nicht viel zu reden gab, denn es war nichts zu ändern. Es war nichts weg oder schön zu reden. Es war, wie Andre es mir gesagt hatte. Er hatte mich betrogen und damit auf einen Schlag das Wir was da war wieder in zwei Ichs verwandelt. Denn mein Ich war jetzt gezwungen, gegen sein Ich zu sein und sich zu wehren. Wo sollte ich hin mit meinen Gefühlen in dieser Situation in der ich mich nicht auskannte? Und wollte ich wieder Ich sein?
Am liebsten wäre es mir gewesen gar nichts zu sein, so lange bis der Schmerz weg war, bloß diese Option schien nicht vorhanden zu sein. In der Nacht dann die Erkenntnis. Ich leide so weil ich ihn liebe. Und darauf sofort der Gedanke: wie wenig bist du dir selbst wert, wenn du ihn danach immer noch liebst?

18 Antworten

Kommentare

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    ich finde, du bist dir sehr viel wert- solltest du zuminderst! denn du hast keinen fehler gemacht.
    vergiss das nicht!!!!!!!

    15.05.2006, 22:27 von jenna-mary
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    ohoh du beschreibst da meine größte b efürchtung!pbwohl ich weiß,dass es zumindest momentan nicht passieren kann. ich hoffe,mir passiert nie sowas.denn ich bin zu stolz, nie könnte ich dieser person verzeihen.vermutlich würde ich sie aber trotzdem noch lieben. was eine echt blöde kombination wäre. aber dennoch würde der stolz, mein stolz siegen.

    15.05.2006, 22:12 von gezellig
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    Also ich denke, das hat nichts damit zu tun wieviel man sich selbst wert ist, wenn man ihn trotzdem noch liebt. Liebe kann man weder steuern noch beeinflussen, noch rational erklären. Liebe hat man im Blut und im Herz und man kann sich mit dem Verstand nicht dagegen wehren was das Herz will.

    01.04.2006, 19:36 von ezralite
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    Ein schöner Text.!auch wenn er von verzweiflung nur so überquillt. Ich wüßte nicht wie es mir gehen würde, wen ich betrogen worden wäre!??? Für mich ist das, dass schlimmste was es gibt in einer Beziehung! Aber Rat kann ich da auch kenen geben!

    16.03.2006, 18:49 von l_u_c_a_22
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    Ich denke,das kann man nicht so pauschalisieren. Fremdgehen ist wahnsinnig verletzend für den Betrogenen und macht viel kaputt. Andererseits ist Treue doch irgendwie auch eine Lüge unserer Gesellschaft, denn wo gibt es die noch?Oder besser: Wo fängt ein Seitensprung an?Wichtig ist doch die Loyalität. Es kommt darauf an, wie es war und mit wem. Wann es war. WAS es war. Wie die Beziehung zu dem Zeitpunkt war. Wie es aufgeflogen ist, ob es mehrmals passiert ist. Ein schneller Kuss im Rausch lässt sich vielleicht verzeihen. Eine Affäre mit der besten Freundin wohl eher nicht.

    06.03.2006, 20:27 von aliya
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    Frag dich nicht warum er es getan hat. Sage dir, dass er es getan hat. Und dann frage dich "Was macht es aus mir?" "Was macht es mir aus?"
    Es gibt kein richtig und falsch. Es gibt dich. Es gibt deine Gefühle. Und du solltest nach ihnen handeln. Willst du ihn schlagen, schlag ihn. Er hat es verdient. Willst du ihn lieben, liebe ihn, auch wenn er es gerade jetzt nicht verdient. Folge dir selbst.
    Lass dir Zeit. Sei ungeduldig. Lass es rein. Und vor allem lass es raus.
    Tu was du nicht lassen kannst. Und das meine ich mit viel Wohlwollen und Hoffnung, dass es mir auch irgendwann besser geht.

    Hey, ich zieh bald nach Hamburg! Lust auf nen Kaffee? Oder vielleicht n Zimmer frei:)?
    Unverschämt, ich weiß. Aber ich folge mir.

    02.03.2006, 17:06 von Momalou
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    ich wurde betrogen und habe eine zweite chance gegeben, dann noch eine dritte, eine vierte und wurde wieder betrogen.
    nach lenger zeit war ich endlich stark genug mich zu trennen/ zu schwach um noch zu hoffen.
    ich kann also den gedanken "wie wenig bist du dir selbst wert, wenn du ihn danach immer noch liebst?" gut verstehen.

    28.02.2006, 16:20 von Karlsson
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    Hmmm... sehr schwierig.
    Aber die ersten Zeilen des Textes gefallen mir ganz gut. Schön geschrieben. Sonst fehlt ein bischen der Zuug beim Lesen. Weil auch nichts passiert. Musss ja nich, aber dann ein bischen mehr drive in der Sprache vielleicht.

    11.01.2006, 17:40 von elverdug
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    ich finde du sagst es ganz genau Dominik! Man kann sowas nicht wieder gut machen. Vielleicht wird bei einer 2. Chance noch wieder etwas draus. Aber das Vertrauen, dass zum Teil über Jahre aufgebaut wurde ist mit einem unnötigen Schalg kaputt gemacht worden und muss wieder von ganz unten aufgebaut werden.

    07.01.2006, 15:27 von ChopSuey
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