BTownBlondie 16.12.2007, 13:47 Uhr 1 3

Wir reiben uns aneinander.

Wir scheitern, wir lernen, wir werden geschliffen. Müssen Beziehungen so anstrengend sein?

Es schien Freitagnacht eine gute Idee. Trunken von der Weihnachtsfeier setze ich mich in ein Taxi, es kann nur zu dir gehen. Ich werde dich überraschen, mich neben dich kuscheln und dann mit dir schlafen. Ich freue mich sehr darauf und als ich in deiner leeren Wohnung stehe, kann ich es nicht fassen. Du wolltest doch heute früh schlafen gehen und gar nichts machen. Warum kannst du nicht einmal tun, was du sagst?

Es geht wie es kommen musste. Ich rufe dich an, komm nach Hause, ja? Komm sofort hierher, weil ich hier bin, weil du mich liebst, weil du für mich sogar deine Kumpels stehen lässt. Komm hierher und zeige mir, dass ich dein Ein und Alles bin. Es geht, wie es kommen musste. Du kommst natürlich nicht, denn du hast eine gute Zeit mit deinen Freunden, ich könne ja warten. Aber dazu bin ich in dieser Nacht zu stolz. Ich warte nicht, sondern fahre nach Hause, in der U-Bahn noch schnell eine sms, in meinem Zustand halte ich sie für vollkommen gerechtfertigt – du solltest tun, was du sagst und nicht andauernd deine Pläne ändern. Was ist dein Wort schon wert? Und was deine Liebe?

Am nächsten Morgen, die Kopfschmerzen, der schale Geschmack im Mund und natürlich die Idee, dass ich irgendwas falsch gemacht habe. Mit meiner Freundin kann ich drüber lachen, aber tief im Innern weiß ich, dass es nicht zum Lachen ist, dass ich meinen Freund unrecht behandelt habe, dass ich tief in mir eben doch Schattenseiten besitze. Ich bin einengend, ich vertraue seiner Liebe nicht, ich bin selbstsüchtig, unrealistisch und fordere unnötige Liebesbeweise, tief in meinem Innern war ich gestern Nacht 15 Jahre alt, als hätte ich nichts gelernt. Mein Selbstbewusstsein, meine lässige Art, meine Liebe. Sie war gestern nichts wert.

So sind Beziehungen. Sie rufen deine beste Seite hervor, aber sie zeigen auch deine schlimmsten Seiten, sie halten dir den Spiegel vor und nicht immer bin ich begeistert. Aber jetzt muss ich das erstmal mit mir selbst ausmachen. Da muss ich durch. Und mein Freund? Den will ich gar nicht wieder sehen. Weil er mich an mich erinnert. An mich und meine Schattenseiten. Und trotzdem sehe ich ihn gleich. Weil Beziehungen eben so sind. Wir reiben uns aneinander und blicken ab und zu uns selbst ins Gesicht. Wir reiben uns aneinander und wir wachsen, persönlich, jeder für sich. Und wenn wir dann fertig geschliffen sind, können wir nur hoffen, dass die Beziehung das ausgehalten hat. Ansonsten freut sich eben der nächste.

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Kommentare

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    Verdammt, wie gut kenne ich das nur...

    17.12.2007, 11:47 von Azaki
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