Wir könnten was verpassen
"Es ist, was es ist", aber Du bist Dir nicht sicher, was es ist. Du hast Angst, oder?
Wieder mal ist Sommer, um uns ’rum, in Kopf, im Bauch im Herz.
So schwingen wir uns auf’s Rad, fahren zum See und sitzen dort. Irgendwann sitzen dort nur noch wir zwei, alle anderen sind mittlerweile weg.
Wir halten uns im Arm, küssen, reden, streicheln uns die Köpfe und nicht nur der Mond scheint gerade schön. Manchmal reden wir ein wenig, Du etwa willst mir gerade den Kopf waschen, sagst, Du seist richtig sauer, weil ich erzählt hätte von uns. Wohlgemerkt: Meinen Freunden (die auch deine Freunde sind) erzählt hätte, ich sei glücklich darüber, dass wir uns seit kurzem küsssen, streicheln.
_
Moment mal: Die Freunde, um die es da geht, sind die besten, die ich habe. Diejenigen (was Du vermutlich nicht weißt), bei denen ich mich bis vor kurzem regelmäßig ausgeheult habe, dass ich unglücklich verliebt bin (ich Dich!), irgendwie finde ich, dass die jetzt auch endlich mal ein Recht auf schöne Geschichten über dich und mich haben. Außerdem haben die Augen im Kopf, selbst, wenn wir auf Abstand gehen, wenn die dabei sind, kennen die dich, kennen mich – und sind keineswegs so doof, wie du vielleicht hoffst.
_
Du weiß nicht, was das ist, zwischen dir und mir, sagst Du mir. Dann nimmst du mich in den Arm, sagst, wenn du mich ansiehst, könnest du mir nicht mehr böse sein und ich verspreche (weil es dir extrem wichtig scheint) zukünftig meinen Mund zu halten, damit wir zwei unsere Geschichte alleine schreiben können.Okay, ich werd’s nicht wieder tun!
Wir reden noch viel an dem Abend, über dich, über mich, stellen jede Menge wirklich persönlicher Fragen und bekommen jeder eine Menge intime Antworten.
Ich habe das Gefühl, wir kennen uns gut mittlerweile (und ja auch nicht erst seit gestern).
Ein paar Tage später sitze ich alleine zuhause bei mir, muss wieder alleine einschlafen, baden, kochen, essen und aufwachen. Ich denk’ an dich, daran, dass du nicht weißt, was da zwischen uns ist. Ich weiß es auch nicht, klar, wie auch, ohne dass du dir darüber im klaren bist. Ich bin verliebt, doll verliebt sogar. Du haushaltest sparsam mit Aussagen in die Richtung, bist der Meinung, ein zufriedenes Grinsen sagt mehr als viele Worte. Wir sind da verschieden, okay.
Aber ich verstehe das Problem nicht. Wir streicheln, küssen uns, reden die Nächte durch, verbringen komplette Tage im Bett und unternehmen viel Schönes – worauf willst Du warten?
Jetzt bist Du einen ganzen Monat weg im Ausland, besuchst alte Freunde, hast jede Menge Spaß. Wir telefonieren lange und es scheint, Du hast nicht mal die Zeit, mich zu vermissen, da Du von einem Event zum nächsten eilst, die Nächte durchmachst und es Dir gut gehen lässt.
Während Du so redest, merke ich: Du hast Angst, etwas zu verpassen (und ja, Du sagst es auch).
Irgendwann im nächsten Monat wirst Du wieder hier sein. Und dann?
Vermutlich werden wir uns in die Arme fallen, uns verschlingen, Nächte zerreden, Tage verstreicheln lassen, nackt im Bett liegen. Du wist glücklich aussehen und Dir nicht sicher sein, was es ist.
Vielleicht ist es die Angst, etwas zu verpassen?
Auch ich habe Angst, ich könne was verpassen, während ich hier warte. Dich.





Kommentare
ich erkenn mich wieder...in ihr ;-)
13.11.2007, 15:46 von akgschön geschrieben...