Wir können sogar über Kotze lachen.
Beste Freunde kann nichts und niemand trennen. Das hört man oft. Einer ist immer der kleine Prinz und einer der Fuchs. Alles ist gut.
Mit den Fingern forme ich vorsichtig eine kleine Senke in die Fleecejacke, die auf der Decke liegt. Die Sonne scheint und es ist Feiertag. Der Park ist voll, aber nicht überfüllt. Die schwarzen OCB sind immer noch die besten langen Blättchen, also zum kiffen. Bei Zigaretten finde ich das Papier zu dünn und eine Kippe soll auch nicht stundenlang dauern. Das Blättchen legt man in die Senke, da kann der Wind es nicht wegwehen. Sie schaut mich an, das kann ich auch durch unsere billigen China-Fake-Sonnenbrillen erkennen. Ich schaue mich noch mal um, denn manchmal kommen die Bullen durch den Park gefahren. Man muss ja nicht zu dreist werden. Aber die Luft ist rein.
Sie schaut in die Ferne, durch die vielen Menschen, über sie hinweg. Ich frage mich, wo sie wohl gerade mit ihren Gedanken ist. Ich nehme ein bisschen Gras aus dem Plastiktütchen und fange an es in meiner Handfläche zu zerbröseln. Die Stängel werden aussortiert, die könnten beim zudrehen das Papier durchstechen, und dann muss ich die Tüte flicken. Merkwürdig schlechte Musik umgibt uns hier auf unserer Decke im Park. Menschen haben manchmal einen komischen Geschmack, denke ich mir während meine Ohren probieren die verschiedenen Melodien den jeweiligen Ghettoblastern zuzuordnen.
Sie unterhält sich mit ihrer Freundin, beide lachen. Ich habe nicht zugehört. Mit einer Hand fummele ich erst eine Kippe aus der Packung und brösel dann ein bisschen Tabak in das windgeschützte Paper. Jetzt merke ich, dass ich vergessen habe einen Filter aus dickem Papier zu rollen. „Na klar!“ sagt sie und grinst mich an, nachdem ich sie gefragt habe, ob sie mir aushelfen kann. Ein vertrautes Grinsen.
Vorsichtig verteile ich das Gras bis kurz vor den Filter über dem Tabak. Das muss so sein, damit man die Tüte nicht so weit runter rauchen muss. Der Filter muss am linken Papierende liegen, zumindest bei mir. Ich bin Linkshänder. Sie hat einen ordentlichen Filter gemacht, in der klassischen Form. Wenn man die kleine Papierrolle gegen das Licht vors Auge hält sieht man ein W oder ein M. So kann einem kein Tabak in den Mund fliegen wenn man zieht, aber wenn die Öffnungen im Filter nicht groß genug sind, kann es sein, dass er verstopft. Das wäre ein ziemlicher Totalschaden.
Sie schaut immer mal wieder zu mir rüber, während sie sich mit ihrer Freundin unterhält. Ich bin heute etwas still, wir sind bei Leuten gelandet, die ich nicht kenne und die vor allem stockbesoffen sind. „Bin gleich fertig“ sage ich, als sie etwas zweifelnd auf den noch nicht zugedrehten Joint schaut. Sie raucht gerne Gras. „Ach, kein Stress“, antwortet sie. Alles scheint gut zu sein.
Eine Horde junger Kerle spielt Flunkyball auf der Straße vor uns. Ziel des Spiels ist es Bierdosen schneller leer zu trinken, als der Gegner. Trinken darf man nur, wenn man eine Flasche, die zwischen den sich gegenüberstehenden Mannschaften steht, mit einem Ball getroffen hat. Und auch nur so lange, wie das gegnerische Team braucht, um die Flasche wieder aufzustellen und den Ball unter Kontrolle zu bringen. Ein Hänfling mit etwas zu stylischer Sonnenbrille bekommt ein Strafbier, also eine weitere Dose zum leermachen, aufgebrummt. Er hatte seine erste Dose illegalerweise umgekippt. Seine Mannschaft wirft ganz gut. Bald hat er die neue Dose leer. Stolz wirft er sie durch die Luft, ganz urmännlich als Zeichen des Sieges. Dann dreht er sich um und kotzt auf die Straße. Erst einmal, dann nochmal. Die Leute schauen mit einer Mischung aus Ekel und Schadenfreude zu. Ich frage mich, warum Menschen immer wieder solch ein Interesse für unschöne Dinge entwickeln. Die meisten Staus auf Autobahnen entstehen nicht wegen dem Unfall an sich, sondern wegen den Autofahrern, die gaffen. Die Nachrichten sind immer schlechte Nachrichten. Ich bin Journalist. Er rülpst und wischt sich den Mund ab.
Sie schaut etwas angewidert der Szenerie zu. „Hoffentlich kommt der Gestank nicht hier rüber“, sagt sie und lächelt leicht sarkastisch, während ich damit beschäftigt bin die Gesichter der Passanten zu betrachten, wenn sie den Kotzfladen vor ihren Füßen bemerken. So kann selbst Kotze ihren Nutzen haben, denke ich und muss grinsen. Sie lacht als ich diesen Gedanken ausspreche. Ich mag das, wir können sogar über Kotze lachen. Vorsichtig hebe ich das Blättchen samt Inhalt aus der Senke in der Decke. Jetzt darf nichts schief gehen, sonst war die ganze Mühe umsonst. Langsam beginne ich mit den Daumen den Joint in seine typische, konische Form zu bringen. Man muss vorsichtig dabei sein. Zum einen damit vorne nicht alles rausfällt und zum anderen darf man nicht zu feste drücken – sonst ist die Tüte zu eng und der Rauch kommt nicht mehr durch. Aber mein Werk nimmt langsam Formen an. Dann kommt der Teil der gute von schlechten Tütendrehern unterscheidet. Das untere Ende des Blättchens muss nun so am Filter eingerollt werden, dass sich der Rest von selbst ergibt. Ich bin gut im Tüten drehen. Sieben von zehn Joints haben bei mir ziemlich genau die gleiche Länge und Dicke. Und dieser ist auch schön geworden.
Sie hat helle Haut und ist deshalb gerade damit beschäftigt sich mit Sonnencreme einzuschmieren. In der Sonne ist es angenehm warm, nicht unbedingt heiß. Ich verzichte auf Schutz, so schlimm wird’s schon nicht sein.
„Na?“ Sie hat eine weiße Nase und grinst mich mit wachen Augen an. „Bist du fertig?“
„Ja.“ Ich grinse mit gespieltem Stolz und stecke mir die Tüte in den Mund. Wer baut, der haut. Aber erst mal muss ich mein Feuerzeug wiederfinden. Der Typ, der mit uns rumhängt hat es. Er hat einen weißen Bart, weil ihm die Sonnencreme in den Haaren hängt und sich strikt weigert einzuziehen. Sieht ziemlich bescheuert aus. Er hat trotzdem ein großes Redebedürfnis. Islamfeindlichkeit, die nicht wahrgenommene Verantwortung der Medien, schlechte Musik, ungleiche Liebe der Mutter für verschiedene Geschwister und die Abneigung gegen den Umstand, dass Klischees manchmal erfüllt werden – das ist nur eine kleinere Auswahl seiner Themen. Ich gebe mir Mühe zu zuhören und zu verstehen, was er sagt. Er ist ordentlich besoffen, im Grunde aber ein netter Kerl. Denke ich.
Die Flamme vom Feuer ist klein. Es ist eines dieser ramschigen Ein-Euro-Feuerzeuge, die immer nur Probleme machen. Aber ich vergesse immer wieder Benzin für mein Zippo zu kaufen und verfluche mich in solchen Momenten dafür. Sie schaut entspannt meinem Kampf mit dem Feuerzeug zu. Endlich funktioniert es. Langsam nehme ich den ersten Zug und behalte ihn kurz in meiner Lunge bevor ich langsam ausatme. Die Augen geschlossen, das Gesicht Richtung Sonne gereckt. Der erste Zug ist meistens der beste. Eigentlich rauche ich ja zu viel in letzter Zeit. Aber so ist das eben im Abschlusssemester als Student. Ich nehme einen zweiten Zug und verdränge den Gedanken. Es beginnt langsam zu wirken, ein wohlbekanntes Gefühl. Angenehm, entspannend. Es gibt keine richtigen Worte dafür. Ein dritter Zug steht mir nach ungeschriebenen Kiffergesetzen noch zu, dann wird die Tüte weitergegeben.
Sie schaut zufrieden drein, als ich ihr den glühenden Joint hinhalte. „Danke“, sagt sie und zieht. Wir kennen uns jetzt gut zehn Jahre, aber so richtig erst drei. Für mich war sie von Beginn an besonders. Ich konnte schon immer gut mit ihr. Wir sind uns irgendwie vertraut. Es gibt diese Menschen selten, aber es gibt sie. Mittlerweile sind wir uns so nah wie nie zuvor.
Sie gibt den Joint an den besoffenen Kerl weiter. Er zieht, atmet aus und stellt fest, dass das gutes Gras sein muss. Ich rauche ja auch kein schlechtes Gras. Mein Blick schweift über ihren Körper. Sie ist sehr hübsch. Und sie fühlt sich gut an. Seit vorgestern weiß ich das. Sie hatte das nie geplant, aber es ist dennoch passiert. Wir haben uns geküsst, wir haben uns gehalten, gestreichelt und wir haben miteinander geschlafen. Ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr so viel dabei gefühlt. Wir sehen uns gerade das erste Mal seit diesem Abend. Sie fand es schön. Es gibt Dinge, die man nicht beweisen kann, aber trotzdem sicher weiß. Sie hat die Nacht danach nicht geschlafen. Der Typ reicht mir die Tüte rüber, es ist noch ein bisschen was dran. Ich nehme noch ein paar Züge. Für einen kurzen Moment schaut sie mir in die Augen. Ich glaube, dass man in Augen sehr viel lesen kann. Ich glaube, alles ist gut.
Menschen wollen für alles Kategorien, Strukturen und Ideen dahinter haben. Auch für Beziehungen. Es gibt Freundschaft, die gibt es eng und nicht so eng. Und es gibt Beziehungen. Ich denke oft darüber nach, warum Menschen diese beiden Rollen so strikt trennen. Freunde bleiben, Frauen kommen und gehen. So lautet das Sprichwort. Aber kann man nicht auch in einer Beziehung befreundet bleiben? Man kann ewig darüber nachdenken. Sie sagt zwischen uns ist alles platonisch. Doch wie platonisch ist es miteinander zu schlafen? Es sind diese endlosen Fragen. Ich bin Soziologe. Und ein bisschen Psychologe. Ich denke gerne über sowas nach. Warum die Welt ist, wie sie ist. Warum wir sind, wie wir sind. Und darüber, ob wir noch mal, noch oft miteinander schlafen werden. Sie wird das erst mal ablehnen. Ich kenne sie gut.
Ich beklage mich in letzter Zeit oft darüber, dass mein Bauch nicht mehr so aussieht, wie es früher mal war, als ich noch Sport gemacht habe. Mit Mitte 30 finde ich es legitim ein bisschen Bauch zu haben, aber mit Mitte 20 eher nicht. „Zehn Jahre muss ich also noch drauf achten“, sagte ich zu ihr. „Ich bin gespannt, wir werden es ja sehen… wenn wir uns dann noch kennen“. Sie machte eine kurze Pause. „Hoffentlich kennen wir uns dann noch.“ Ich lächelte sie nur an. In meiner Welt ist es völlig klar, dass wir uns noch kennen werden. Wir gehören irgendwie zusammen. Egal ob wir uns gerade häufig sehen oder gar nicht. Wir kommen immer wieder. Ich ziehe noch mal an der Tüte und reiche sie ihr rüber. Ein Zug ist noch dran. Nachdem sie ausgeatmet hat drückt sie den Joint im Rasen aus. Ich beobachte sie, geschützt durch meine Sonnenbrille. Ich hatte mir schon so oft vorgestellt mit ihr zu schlafen. Sie wusste das. Zumindest gespürt hat sie es. Ich lag vorgestern noch lange wach. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es wirklich passiert. Nicht jetzt, nicht vorgestern. Ich habe ihre Wärme, ihre Leidenschaft gespürt. Es war erlösend, wunderschön und merkwürdig zugleich.
Langsam ziehen Wolken vor die Sonne und es wird kühler. Links neben uns toben ein Golden Retriever und irgendeine Art Collie
miteinander. Sie jagen sich gegenseitig, sie rollen sich über den Boden und beißen sich spielhaft. Der Retriever ist körperlich überlegen, aber darum geht es ihm nicht. Es ist eine Art Kennenlernen, ein Spiel und es geht nicht darum, wer gewinnt und wer verliert. Menschen denken zu oft und zu viel nach, sie haben zu viel Verstand um das komplett nachzuvollziehen, glaube ich. Manchmal denke ich darüber nach, wie einfach es doch wäre, wenn wir auch mehr Tier wären und weniger Mensch. Der Collie geht in Lauerstellung und überrascht den Retriever, der daraufhin wegläuft. Seine Besitzerin rennt hinterher und holt ihn zurück. Jetzt liegen beide Hunde wieder brav im Rasen und lassen sich den Nacken kraulen. Es gibt schlimmeres als ein Hund zu sein, vermute ich.
Der besoffene Typ erzählt ihr gerade von der ungleich verteilten Liebe seiner Mutter. Er gehört zu den beliebteren Kindern offenbar. Ich kann dazu nichts sagen, ich bin Einzelkind. Ich beobachte Menschen und höre nur auf einem Ohr zu. Ich wundere mich schon länger, dass sie noch nicht auf Klo musste. Sie muss dauernd. Wenn sie Bier trinkt manchmal buchstäblich alle fünf Minuten. Sie trinkt drei Liter Wasser am Tag, weil das gesund ist. Sie ist ja auch Vegetarier. Was das angeht unterscheiden wir uns sehr. Ich liebe Fleisch und kann auch ungesundem Essen oft ziemlich viel abgewinnen. Was hat man davon sich einzuschränken, wenn man morgen vielleicht von einem Bus überfahren wird, frage ich mich. Meine innere Absolution meinen Körper zu quälen. Sie mag aber auch Fußball nicht. Ich schon. Wir sind nicht gleich, ich glaube das ist gut. Sie macht Mode, sie näht selbst und das ist ihr Ding. Neues gestalten, schöne Dinge produzieren, in denen man sich wohlfühlen kann. In denen man gut aussieht. Mir ist meistens ziemlich egal, wie ich aussehe. Ich laufe nicht rum wie ein Penner, aber ich messe meiner Kleiderwahl morgens keine größere Bedeutung zu. Was nicht stinkt, kann getragen werden.
Sie denkt bestimmt viel nach momentan. Ich glaube, das ist alles nicht einfach für sie. Ich bin doch ihr bester Freund. Zumindest sollte ich das sein, in ihrer Welt. Ich habe mich nie so strikt mit dieser Rolle abgefunden. Mir fällt es nicht schwer zwischen verschiedenen Beziehungsidealen hin und her zu wechseln. Freund oder Freund. Ohne miteinander schlafen oder mit. Ich sehe das nicht so eng. Daran scheitert nichts. Für sie ist das Stress. Sie wird sagen, dass sich das nicht richtig anfühlt. Obwohl es sich währenddessen richtig angefühlt hat. Kein Kuss hat sich seit langer Zeit richtiger angefühlt, als dieser eine, dieser erste. Der Rest sind Gedanken, die mit sollte; hätte; könnte; würde beginnen. Doch das, was war, war da. Mir ist so egal, was wie sein sollte; hätte sein können oder was wäre wenn. Mich interessiert das, was ist. Sie wird vielleicht sagen, dass ich es mir einrede, wenn ich sage, dass da schon immer mehr war. Doch dieser eine Abend gibt mir recht. Dabei geht es mir nicht einmal darum. Ich habe gewartet, so lange gewartet. Nicht, dass ich in dieser Zeit kein Interesse an anderen Frauen gehabt hätte. Ich hatte einige, vielleicht zu viele. Ein paar davon waren auch sicherlich tolle Menschen. Aber mir ging es um Spaß, vor allem um meinen. Bei ihr ging es nicht um Spaß. Ich wollte geben, geben so viel ich geben kann. Weil sie es mir wert ist. Weil sie ist, wie sie ist. Weil ich so gut vorhersagen kann, wie sie sich verhalten wird, was sie beunruhigt, was ihr wichtig ist. Für jetzt war es vielleicht das einzige Mal, dass wir miteinander geschlafen haben. Aber für dieses Leben bestimmt nicht. Vielleicht passiert es bald noch mal. Vielleicht ist sie bald auch wieder in irgendeinen anderen verliebt. Ich würde es ihr gönnen. Leider nimmt sie gerne Männer, die ihr nicht geben, was sie eigentlich braucht, was sie eigentlich verdient. Es gibt keinen Mann auf dieser Welt, der diese Nacht mehr verdient hatte, als ich. Ihr Herz spricht eine andere Sprache, als ihr Kopf, als ihr Verstand. Ich wusste das schon, als ich aus ihrer Wohnung ging, mich aufs Fahrrad setzte und zu mir radelte.
Langsam wird es kälter. Sie zieht sich ihre Jacke an und umschlingt mit den Armen ihre angewinkelten Beine. Der besoffene Typ erzählt irgendwas über irgendein Thema. Ich tue nur noch so, als würde ich ihm zuhören. Es interessiert mich nicht. Ich bin woanders. Mein Blick fliegt langsam über die Menschen. Über die Paare mit Kindern, über die Männergruppen mit Grill, über die Frauen mit Neon-Magazin. Ich bin wieder in ihrem Bett. Ich höre die Musik. Ich atme unsere gemeinsame Luft. Bald wird sie mir schreiben, dass das nicht richtig ist. Dass das nicht geht. Dass das so nicht sein soll. Dass wir doch nur Freunde sind. Ich streiche zärtlich über ihren Arm, ihre Brust, ihren Bauch. Das war nicht einfach nur Sex. Und das ist ihr Problem. Sie hat Angst. Die Sonne ist jetzt so gut wie verschwunden. Es ist kalt. Sie fährt gleich zu einer Freundin. Sie wird ihr erzählen, was passiert ist. Und ihre Freundin wird sagen, dass man nichts mit seinen Freunden anfangen sollte. Das macht alles kaputt, das ist es nicht wert. Doch passiert ist es trotzdem. Ich wusste schon vor zehn Jahren, dass es irgendwann passieren wird. Gestern hat sie bei Facebook ein Zitat gepostet. „On ne voit bien qu'avec le coeur. L'essentiel est invisible pour les yeux.” Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
Ich bin der kleine Prinz. Alles ist gut.
Ein Stück die Wiese runter jagt ein kleiner Mischlingshund dem Stöckchen, das sein Herrchen geworfen hat, hinterher. Erst schaut er wachsam auf sein Ziel, mit aller Energie wetzt er dann los so schnell er kann und muss hart bremsen, als er den Stock erreicht. Er nimmt ihn auf und bringt ihn mit einigem Stolz zurück dahin, wo er herkam. Und dann wartet er auf den nächsten Wurf, dann geht das Spiel von vorne los.
Sie faltet die Decke, auf der wir saßen, zusammen. Wir gehen zu unseren Fahrrädern. Sie umarmt mich, nicht zu lang und nicht zu fest. Ich setze mich auf mein Rad und fahre los. Mein Sattel ist die Pest. Die Schraube ist locker, bei jeder Unebenheit in der Straße, kippt der Sattel etwas weiter nach hinten. Ich halte mehrmals an um ihn wieder zu recht zu rücken. Dann fahre ich weiter auf meinem Damenrad. Ich schließe das Fahrradschloss ab und die Haustür auf, gehe in mein Zimmer und höre die „Harvest“ von Neil Young. Leise summe ich die Melodien mit. Ich liege auf dem Bett und schaue die Decke an.
Ich mag das Leben, und wenn ich sie lächeln sehe, dann weiß ich auch warum. Die Mundharmonika spielt ihren Part. Ich klappe mein Notebook auf. Sie hat mir geschrieben. Wir sollten das lassen, sagt sie. „On ne voit bien qu'avec le coeur. L'essentiel est invisible pour les yeux.”
Ich bin der Fuchs. Alles ist gut.






Kommentare
Kompliment...herrlich ehrlich!
12.06.2012, 23:49 von ariSTARVerschlungen, nun schon zum 2. mal!
27.05.2012, 15:53 von StrawberrySwingder titel ist genial.
Das ist der Satz der es mir antat.
Ich vermisse gerade meinen besten Freund..Danke für deinen Text.
19.05.2012, 21:07 von zehnmomente
Danke für deine Worte!
21.05.2012, 12:27 von themarsvoltaireSags ihm...;)
Geht nich mehr:( Seit vier Jahren nicht mehr...
22.05.2012, 18:06 von zehnmomenteAber, wo auch immer der rumschwirbelt als Molekül, der weiß det:)
Sehr ansprechend geschrieben... Habe mich beim Lesen gefühlt, als würde ich mit auf der Wiese liegen und DICH beobachten! Ich mag die Ehrlichkeit und dass alles seine Wertigkeit hat, aber nichts überbewertet wird... Du Fuchs, das ist richtig fein!! :)
19.05.2012, 08:48 von Mrs.McHMal ist man Beobachter, mal der Beobachtete. So ist das auch gut so. Danke für deine schönen Worte :)
19.05.2012, 12:28 von themarsvoltaireNormalerweise reizen mich Titel und dadurch entdecke ich wunderbare Texte. Hier fand ich den Titel so bescheuert, dass ich den Text erst gar nicht lesen wollte und ihn nur weil er vorne auf der zuletzt-kommentiert-Leiste erschien, dann doch gelesen hab. Und ich bin echt froh, weil der Text wirklich sehr schön geschrieben ist. Erinnert mich vom Schreibstil total an Michel Birbæk - auch sehr zu empfehlen. Selbst thematisch grenzt es an ein Buch von ihm. Mir ist aber grad der Titel entfallen.
18.05.2012, 22:10 von topfbluemchenDass du dich an den Titel von Birbæk nicht erinnerst, verdeutlicht ja, dass Titel nicht so wichtig sind. Ich werde aber mal recherchieren, wie sein ähnliches Buch heisst. Danke für deine Worte :)
19.05.2012, 12:27 von themarsvoltaireOh nein, ich finde, der Titel macht eigentlich schon viel aus. Ein Titel kann bei mir darüber entscheiden, ob ich das Buch oder wie hier respektive den Text überhaupt lese. Wie gesagt, beinahe hätte ich den hier überhaupt nicht gelesen ;)
19.05.2012, 13:55 von topfbluemchenIch persönlich mag aber dennoch Titel, welche nicht sofort quasi eine Inhaltsangabe des Textes sind, insofern ist deiner hier widerum auch gut. Ich mag zum Beispiel gerne so abstruse Titel, die einen locken, genau hinzugucken...
Ich hatte auf das urmenschliche Interesse an unschönem, also Kotze, gehofft. Also dass dieser Umstand für Leser sorgt ;)
19.05.2012, 13:58 von themarsvoltaireEs hieß auch kurz mal "Mach die Augen zu und küss mich", aber bei aller Liebe zu den Ärzten. Das war mir dann doch zu schnulzig!
"Mehr... oder weniger" wäre auch gegangen :)
19.05.2012, 13:59 von themarsvoltaireAlso "Mach die Augen zu und küss mich" wäre jetzt so ein Titel gewesen, wo mit höchster Sicherheit davon auszugehen ist, dass ich diesen schönen Text nicht gelesen hätte. ;-)
19.05.2012, 14:01 von topfbluemchen"Mehr...oder weniger" wäre noch gerade so gegangen. Okay, hast gewonnen, dann doch lieber der Kotztitel ;D
Aber einen passenden Titel finden ist glaube ich fast das Schwerste an einem selbstverfassten Text.
19.05.2012, 14:01 von topfbluemchen"Die Decke im Park" war mir zu sehr "Haus am See"-Style :D
19.05.2012, 14:02 von themarsvoltaire"Kein Titel nötig" hätte was... ;)
19.05.2012, 14:02 von themarsvoltaireOh nein, "kein Titel nötig" wär so teenymäßig. :-D
19.05.2012, 14:04 von topfbluemchenMir würde aber auch so spontan keiner einfallen.
Der Fuchs & das Mädchen
19.05.2012, 14:05 von topfbluemchen;)
"Der alte Mann und der Joint" vielleicht? Ach lassen wir das. Ich bin ja nicht alt, fühle mich nur manchmal so :D
19.05.2012, 14:05 von themarsvoltaireAm Anfang dachte ich übrigens 'Man, wann hört die Hommage ans Kiffen denn mal auf', aber der Text hat den Bogen doch gut bekommen :)
19.05.2012, 14:07 von topfbluemchenMir fällt es unglaublich schwer mich nicht kurz zu fassen. Ich will mich oft garnicht kurz fassen, trotzdem ist meine Geschichte oft schnell erzählt. Ich übe mit aller Macht Details zu beschreiben. Denn irgendwann will ich ein Buch schreiben. Noch aber Rätsel ich, wie man eine Geschichte auf 300 Seiten streckt. Daher die Hommage ans -> Tütendrehen, ans Kiffen nur nebenbei ;)
19.05.2012, 14:08 von themarsvoltaireIch glaub, das nicht im ersten Satz muss da raus, oder?
19.05.2012, 14:11 von topfbluemchenDie Kunst beim Buch schreiben wird dann bestimmt sein, die Detailverliebtheit und das "Strecken" so gekonnt aufs Papier zu bringen, dass es nicht langweilt. VIel Erfolg auf jeden Fall dabei.
Nein, dass nicht soll da hin. Es fällt mir ja wie gesagt schwer, mich lang zu fassen. Oder andersrum eben mich nicht kurz zu fassen. Dass ich so einen langen Text schreibe, ist selten. Das Buch wird noch ein paar Jahre auf sich warten lassen. Ich muss noch mehr erleben. Danke! :)
19.05.2012, 14:13 von themarsvoltaireAch, dann hab ich das missverstanden.
19.05.2012, 14:15 von topfbluemchenHe he, üb mal fleissig :)
Mach ich :)
19.05.2012, 14:20 von themarsvoltairetotal gut geschrieben und ich kann mich gut reinversetzen ... "Es war erlösend, wunderschön und merkwürdig zugleich." das trifft es total. Schön zu wissen, dass Männer auch darüber nachdenken ;-)
18.05.2012, 19:27 von katta_bDas freut mich, dass du dich damit identifizieren kannst. Ja, sogar wir denken. Manchmal ;)
19.05.2012, 12:26 von themarsvoltairehuch, wo ist mein kommentar?
18.05.2012, 17:24 von GluecksaktivistinSiehe dein Gästbuch. Manchmal ist das X zu nah am Herzen....
18.05.2012, 17:25 von themarsvoltaireFinde ich aber auch doof, dass Neon nicht nochmal fragt, ob man wirklich löschen will.
18.05.2012, 17:25 von themarsvoltaireseufzt
18.05.2012, 17:28 von Gluecksaktivistindann muss ich jetzt herzen!
18.05.2012, 23:31 von GluecksaktivistinWunderbar getroffen! Und schön die Diskrepanz zwischen leichtem, fluffigem Zusammentreffen und fester Beziehung herausgearbeitet.
18.05.2012, 17:01 von schmonzDanke! Leicht und fluffig ist halt so dauerhaft wie Wassereis :)
18.05.2012, 17:29 von themarsvoltaireSehr schön! (:
18.05.2012, 16:02 von SunshineReggae
18.05.2012, 16:03 von themarsvoltaireDanke! :)
18.05.2012, 16:03 von themarsvoltaire