H2Prince 05.05.2012, 18:58 Uhr 2 1

Wir - aber bitte ohne mich

Mein erster Text. Eher Melancholisch. Oder so.

Ich will uns, aber nicht mit mir.
Ein Alltag.
Ein langer Text. Ein Längerer Tag. Ein lesenswert.

Es war wieder einer dieser elenden Tage.
An denen man viel zu früh, viel zu langsam aufsteht,
nachdem man viel zu spät, viel zu langsam eingeschlafen ist.
An denen man morgens nicht lächelt, weil man weiß, man wird es den ganzen Tag nicht tun.
in dem Wissen: Der heutige Tag zieht sich in seiner relativen Zeit. Ins endlose.

Und so kam es, wie Krieg auf Öl: Ein endloser Tag, in seiner relativen Zeit.
Praktisch gesehen bedeutete dies:
Mittwoch
5:30 uhr aufstehen
22:00 Uhr heimkommen

Einfach:
Zu viel Zeit. Zu wenig Tag.

Versteht mich nicht falsch. Ich jammer nicht über Schule.
Aber nach 9 Stunden Logik-algorithmen, Logarthimen, und Logischen Schaltungsplänen, hat sich mein Kopf entgültig ausge.."log"..gt.
Ha..Ha..! ...nun gut.
Immer noch ich, 10te Stunde Schule, eingesperrt in einem dunklen Raum, in einem viel zu stickigen dunklen Raum, hungrig, durstig, verklebt, geblendet von den grellen Flimmern des Beamers.
Den Grundbedürfnissen grundlegend bedürftig.
Das Wissen, seinem Lieblingslehrer mit weit aufgerissenen Mund zu zeigen, dass man in seinem Unterricht einschläft, ist da nicht gerade motivationsfördernd.

Letzlich versagte auch mein letzer Wille jeglicher guten Erziehung, meine Kommunikationfähigkeit setze aus, meine Augenlieder taten es gleich. Mein Gehirn eh schon Stunden zuvor, in Mathe.
(Wann fingen die nochmal an, in Mathe mehr Buchstaben als zu Zeiten Nietzsches zu benutzen?)
Das letze was dann noch einigermaßen funktionierte war mein Gleichgewichtssinn, der mich gerade noch so auf dem Stuhl halten konnte, mehr schlecht als Recht.
Ich hätte mit meiner Haltung wahrlich eine gute Vorlage für jeden zweitklassigen Exorzisten-Film abgegeben.
Und in dem Moment, als ich den Entschluss gefasst hatte,
auf mein Abi und eine Zukunft zu verzichten, was im Allgemeinen ja eh überbewertet wird, und mit einen Stuhl der Fensterscheibe Ausdruck zu verleihen, was ich von so einem Tag halte...
Durchdröhnte die Schulklingel meinen Kopf und verstummte mit der Aggressionen, was im Allgemeinen durch eine spürbare Erleichterung nach aussen getragen wurde (Sorry euch an dieser Stelle enttäuschen zu müssen!)
Um dieser Jammer-Partie mal ein Ende zu setzen, soweit so ungut.

Schule war aus.
Und während ich an der Bushaltestelle so wartete, erfasste ich den Entschluss, selbst Alte Omis und Schwangere wegzuschubsen, um einen Sitzplatz zu bekommen, mit der Rechtfertigung, dass ich echt schlapp bin.
Soweit kam es zum Glück nicht, ich musste mich nicht in Konflikt mit meinem Moralischen Verständniss stellen, entging tadelnder Blicke und war früh genug eingestiegen um den letzen Platz in einem Vierer zu bekommen.
Ich atmete einmal tief durch. Sehr tief.


Als ich mein Blick wieder vom Boden in menschliche Normen rehabilitieren konnte, sah ich, mir gegenüber sitzend, Sie. sie, oder Sie. oder was ungefähr dazwischen.
Ich lächelte schwach.
Schon deutlich entspannter.
Sie lächelte. Ein lächelndes X. Sie war schön.

Schön sollte man definieren. Sie war nicht hübsch, also ich meine, sie war nicht hässlich. Sie war kein Model. Sie war auch nicht geil. Sie war auch nicht groß geschminkt. Und sie war villeicht ein wenig zu klein, was aber eher daran liegt dass ich zu groß bin.
Aber sie hatte dieses "besondere etwas". Ihr Lächeln..ja sie lächelte mich an..sprach so viele Bände, den ich stundenlang aufmerksam zuhören konnte. Ich fühlte mich als würde uns eine jahrelange Freundschaft verbinden.
Und als ihr Blick wieder aus dem Fenster des Busses wanderte, nicht suchend, sondern in dieser ausgeglichenen Ruhe, wollte ich noch mehr hören.
Mehr erfahren. Ihre Schüchternheit durchdringen, und weiter ihrer ungebrochenen Ehrlichkeit lauschen. Ziemlich viel für den ersten Blick oder? Umso stärker war mein Interesse:

Wer war sie? Wo kam sie her? Wo fährt sie hin? Wieso hab ich sie noch nie gesehen? Hat sie einen Freund? Sie und ich? Eine eigene Wohnung? Abends da liegen? Wein trinken. Ihrer stimme lauschen. ..sie verwöhnen. Aus ihrem Alltag rausreissen. Unser Leben teilen. Sex.



"Hallo"



Kaum hörbar. Völlig emotionslos und undeutlich kam es aus meinem Mund. Noch nie hatte ich mich sowas gewagt. Sie lächelte. Wir redeten miteinander.
Ich weiss nicht mehr worüber. Ich wollte sie nach ihrem Leben fragen, nach ihren traurigsten, schönsten, emotionalsten Momenten, merkte dann wie lächerlich das ganze klingen müsste und suchte nach lockeren Smalltalk-Flockseln.
Nach irgendwas, um ihre Stimme zu hören. Ich konnte auch nicht viel reden. Meine stimme weigerte sich immer noch jegerlicher Kommunikation. Mein Hals war trocken, mit einem Frosch im Hals.
Aber ich war fasziniert. Zum ersten mal.
Aus den alltäglichen Kriterien Körper, Titten, Gesicht, geil ja/nein ausgebrochen.
Eine gefunden, die mehr hat als das existentielle, das definierbare, so ungebrochen in ihrer ehrlichkeit, tief in ihr. So gezeichnet vom Leben an der Oberfläche. Einer BlackBox gleich.
Mir wird bewusst:  "auch ich bin nur Tief in der Oberfläche."


Einige Wochen ist das nun her.
Jedes mal, wenn sie im Bus war, haben sich unsere Blicke gekreuzt, länger als nötig, nie als lästig, immer mit einem Lächeln, egal wie elendig der Tag.
Egal wie elendig, ihr Gesicht machte es zu einem lächelnden Elend. Ehrlich.
Und..


Naja. So kam es:

"Aber wozu? Warum soll ich weiter schreiben, euch mein Herz ausschütten, euch versuchen zu verstehen zu geben, warum ich sie so gern glücklich machen will.
Warum ich derjenige sein will, der später ihre Fotoalben füllt, warum gerade ich derjenige sein will, für sie. Für sie.
Aber ich der bin, der sie nicht glücklich machen kann. Nicht auf dauer, nicht für immer.
Ich bin zu jung, zu schwach, zu gestresst, zu abgelenkt, von alltäglichen Unwichtigkeiten. unwichtigen Alltäglichkeiten.
Ich verliere mich selbst, auf der Suche nach mir.
Noch nicht mit beiden beinen im Leben. Ein Halbes Bein, ein halbes Kind.
gebrochen vom leben, selbst in meiner Ehrlichkeit. Meiner Ehrlichkeit zu mir.
Zu melancholisch, in einsamer Melancholie."

Nein ich muss aufhören, darüber nachzudenken. An sie zu denken.
Ende.


Ende? Ja.
Keine Zukunft.
Kein Happy end.
Kein schönes Ende.
Einfach nur elendig.


Tags: Bus, Frau
1

Diesen Text mochten auch

2 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Warum ich derjenige sein will, der später ihre Fotoalben füllt...

    Den Gedanken mag ich.

    10.05.2012, 17:42 von lemilia
    • 0

      Ups, das sollte eigentlich ein Zitat werden!

      10.05.2012, 17:43 von lemilia
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare