TiffanyDeLuca 06.04.2009, 22:56 Uhr 0 0

Wintertraum

Wie eiskalte, beißende Winterluft sich in die Atemwege brennt, so brennen sich deine Worte in mein Herz. Es schmerzt.

Nicht vieles ist von Dauer, nicht die Jahreszeiten, nicht die Menschen und mit ihnen nicht die Liebe. Doch hatte ich es gewagt den utopischen Gedanken der ewigen Liebe zuzulassen. Wieder einmal auf dem falschen Weg gewesen. Deine nüchternen Worte reißen mich aus diesem Zuckertraum. Meiner Traumwelt. Weich war ich gebettet, wie auf Watte. Dafür falle ich nun und werde umso härter landen. Beton. Hinein in die graue Winternichtlandschaft der Großstadt. Nein. Diese Stadt fängt mich nicht. Sie lässt mich fallen. Hinein in die ebenso graue, eiskalte Anonymität. Für ewig ist auch sie nicht. Dennoch für länger als ich. Als du. Als das wir. Um mich herum alles. Und nichts. Gelangweilte, graue Gesichter, wie in einem Schwarz-Weiß-Gemälde, umgeben mich in ihrem Alltagstrott. Nur nicht zu genau hinsehen, das Leid aller ist zu offensichtlich. Der Schmerz der Menschheit schreit jedem von ihnen aus dem eingefallen Gesicht. Die überarbeiteten Körper schreien sich gegenseitig durch ihr immer fortwährendes Schweigen an. Alle tragen sie die gleiche Last, alle müssen sie sich unter ihren Herrschern beugen, alle sind sie gebrochen und einsam. Fast schon utopisch der Gedanke des Rettungsankers. Doch selten kommt es vor und das Lächeln eines Einzigen, der den Bann zu durchbrechen scheint, reicht um das mausgrau in ein sommersonnengelb zu verwandeln. Wenn auch nur für einige wenige Sekunden. Dieser Einzige. Du. In meiner kleinen grauen Einheitswelt. Hast den Grauschleier, den Bühnenvorhang durchdrungen, die Bühne gestürmt und die Hauptrolle übernommen. Hast mich zu dir auf die Bühne gehoben, mir die Hauptrolle in deinem Theaterstück, Stück Leben, geschenkt. Doch es war nur ein Stück. Ein Teil. Kein Ganzes. Ein Teilnehmen auf Zeit. Ein klassisches Drama in fünf Akten. Edle Einfalt und stille Größe. Johann Wolfgang, Friedrich und Franz wären stolz auf uns gewesen.
Wie kleine Nadeln trifft der nasskalte Winterregen, der sich schon längst in weichen weißen Winterschnee hätte verwandeln sollen, auf meine durchfrorene, gerötete Haut. Autos rasen an mir vorbei. Kinder schreien. Ich zittere. Innerlich wie äußerlich. In meinem Gedankenwirrwar finde ich mich plötzlich hier wieder. Auf unserer Bühne. Dem Setting des ersten Aktes. Hier, in Berlin-Mitte, zwischen all den von Graffiti und Kaugummiautomaten übersäten grauen Häusern. Das Publikum wartet gespannt. Kaum etwas wurde so sehnlichst erwartet, wie diese Vorstellung. Der schwere, rote Samtvorhang, der die Bühne verdeckt, hängt kraftlos wie eh und je herab. Die Spannung steigt. Im Saal wird es ruhig. Der aufmerksame Beobachter erhascht die Aufregung, die sich in den Augen der anderen Zuschauer wiederspiegelt. Den Wunsch, der Vorhang möchte sich nun endlich heben. Und da. Er beginnt sich zu bewegen. Langsam und bedacht sein Geheimnis nicht allzu schnell zu lüften. Wie der Großvater, der das Ende der Gruselgeschichte, welche er den Enkeln- und Nachbarskindern erzählt heraus zögert. Doch nun scheint es an der Zeit. Die Bühne wird sichtbar. Und dort stehe ich. Diesmal einsam und allein. im Regen. Atemlos. Verängstigt. Verstört. Verlassen. Von Dir.

0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •  

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
13. Mai 2013

Neueste Artikel-Kommentare

NEON-Apps für iOS und Android