Willkommen in der zweiten Pubertät
Wie schön, dass es Communities gibt. Und dir das Leben zur Hölle machen.
„Hey, du!“ „Wer ich?“ „Ja, genau du!“ So weit ist es also gekommen. Du unterhältst dich mit der Statusanzeige einer so-called-Social-Community. Grün blinkt das Ding vor dir. Blink, blink, blink, blink. Zünftig im Vier-Viertel-Takt des Musikantenstadl. Karl Moik, extra für dich zurück vom Altenteil: „Sie ist online. I freu mich!“
Es ist seltsam, wenn sich absolute Nähe in vollkommene Distanz wandelt. Sie auf der einen Seite des Grand Canyon, du auf der anderen. Und die Gesichtszüge verblassen. Schon mal einen Abend damit verbracht, nur dieses Blinken anzustieren? Es gibt seelisch konstruktivere Beschäftigungen. Trotzdem fixierst du weiter den Vier-Viertel-Takt. Ein neues Bild und sie sieht natürlich gut aus. Auch ohne dich. „Müde aber glücklich“ steht da. Auch du würdest jetzt gerne im vollbesetzten Saal aufspringen und jubeln: „I freu mich!“. Aber das wäre gelogen. Du wünscht es. Natürlich. Aber es ist schwer zu verdauen, dass dies ohne dich sein wird. Du starrst weiter. Wartest eigentlich nur noch darauf, dass dir jemand einen Buchstaben andrehen will.
Das eigentlich beschissene an einer Trennung ist, dass du zuvor so sehr zu einem „Wir“ wurdest, das alles und nichts es dir nun heimzahlt. Rolltreppe? Sie schmiegte sich dort immer an dich, Größenunterschied egalisiert. Die Couch? Hier ruhte ihr Kopf auf deiner Brust. Der Fussel in deinem Bauchnabel? Den fischte sie spielerisch heraus, fand das irgendwie putzig. Gern würdest du einen romantisch-pathetischen Satz wie „ Sie wird immer einen Platz in meinem Herzen haben“ herausbrüllen, aber bedeutet das, dass der Schmerz auch für immer bleibt? Gerade als Mann neigt man ja auch gerne mal zum leiden, gefällt sich in der Pose. Aber musst du deswegen gleich wieder die Depri-Platten heraus kramen und seltsam komplizierte verschachtelte Gedichte schreiben, die du Jahre später selbst nicht mehr verstehst?
Das dämliche grüne Blinken gibt darauf auch keine Antwort. Pulsiert lieber brav auf deiner Netzhaut. In deinem Kopf das höhnische „Ha ha“ aus den Simpsons. Du bist keine sechzehn mehr. Einfacher macht es das nicht. Bewährte Waffen: verdrängen. Und an das Schlechte erinnern. Das ist zwar unfair, aber anders geht es nun mal nicht. Ein Blick nach oben: Das grüne Licht verblasst. Ich könnte jetzt doch einen Buchstaben gebrauchen. Irgendeinen. Solange er von ihr kommt.





Kommentare
oh der text gefällt! und ist auch so gut nachvollziehbar!
03.05.2009, 22:54 von luken