kidcalledmalice 11.06.2012, 12:48 Uhr 0 0

Willkommen im Alltag, ihr Abschäulichkeiten.

Lille hat Musik angemacht. Ein schönes Lied. Treibt auch ihn voran. Leise singt er mit, damit sie ihn nicht hört...

"Oh verdammte Scheiße! Schatz! Aufstehen", das Rütteln am Körper lässt Paul unsanft aufwachen. Er blinzelt. "Ähh was, was los? Komm runter verdammt" Aufstehen, oh man... nicht heute. Letzte Nacht war interessant. Party. Wie so oft. Was bleibt einem auch sonst in der Tristess des Alltags. Paul hat nen ziemlich Schädel. Etwas übertrieben gestern, aber rechtzeitig aufgehört. Anders als manch Anderer, weiß er was er tut. Zumindest meistens. Das Pochen wird nach ner Zeit nachlassen, da ist er sich sicher. Aber nun zurück zur Situation. Es wackelt schon wieder alles. "Lille, wenn du nicht gleich aufhörst...", " ... setzts was? Steh einfach auf, wir sind viel zu spät!" Zu spät, wie oft hat er diese beiden Wörtchen schon gehört. "Pass auf wir sind zu spät!" , "Geh früh pennen, sonst kommen wir morgen früh zu spät da und da hin", immer nur zu spät, zu spät, zu spät. Dabei will er doch eigentlich nur seine Ruhe. Verpflichtungen? Na, scheiß drauf! Die "I-Don't-Give-A-Fuck"-Attitüde zieht eigentlich immer. Immer und überall. Außer bei Lille. Innerhalb der nächsten Minuten kämpft Paul verzweifelt gegen Lilles unbändigen Willen ihn aus dem Bett zu schubsen. Frauen halt, ham die sich mal was in den Kopf gesetzt, ists schon vorbei. Notgedrungen wird sich also angezogen und aus dem Bett gequält. Gedanken an die letzte Nacht, was ist alles passiert? Er hat Leute kotzen sehen, hat Leute lachen gesehen, hat sie weinen gesehen oder ganz einfach nur "sein" sehen. Geschichten wie die Nacht sie schreibt... Er kennt es ja. Hat's am eigenen Leib erfahren. Aber gut. Er hat geholfen wo er kann, er hat seinen Part gespielt. Für andere ist er eben immer da. Da ist ein Danke zu erwarten, aber wenn's nich kommt? Was solls. Lille wird langsam lauter... "Mach schneller!!!" ... immer dieser Zwang. Naja, er liebt Lille, also beeilt er sich. Schlurft ins Bad... begutachtet seinen Kopf. Für ihn recht lange Haare "schmücken" seinen Kopf. "Verdammt," ,denkt er sich," der Besuch beim Friseur ist nötig... aber es gefällt Lille... und mir meistens auch. Es ist Zeit für Veränderung! Wieso da nicht bei meinen Haaren anfangen..?" 

Lille hat Musik angemacht. Ein schönes Lied. Treibt auch ihn voran. Leise singt er mit, damit sie ihn nicht hört. Er kann zwar singen, trifft die Töne, hat aber Angst vor schlechten Reaktionen. Die "I-Don't-Give-A-Fuck"-Attitüde zerbröckelt  im Spiegelbild seiner selbst. 

 

I'm a Creep. 

 

Wohl wahr denkt er sich. Unfähig Situationen richtig einzuschätzen. Unfähig sich zu artikulieren. Unfähig, Unfähig, Unfähig. 

 

I can see, I can see I'm going blind.

 

Musik... Stütze, Inspiration, Glückseligkeit. Er könnte seine Gitarre mal wieder auspacken denkt er sich. Einfach klampfen und den geklimperten Tönen lauschen. Einfach aus Bequemlichkeit zu Hause bleiben und spielen.. aber das geht nicht. Die Bühne ruft. Er mag die Bühne, denkt er sich. Fühlt sich dort wohl. Hat immer wieder ein Lächeln auf den Lippen, wenn er Lille spielen sieht. Harmonie und Verrücktheit im Raum versprüht, man kann sein wie man ist, wenn man denn will. Sprüche heißen hier nichts, denn der Ernst ist aus der Bühne ausgesperrt. Genießend wird er den Vormittag dort verbringen. Zuschauen was passiert. Sich von den Schauspielern und IHR berieseln lassen, ab und zu mal einen Kuss oder ein Lächeln von den anderen abgreifen. Seele baumeln lassen. Schöne Sache! :)- grinsend steht er da... immernoch vor dem Spiegel. Lille kommt ins Bad, geht in die Dusche, ein Kuss auf die Wange, ein "Guten Morgen, mein Schatz" und ein tiefer Blick in die Augen... er liebt sie. Wirklich. Ist ein gutes Gefühl. Das sagen zu können. Wirklich zu lieben. Da fällt ihm dieses eine Lied ein. Das von dem Cowboy, der dann doch im Bett seiner Freundin landet... glücklich und zufrieden sie zu haben und einfach mit ihr einschlafen zu können. Er hat Glück. "PAUL! Jetzt beeil dich doch endlich mal..!" Er kennt sie und muss grinsen. Ihr gefällt sein Lächeln. Es lässt ihr Herz erwärmen... deswegen liebt sie ihn. Weil er schafft, was kein anderer schafft. Das sieht er nur leider nicht. Er ist echt eifersüchtig. Auf nen Ex, die anderen Kerle. Den Kerl der ihr gefällt... oder nur der Typ aus dem Fernsehn. "Komisch", denkt sich Paul," da hab ich mal wen gefunden... und trotzdem kann ichs nich ganz genießen, weil ich Angst vor dem Verlieren habe." Paul weiß auch, dass all das der absolute Quatsch ist. Deswegen vertraut er Lille auch blind. Egal was ist. Vertrauen... Paul genießt ja auch ihr Vertrauen. Berechtigt. Er könnte niemals irgendwen anders an sich ranlassen als Lille... gestern Abend hat er das wieder gemerkt, als diese Komische ankam und ihn antanzen wollte... Paul hat sie weggestoßen. Weil im Grunde ist Paul ein guter Mensch. Klar, hat auch er seine Fehler gemacht. Aber nein... Paul macht sowas nicht. Hatt es noch nie gemacht und wird es auch nie machen. Paul ist einer von den Guten! Das sagt zumindest Lille immer. Aufpassen müsse sie aber trotzdem auf ihn.. einfach aus Prinzip. Der Mensch ist schwach sagt sie... vorallem die Männer. Paul regt das unglaublich auf, weil er weiß, dass er nicht so ist wie die anderen. Er sieht aus wie sie, er spricht vllt. auch so wie sie, manchmal zumindest, aber er IST nicht wie sie. Er weiß, wann er er ist, die anderen nicht, bis auf Lille und ihn weiß das niemand so genau. Wann ist er wer? Der Echte, der Falsche? In Momenten der Einsamkeit, weiß er das selber nicht... Wer bin ich? Was sollte ich werden? Was mache ich aus mir, meinen Fähigkeiten und meinem Bestreben gut in dem zu sein, was ich tue? Paul macht sich Sorgen, berechtigte Sorgen. Aber mit Sorgen ist der Paul aufgewachsen. Schon damals, als sie noch bei ihren jeweiligen Eltern gewohnt haben... er hat immer zurückgesteckt. Den Frieden bewahren durchs Fresse halten. Ist das gut gewesen? Paul weiß es bis heute nicht. Das Gespräch mit seinem Stiefpapa, vor dem er so Angst hatte... ausgegangen ist es ohne jegliche Lösung. Er pissig, der Stiefpapa um so mehr. Aber geändert hat sich nichts. Wie immer.

 

Die Bühne... ja wie er gesagt hat. Ein schöner Vormittag! Er lauscht mittlerweile Klavierklängen und Gitarrenriffs, die sich gewaschen haben. Schöne Melodien und Texte. Cello, Schlagzeug, Stimmen. Einheit und Verschobenheit. Alles im Reinen.

Tanzen waren sie, er und Lille. Er hasst sich dafür, dass er einfach nicht gut genug ist. Sie sieht das nicht so. Sie kann's ja auch schon. Ist halt schwer, wenn der Partner alles kann und sich förmlich langweilt, während man selbst langsam merkt, wie man überfordert wird, weil sich irgendwie doch die schlechte Laune reingeschlichen hat. Er will... gut sein! Er will der Beste sein. In allem was er macht. Das ist sein Problem. Ehrgeiz ist eben nicht immer gut. Besonders, dann wenn er's nich besser hinkriegt und verzweifelt. Aber kein Ding. Er weiß, dass er beim nächsten Mal wieder lachen kann. Er ist halt so. Ab und zu nicht ganz dabei... und dann? Danach geht alles wieder wie von allein. Er genießt einfach Lilles Vertrauen und ihr Verständnis... Sie versteht ihn. Im Grunde ist sie seine sprichwörtlich "bessere Hälfte". Seine Stütze und Hilfe... Er brauch sie und ist glücklich sie zu haben. Und wenn er drüber nachdenkt, dass er heute abend nach dem Tanzen und den Arbeiten neben ihr im Bett einschlafen kann, da wird all das Leid wieder vergessen sein. Das Leid, dass er in der letzten Zeit aufgenommen hat.

 

Eifersucht, Schlechte Laune, Lügen und Betrug, Streit, Tränen und seine Unmöglichkeiten...

Alles weg. Förmlich vom Winde verweht.

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