Wie Liebe nur lauter
Dabei lächelte sie, nicht strahlend und offen, sondern eher in sich hinein.
Als sie mich zum ersten Mal ansah, habe ich nichts empfunden außer der Freude darüber, wie sie mich ansieht. Es war ein ungewöhnlich warmer Tag für diese Jahreszeit, Anfang März und wir liefen im T-Shirt durch ihre Straßen. Sie zeigte mir den Ort, an dem sie zum ersten Mal geküsst wurde. Dabei lächelte sie, nicht strahlend und offen, sondern eher in sich hinein.
Sie sprach leise und manchmal hatte ich Schwierigkeiten, sie zu verstehen. Deshalb ging ich so nah neben ihr, wie es eben ging ohne aufdringlich zu wirken. Beim Gehen streiften sich manchmal unsere Arme. Verlegen und doch frech schaute sie mich dann an. Mit jedem Meter, den wir zurücklegten, wurde das Knistern lauter und unsere zufälligen Berührungen führten zu kleinen Stichen in der Herzgegend, zumindest in meiner.
Wir gingen essen. Sie nahm den Platz, an dem sie das ganze Restaurant im Blick hatte. Manchmal stockte sie mitten in ihren Sätzen, weil das Lachen eines anderen Gastes oder die Rufe aus der Küche sie ablenkten. Als ich bemerkte, dass ich schon seit Stunden lächeln musste, erschrak ich kurz. Ich kann es also doch noch fühlen, dachte ich bei mir, als sie mich irritiert anschaute und dabei wieder nach innen lächelte.
Als die Sonne langsam unterging, brachte ich sie nach Hause. Auf dem kurzen Stück Weg redeten wir kein Wort miteinander und da dieses Schweigen so vertraut und wohltuend auf mich wirkte, traute ich mich einfach. Ich nahm ihre Hand. Sie war warm und weich und schmiegte sich in meine wie die Gegenstücke eines Puzzles.
Vor ihrer Haustür fiel es mir schwer, sie wieder
loszulassen. Ich ging einen Schritt weiter, legte einen Arm um ihre Schultern,
als sie vor mir stand, zog sie an mich und legte den anderen Arm vorsichtig um
ihren Kopf. Sie drückte ihn sanft an meine Brust und ich roch an ihrem roten
Haar, das so goldig glänzte. Es roch nach Süßigkeiten und Wärme und nach noch
viel mehr. Damals hatte ich doch keine Ahnung.
Drei Jahre später sitze ich an unserem Küchentisch. Draußen scheint die Sonne noch viel wärmer als an unserem ersten Tag. Sie steht vor mir, kocht Kaffee und erzählt von ihrem Tag. Mittlerweile flüstert sie nicht mehr oder ich bin einfach nur hellhöriger geworden in den Jahren mit ihr. Ihr Duft liegt in der Luft. Heute nenne ich ihn mein Zuhause.





Kommentare
Herzerwärmend
22.05.2013, 23:08 von Julialachtmir ist gerade ein wohliger schauer über den rücken gelaufen. sehr gut!
27.10.2012, 15:19 von panccakewunderschön.
07.09.2012, 10:30 von iowlyouBeim Gehen streiften sich manchmal unsere Arme.
05.09.2012, 20:40 von SiebteWelleVerlegen und doch frech schaute sie mich dann an. Mit jedem Meter, den wir
zurücklegten, wurde das Knistern lauter und unsere zufälligen Berührungen
führten zu kleinen Stichen in der Herzgegend, zumindest in meiner.
Schönste Stelle! <3
Wenn ich daran denke, bekomme ich Gänsehaut!
Wunderbar. mehr als ein herz reicht eigentlich nicht.
05.09.2012, 17:22 von _Cookie7Der Titel alleine verdient schon ein Herz.
31.08.2012, 20:28 von siePlosionunglaublich schöner text - ein hoch auf die Liebe!
28.08.2012, 15:49 von pink_chaossehr schön
28.08.2012, 10:25 von sasusa12Ohja, ergreifend!
28.08.2012, 10:20 von Ms.TakeFür jeden hopeless romantic - Toll!:)
27.08.2012, 14:22 von KillBillVol77