Randalotte 21.01.2012, 12:55 Uhr 0 1

Wie alles begann...

...mit 3 Küssen in den Nacken.

"Wie schön es war, wie wunderschön!", dachte sie. Sie drehte sich in ihrem Bett auf die Seite und drückte ihr Kissen an sich. Die Styroporfüllung knisterte leicht unter dem Druck. Sie liebte dieses feine Geräusch und musste schmunzeln.

Sie schloss die Augen und atmete tief ein. Der Geruch, der ihr in die Nase stieg, war warm. Es roch nach Kokos, Vanille und süßen Blumen. Eine Mischung aus ihrem Parfum, den Duftkerzen, die auf der Fensterbank brannten, und ihrem Waschmittel. Es überraschte sie, dass der Geruch immer noch in ihrer Bettwäsche haftete. Es war schon eine Weile her, dass sie die Decke gewechselt hatte. Aber der Geruch, der noch zusätzlich in ihre Nase stieg, war der entscheidende für sie: Es roch nach ihm. Und nach dem, was sie gerade getan hatten. 

Er war schon wieder gegangen. Und eigentlich wollten sie gar nicht so weit gehen, weder er noch sie. Denn beide waren auf die eine oder andere weise an einen Menschen gebunden. 
Sie musste darüber nachdenken. Den Fakt, dass sie eigentlich etwas verbotenes oder zumindest verpöntes getan haben. Doch es war ihr egal. Sie war einfach nur glücklich. So glücklich wie schon lange Zeit nicht mehr. Doch wusste sie nur nicht, wie es jetzt weiter gehen sollte, was jetzt passieren würde und vor allem, wie sie es bewerten könnte?!
So drehte sie sich wieder auf die Seite und dachte weiter nach. Das Kissen knisterte erneut und unterbrach sie in ihren Gedanken. Er hasste dieses Geräusch, das ganze Kissen war ihm zuwider, das wusste sie.Aber sie liebte dieses Kissen. Wenn sie sich dagegen kuschelte, schmiegte es sich so perfekt an sie, genau wie er. Es war nur nicht ganz so warm wie er. Einfach ein Traum! 
Vor lauter Glück schlug sie wieder die Augen auf und strahlte. Sie konnte nicht anders, sie musste jetzt einfach wieder aufstehen und sich bewegen, war innerlich viel zu aufgewühlt und aufgedreht, als dass sie jetzt schlafen konnte. Sie war so kribbelig. Es durchlief sie ein Schauer. Doch es war nicht der erste. Sie wusste nicht genau, wie viele schon, doch jedes mal, wenn sie daran dachte, was passiert ist, überfiel sie wieder dieses Kribbeln. 

Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und zog sich mit ihrem Stuhl heran. Sie konzentrierte sich ganz auf einen Punkt auf der Tischplatte, um nicht aus dem Fenster zu schielen, doch es gelang ihr nur für wenige Augenblicke, dann warf sie doch einen verstohlenen Blick aus dem Fenster. Er wohnte im Haus gegenüber. In der Küche neben seinem Zimmer war zwar noch Licht, doch bei ihm war schon alles dunkel, nicht mal die kleine Lampe auf der Fensterbank, die eigentlich immer nachts an war. 
Er hatte also schon die Ruhe gefunden, schlafen zu gehen. Aber vielleicht ging es ihm ja genau wie ihr jetzt gerade, vielleicht saß auch er in der Dunkelheit und wusste nicht, was er gerade denken sollte. Vielleicht half ihm auch die Dunkelheit dabei, einen klaren Gedanken zu fassen. Anders als ihr. 

Sie nahm sich die Decke vom Bett und schlang sie eng um sich. Sie war noch schön kuschelig warm. Nicht das ihr kalt war. In ihrem Zimmer war es nie kalt. Das war schon immer so gewesen. Sie musste daran denken, wie sie eingezogen war. An die erste Nacht in dem fast kahlen Zimmer, nur eine Kollage von Fotos, die sie mitgenommen hatte. Sie hatte schnell Leute kennen gelernt, Freunde gefunden und sich so wohl gefühlt, wie sie es, in einer fremden Stadt ganz allein, nicht für möglich gehalten hätte. 

Sie wandte den Blick ab von seinem Zimmer und sah sich in dem Hof um. Es gefiel ihr was sie sah und sie freute sich auf die ersten warmen Tage des Sommers. Dann würde man wieder die Leute draußen sitzen und reden hören, vielleicht sogar singen und Musik machen! Das liebte sie sehr. Wenn der Klang der Stimmen sich zwischen den Häusern immer weiter nach oben erhob und irgendwann Richtung Himmel verschwunden war. 
Mit diesem Gedanken drehte sie sich wieder vom Fenster und von dem anderen Haus mit den vereinzelten Lichtern weg. Sie störte das Licht mittlerweile nicht mehr. Am Anfang war es komisch gewesen, dass ihr Zimmer nie ganz dunkel war, aber sie hatte sich daran gewöhnt, sie mochte es sogar mittlerweile und wollte es nicht mehr missen. Sie empfand es als beruhigend, so als könnte das Licht der anderen Menschen die bösen Geister und Gedanken, die sich manchmal verfolgten, fernhalten. 

Erst in diesem Moment fiel ihr auf, dass ihre Musik aus war. Sie raffte die Decke, ging zur Anlage und startete die CD neu. Eine ihrer Lieblings CD's. Ruhige aber auch lebendige Klaviermusik. Amelie. Es beruhigte sie ein wenig, als sie sich auf die Musik einließ und das kribbeln ging ein bisschen weg. Es war eine Erinnerung an ihre besten Freundinnen, doch sie schob den Gedanken an zu Hause beiseite. Sie wollte lieber noch ein wenig den Augenblick genießen und im hier und jetzt verweilen. Ein Augenblick, in dem alles um sie herum zu schlafen schien, alles friedlich war, alles still, nur unterbrochen vom Klang der Musik. Auch die Lichter drüben im Haus schienen dieses Gefühl nicht zu stören. Sie gehörten zu verschiedenen Zimmern, in denen noch Leute arbeiteten oder sich die Zeit vertrieben. Es war interessant, die anderen Menschen zu beobachten, es war jedes Mal ein kleiner Einblick in ihr Leben. In das Leben eines völlig Fremden und sie konnte sich eine Geschichte für ihn ausdenken. Sie liebte so etwas. Auch wenn sie unterwegs war, in der Stadt, einem Cafe, einer Bar oder sonst wo Leute um sie herum waren, beobachtete sie die Leute und fragte sich immer, wer die Person hinter der Hülle war, die sie gerade sah. Wo sie her kommen, wo sie hin gehen, einfach ihre Geschichten. Sie malte sich ihre Zukunft in den schillernsten Farben aus und überlegte sich was sie wohl erzählen würden, wenn sie einfach hingehen und sie ansprechen würde. 
Sie schloss wieder die Augen und es überlief sie erneut ein Schauer. Die Erinnerung überwältigte sie erneut. 
Er war an diesem Abend zu ihr gekommen, wie schon so oft, um einfach nur einen Film zu kucken. Sie hatten sich auf ihr Bett gelegt und sie hatte sich in seinen Arm gekuschelt, wie immer. Es war gemütlich. Und warm. Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange und lächelte ihn an. 
"Du bist so verkuschelt", das sagte er immer, aber er freute sich. "Ich hab dich halt lieb", gab sie zurück und tippte ihm auf die Nase, auch das war typisch für sie. Es war einer dieser Augenblicke, in denen sie nicht genau wusste, was sie machen sollte, also gab sie ihm noch einen Kuss auf die Wange und kuschelte sich wieder an ihn. Sie lagen da, eng umschlungen, wie ein verliebtes Pärchen, aber auch das war irgendwie normal für sie. Es hatte ganz klein angefangen und sie hatten sich mittlerweile so aneinander gewöhnt, dass es schon selbstverständlich für sie war. Sie kraulten sich gegenseitig über die Arme, den Rücken oder Bauch, was sie beide genossen. Keine großen Gesten, aber es zeigte doch, dass sie sich mochten und wie sehr sie die Zeit, die sie gemeinsam verbrachten, genossen. Sie standen sich nah. Sie waren wichtig füreinander. Sie brauchte ihn in dieser Zeit ganz besonders, konnte sich ein Leben ohne ihn schon gar nicht mehr vorstellen. Niemand verstand sie so wie er. Mit niemandem konnte sie so umgehen, wie mit ihm. Er war ihr wichtiger geworden, als alles andere. 

Über diesem Gedanken war sie eingeschlafen und erst am nächsten Morgen vom Klingeln des Telefons geweckt worden. "Morgen?", sie war zum Telefon getorkelt und dabei fast noch einmal über ihre Bettdecke, die immer noch um sie geschlungen war, gestolpert. "Morgen Sweety!", er war es. Gleich wurde sie wacher und musste lächeln. 

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