Dolly_Struppi 29.01.2010, 19:13 Uhr 3 2

Where are you now?

Mir steigen die Tränen in die Augen und wieder sehe ich die Bilder vor meinen Augen.

Es ist eine schwüle Sommernacht. Die Sterne sind kaum zu sehen, genau wie der Mond, der sich hinter einer Wolke versteckt.
Wir sitzen auf einer Bank, an einem See. Wir halten Händchen. Mit der anderen Hand streichst du eine Strähne aus meinem Gesicht und berührst dabei sanft meine Wange, du küsst sie und lächelst mich liebevoll an. Ich mag dieses Lächeln, sehr sogar.
Ich lächel dich kurz an, schaue auf das Spiegelbild der Sterne auf dem Wasser.

Wir liegen auf deinem Bett, es ist mitten in der Nacht. Wir liegen einfach so da, wir reden kaum. Ich lehne meinen Kopf an deine Brust, höre wie dein Herz schlägt. Du legst deinen Arm um mich, weil du weist, es beruhigt mich.
Du küsst meine Stirn und versuchst einzuschlafen.

Wir - du, eine paar Freunde und ich - stehen auf der Tanzfläche einer Disko.
Du und ich tanzen. Du und ich lachen. Du und ich trinken. Du und ich haben Spaß. Zusammen.

Es ist unser Jahrestag. Wir lächeln uns leidenschaftlich an, küssen uns genauso leidenschaftlich.


Ich gehe spazieren, alleine. Es ist kalt, nasse Blätter liegen auf den Boden. Der Wind pfeift. Ich bleibe hinter einen Baum stehen und beobachte.
Sie steht dort und lächelt, du stehst dort und lächelst ebenfalls. Du hältst sie im Arm, sie küsst dich, ihr küsst euch.
Es fängt an zu Regnen und ich weine.

Du stehst in der Küche, am Tisch. Ich stehe in der Küche, am Fenster. Du lächelst mich an, ich werfe einen flüchtigen Blick auf dein Lächeln. Mein Herz sticht. Du wirkst angespannt. Ich starre aus dem Fenster. Die Sonne scheint und lässt die bunten Blätter leuchten. Ich schaue dich an, ich lächel nicht. Du guckst mich unsicher an.
"Was ist los?" - Nichts.
Eine Lüge.
"Worüber denkst du nach?" Er kommt auf mich zu, mir wird kalt, ich weiche zurück.
"Lass mich, komm mir nicht näher!"
Ich renne aus der Küche, schließe mich im Badezimmer ein und weine.

Ich liege im Bett, alleine. Er stellt sich vor mich, beobachtet mich. Wir liegen im Bett, zusammen. Er lehnt seinen Kopf an meine Brust und lauscht. Mein Herz rast, wie immer, wenn es weh tut.
Ich unterdrücke den Drang ihn zu berühren. Dafür tut er es. Er hält mein Gesicht fest mit beiden Händen, ich schaue ihn nicht an, versuche nicht zu weinen.
"Dein Herz rast" - Ich weiß
"Warum tust du dir unnötig weh" - Ich tu mir nicht weh, du tust mir weh!
Stille.
"Wieso tu ich dir weh?" - DU gehst fremd.
Eine Träne läuft meine Wange runter, läuft über seine Hand und fällt auf die Decke. Ich schaue immer noch auf den Boden.
"Kannst du mir verzeihen?"
Lange, sehr lange Stille.
Ich überlege.
"Ich liebe dich" ist alles was ich heißer, unter Tränen hervorbringen kann. Ich schaue in seinen Augen. Entsetzen und Unsicherheit bei ihm, Hilflosigkeit und Überforderung bei mir.


Du und ich, wir sitzen bei Freunden. Du mit deiner Freundin. Ich mit meinem Freund. Du lächelst mich freundlich an, ich lächel dich und dann deine Freundin an. Wir reden, haben Spaß und verstehen uns.

Ich sitze weinend auf einer Bank, im Schnee, ich zittere. Es schneit. Bald ist Neujahr. Ich kann mich nicht erinnern. Ich wache auf und lasse die Augen geschlossen, aus Angst. Stimmen dringen durch zu meinem Gehör.
"Wird sie wieder zu sich kommen?" - Wir wollen es hoffen.
Fremde Stimmen, ich kann sie nicht zuordnen. Ich versuche die Augen auf zu machen, es geht nicht.
Ich schlafe wieder ein.
Eine Hand berührt meine, erneut höre ich Stimmen.
"Bitte wach auf. Bitte wach auf. Ich brauche dich."
Diesmal schaffe ich es die Augen zu öffnen. Meine Augen brauchen Zeit, sich an das Licht zu gewöhnen. Langsam erkenne ich die zwei Personen.
Er hält meine Hand fest. Meine Schwester sitzt am Fenster. Ich schaue mich um, die Umgebung ist fremd für mich.
Ich schaue in seine Augen, sehe Trauer und Schmerz. Mir steigen Tränen in die Augen. Er weint ebenfalls.

Wir sitzen in meinen Garten, genießen die frische Abendluft.
Wir schauen uns an, lächeln beide nicht.
"Ich bin für dich da." flüstert eine Stimme.
"Du brauchst keine Angst haben. Es ist vorbei. Ich werde dich nicht verlassen." flüstert die Stimme beruhigend.
"Wir sind doch beste Freunde, meine Große."
Ich schaue auf meine Füße und richte meinen Blick langsam wieder auf dich. Ich schaffe es nicht dir in die Augen zu gucken und flüstere fast unhörbar "Versprichst du es?"


Es klingelt an meiner Tür. Ich mache auf und begrüße deinen besten Freund. Er sieht mich an. In seinen Augen spiegelt sich tiefe Beunruhigung wieder.
"Du musst mitkommen! SCHNELL!" Er packt mich am Arm und schleift mich mit sich. Es ist ihm egal, dass ich nur einen kitschigen Schlafanzug anhabe, es ist mir egal.
Er schleift mich über die Straßen in sein Auto und fährt ins nächste Viertel der kleinen Stadt.
Wir nähern uns einem alten Haus. Dein bester Freund hält an und schleift mich ins Haus.
"Du musst helfen!" ruft er mir zu.
Er öffnet die Tür und zerrt mich weiter. Ich bleibe wie angewurzelt stehen.
Das letzte was ich wahrnehme ist das laute Geräusch eines Krankenwagens und ein durchdringender kreischender Schrei. Ein Schrei aus meinem Mund.

Ich sitze weinend neben dem Bett, halte deine Hand und starre besorgt auf deine Augen. Ich lasse meinen Blick kurz über deinen Arm wandern. Narben.
Ich lege meinen Kopf auf deine Brust und weine weiter.
Ich höre dein Herz schlagen. Du lebst. Ja, du lebst.
Der Arzt kommt herein. Redet mit deiner Mutter leise, aber laut genug für meine Ohren.
"Er muss zum Psychiater."
Ich weine noch mehr.


Das Kopfkino endet, ein kalter Schauer läuft über meinen Rücken.
Ich liege in meinem Bett. Auf der Fensterbank steht ein Bild. Unser Bild. Du und ich, glückliche Freunde.
Ich schließe die Augen, als könnte ich so verdrängen. Doch wieder tauchen einzelne Bilder vor meinen Augen auf.
Tränen steigen mir in die Augen und fallen leise aufs Kissen.
Du fehlst hier. Ich weiß nicht wo du bist. Vielleicht sitzt du irgendwo in den Sternen und lächelst für mich, in der Hoffnung, dass ich es sehe. Mein Lächeln.
Vielleicht sitzt du Tagsüber auf den Wolken und singst ein Lied für mich.
Where are you now? Ich brauche dich.
Ich will es nicht begreifen, dass du nie mehr wiederkommst.
Der Psychiater hat gesagt es würde dir bald besser gehen. Ich bräuchte keine Angst haben.
Er hat gelogen. Sonst wärst du jetzt noch bei mir. Dann hättest du dein Versprechen nicht gebrochen. Dann könnte ich dir sagen, wie sehr ich dich mag.







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Anmerkung: Dies ist eine erfundene Geschichte!

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3 Antworten

Kommentare

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    die hektik der gedanken hast du sehr überzeigend rübergebracht.
    und auch wenn es fiktiv ist kommt es mir sehr wirklich und viel zu bekannt vor.
    so etwas nicht erlebt zu haben aber die gefühle genau auf den punkt zu bringen... echt beeindruckend.

    29.05.2010, 16:08 von Leni_Sci-Fi_Lullaby
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    Das gefällt mir ... ein mal gefühlsmäßig Achterbahn fahren ... und sich trotz der Fiktion nicht auf den Arm genommen fühlen. Danke für die Anmerkung am Schluss.

    10.05.2010, 14:19 von Cyro
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    hier gefallen besonders die zeitsprünge sehr gut. der text transport eine ziemlich intensive dramatik, ich persönlich konnte mich sehr gut in die protagonistin hineinversetzen. sehr gut geschrieben, sehr gern gelesen!

    05.02.2010, 18:44 von clavis
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