What's free is yours.
Ich mochte die französischen Männer noch nie. Zu klein, zu aufdringlich, zu sexistisch. Und dann kamst du.
Wir waren gerade neu in der Stadt und meine Freundinnen hatten einen der sehr raren angenehmen Clubs ausgemacht. Und so standen wir da rum, ohne wirklich ein Wort Französisch verstehen, geschweige denn sprechen zu können. Nette Musik, sehr billiges deutsches Bier vom Discounter, alle rauchten, super. Ich saß auf dieser alten Couch und schaute mich um und fand mich damit ab; kein Sex während der nächsten zehn Monate. Kein Potential, nicht mal mit Augen zu. Und dann liefst du vorbei und ich dachte nur Aber Hallo! Fünf Minuten später kamst du wieder vorbei, unsere Blicke trafen sich für zwei Sekunden und ich wünschte, mir wäre bewusst gewesen, wie sehr dieser Moment mich aus der Bahn werfen würde, dann hätte ich vielleicht woanders hin gesehen.
Doch du musstest mir am nächsten Wochenende deine Nummer geben, nachdem wir uns den ganzen Abend angestarrt hatten. Und dann hast du dich nie gemeldet. Bis ich herausfand, dass du in dem einzigen anderen netten Club arbeitest und dann permanent dort aufkreuzte.
Aber ich konnte nicht anders. Jeden verdammten Abend, vier Monate lang, bin ich mit dem Gedanken an dich eingeschlafen. Jede beschissene Vorlesung habe ich verträumt, weil ich dir in Gedanken mein Leben erzählt und dir tausend Fragen gestellt habe. Und dieses eine Mal, als ich mich nach gefühlten 68 Bier endlich überwunden hatte, dich zu fragen, ob du später mit mir noch was trinken gehen würdest und du ja sagtest, da hätte ich fast einen Heulkrampf bekommen, weil ich so Angst hatte, dass ich gleich wieder aufwachen würde. Und dann habe ich es versaut.
Irgendwann dachte ich, dass ich mich nie wieder überhaupt für jemand anders interessieren könnte und wir deshalb unausweichlich wären. Zu Weihnachten schenkte mir mein bester Freund einen Kalender mit Bildern von dir. Spätestens da wurde mir klar, dass du für mich der Super- GAU warst. Auf disem Territorium keine neue Liebe möglich für voraussichtlich 150 Jahre. Dann wieder wochenlang dieses Hin und Her und lange Blicke und dann standest du letzte Woche auf einmal vor mir und drücktest mir deine Bisous auf die Wangen und ich hatte noch Tage danach das Gefühl, dein Gesicht auf meinem zu spüren. Aber meine Freundin war sich sicher, dass sie gesehen hatte, wie du ein anderes Mädchen auf den Mund geküsst hast. Das hat mich dann wiederum zwei Tage meines Lebens gekostet.
Und dann gestern. Früh um eins kommen wir in den Club, du grinst mich an. Irgendwann bin ich allein, du sprichst mich an, die Musik macht dich verrückt. Mich auch. Hast du Lust später noch was zu machen? Irgendwohin? Klar. Ich flattere. Du entschuldigst dich in aller Form, weil zwei Kumpels dich von mir wegschleifen. Ich verabschiede mich. Meld dich doch, wenn du noch was zusammen trinken willst, sagst du. Und eine Stunde später stehst du vor meiner Tür. Meine Wohnung ist dunkel, irgendwas ist kaputt. Wir sitzen auf dem Sofa, hören Musik, unterhalten uns zum ersten Mal richtig und trinken Wodka. Fast drei Stunden lang. Dann sagst du, dass du eigentlich zu müde bist, um nach Hause zu fahren. Schlaf doch hier, kein Ding. Ja das wär cool, danke. Wir putzen zusammen unsere Zähne, im Dunkeln. Dann gehen wir ins Bett, du legst deinen Arm um mich, ich nehme deine Hand und dann küssen wir uns. Und schlafen miteinander. Vier Stunden später wache ich auf, drehe mich um und muss fast laut loslachen. Dort liegst du. Nackt. Tatsächlich. Kein Traum. Ich bin glücklich, vermutlich der glücklichste Mensch der Stadt, der Welt, gut möglich. Und dann wachst du auf, schaust mich an und sagst, dass du jetzt besser gehst. Tschüß. Den ganzen Tag über versuche ich zu realisieren, dass das alles wirklich geschehen ist. Und dann spät abends kommt eine Nachricht. Du weißt, dass ich eine Freundin habe, oder? Das war falsch. Ich war dumm. Sorry. Und in diesem Moment höre ich zum ersten Mal mein Herz brechen. Aber ich bereue es keine Sekunde.






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