pinkness 06.02.2013, 02:08 Uhr 17 25

What if. It was love. Summer days. This could be the end. Over now.

Aber ich weiß, dass es nichts mehr zu sagen gibt. Nichts mehr. Alles, was jetzt noch geschieht entfacht meine Liebe und deinen Zorn aufs Neue.

Ein Konzert von einem gemeinsamen Bekannten heute Abend in München. Ich lauf durch die Straßen und suche diese Bar. Doch dann finde ich die Bar, in der du dienstags am Abend arbeitest und denke mir noch: Gott sei Dank ist heute Dienstag, dann kommst du wahrscheinlich erst nach 23 Uhr, nach Feierabend, wenn ich schon weg bin, um meinen Zug zu bekommen.

Ich laufe weiter die Straße runter und höre schon von weitem die Musik. Komme zu der Bar und es steht nirgendwo ein Name. Ist es die Richtige? Im Vorbeilaufen schaue ich ins Fenster und mein Herz rutscht mir in die Stiefel. Im selben Moment schaust du aus dem Fenster und dein Blick trifft auf meinen. Schnell schaue ich weg. Bloß weg. Weg von diesem Ort. Es ist deine Stadt.

War ja klar. Du hast dir freigenommen, um deinen Freund spielen zu sehen. Es ist kalt. Es schneit. Ich zünde mir eine Zigarette an und laufe ein paar Meter. Ein Pärchen läuft an mir vorbei und scheint verzweifelt etwas zu suchen. "Was sucht ihr?", frage ich. Die beiden suchen auch diese Bar, ich zeige ihnen den Eingang und dann bleiben die vor der Tür stehen und der Kerl sagt: "Yeah, der Schosch ist da!" - Na wunderbar. Es ist deine Stadt und deine Freunde.

Zitternd schreibe ich meiner Freundin, frage, wo sie bleibt, wann sie kommt, denn ich bin allein und traue mich nicht, in diese verdammte Bar reinzugehen. Mädchen! Absolut lächerlich! Ich ziehe meine Mütze tiefer ins Gesicht, gehe rein, dränge mich an dir vorbei und renne auf die Toilette. Eigentlich war es klar, dass du kommst. Aber habe ich darauf gehofft? Wollte ich dich vielleicht sehen?

Ich mach meinen Zopf auf, fahre mit den Fingern durch das nasse Haar und stürme wieder hinaus. Schreibe meiner Freundin, sie soll sich bitte beeilen. Mache meine Haare wieder zusammen. Grässlicher Schneesturm. So kalt! Du kommst raus und rauchst eine, ich zünde mir auch eine an. Du wirst nicht zu mir herkommen. Und das tust du auch nicht. Als du reingehst, kommt meine Freundin - deine Schwester. Meine Schwester.

Wir gehen rein und ihr begrüßt euch. Mich würdigst du keines Blickes. Aber ich schau dich ja auch nicht an. Dann fängt unser Bekannter an zu spielen und wir singen und tanzen und ich himmel den Bassisten an, als meine Freundin sagt: "Er sieht meinem Bruder aber verdammt ähnlich." Ja. Und ich suche deinen Blick öfter als es mir lieb ist und auch das fällt ihr auf: "Seit wann ist nochmal Schluss?"

"Seit November." Es ist besser wenn man sich danach nicht mehr sieht, sagt sie. Ja. Vielleicht. Doch mein Herz macht jedes Mal einen Satz, wenn du dich an mir vorbei zur Bar drängst. Ich spüre die Blicke von dir und deinen Freunden in meinem Rücken. Und es brennt! Doch deine Schwester und ich tanzen ganz vorne, ausgelassen. Doch es ist mir peinlich. Deine Stadt, deine Freunde und deine Schwester.

Ich bin ein Eindringling. In deiner Welt. Ich schäme mich hier zu sein. Das Konzert ist vorbei und ich muss gehen, doch das Bedürfnis mit dir zu reden ist unerträglich. Aber ich weiß, dass es nichts mehr zu sagen gibt. Nichts mehr. Alles, was jetzt noch geschieht entfacht meine Liebe und deinen Zorn aufs Neue. Und das ist jeweils das, was wir beide nicht wollen.

Ich laufe schnell, trotze dem Wind, doch ich bin zu früh, noch eine Stunde warten. Ich denke mir, es ist noch genug Zeit, um zu deiner Wohnung zu gehen, vor deinem Fenster zu stehen und mir weh zu tun mit den Erinnerungen an das einzige mal, dass ich in deinem Zimmer war und in deinem Bett. So verzweifelt. Die Liebe. Dein Bett, der Geruch nach deinem Waschmittel hängt plötzlich schwer in der Luft, gemischt mit dem eigentümlichen Geruch des Münchner Bahnhofs. Es ist deine Stadt, deine Freunde, deine Schwester, dein Geruch.

Ich steige in den wartenden Zug, setze mich hin und fange an, das hier zu schreiben. Meine Sitznachbarn unterhalten sich. Ich kann mich kaum konzentrieren. Und dann fällt dein Name. Georg, Georg, Georg. Er tut weh. Stich, Stich, Stich. Es ist deine Stadt, deine Freunde, deine Schwester, dein Geruch, dein Name.

Aber meine Erinnerungen und mein Schmerz, mit dem ich alleine bin. Allein. Im Zug nach Hause. Raus aus deiner Stadt. Der Eindringling geht.

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17 Antworten

Kommentare

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  • 2

    Drei Orte in denen man Liebe nicht suchen sollte:


    in Bars
    in fremden Betten
    in Bordellen.

    Verliebt man sich da, steht man am Ende meist alleine im Regen und raucht. 



    07.02.2013, 15:21 von berlin_bombay
    • 1

      Versteh ich nicht. Ich hab die da immer gefunden. Die Liebe. Kurz.

      07.02.2013, 20:59 von RAZim
    • 1

      Um kurze Liebe gehts doch hier nicht. ;)

      07.02.2013, 21:46 von berlin_bombay
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  • 0

    "Ich bin ein Eindringling. In deiner Welt. Ich schäme mich hier zu sein." ist bei mir zwar eine ziemlich andere Situation aber der Satz trifft trotzdem genau ins schwarze! Gut geschrieben 

    07.02.2013, 15:01 von Ninjaa
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  • 1

    Der Titel ist so blöd. Wenn ich einen deutschen text schreibe, kann der Titel nicht wenigstens dann auch auf deutsch sein?

    Die Thematik ist nicht so meins. Aber ich mag das Muster das sich durchzieht mit..."Deine Stadt,deine Freunde..."

    Aber da hörts schon auf. Sonst ganz okay.

    07.02.2013, 11:35 von independentdreamer
    • 0

      Der Titel besteht aus den Namen der Songs von dem Bekannten aus dem Text. Aber ja, von außen ist das nicht zu sehen, aber für mich hat es eine Bedeutung.

      07.02.2013, 14:06 von pinkness
    • 0

      wär als Beschreibungstext cooler, mit anderem Titel dann, aber der Text gefällt mir gut.

      07.02.2013, 23:08 von ABC101
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Hallo! Hab mich extra wegen deinem Kommentar registriert.

      Danke! Ich bin erleichert, dass es nicht nur mir so geht. 
      Irgendwann wird auch diese stadt zu deiner. Die freunde, die dich damals, vllt zuerst nur wegen ihm mochten, mögen dich heute immernoch. 
      Mittlerweile hege ich zu vielen "seiner" freunde so engen kontakt,dass wir jeden tag telefonieren, und seien es nur 10 minuten. Er, und sie alle, waren teil meines lebens, und ich bin froh,dass es einen ort in der ferne gibt, an den ich zurück kommen, und zuhause sein kann. 

      10.02.2013, 20:38 von Vieles_auf_meinem_weg_verloren
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Ich habe leider oft die Erfahrung gemacht: die Freunde, die er mitbringt, die nimmt er auch wieder mit, wenn er geht.

      Word!

      11.02.2013, 21:46 von Sommerregen03
  • 0

    dein text gefällt mir... das is alles so nachvollziehbar! aber es wird aufhören, jeden tag ein bißchen mehr! kopf hoch!

    07.02.2013, 10:08 von E.marie
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  • 0

    "Ich bin ein Eindringling. In deiner Welt. Ich schäme mich hier zu sein."
    Ab da hast du mir irgendwie nur noch verdammt leid getan..Und das Brennen kenn ich auch.. das wird leichter.. toller Text!

    07.02.2013, 03:47 von cupid.S
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  • 1

    November ist ein Scheißmonat. Prost drauf!

    http://www.youtube.com/watch?v=LQQ7apHJbVE

    06.02.2013, 22:55 von Sommerregen03
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  • 4

    Uhhh ich schäme mich die ganze Zeit mit der Protagonistin. Am liebsten würde ich ihr zuschreien, dass sie das lassen soll. Eine peinliche Situation für alle Beteiligten. 

    06.02.2013, 22:46 von See_Emm_Why_Kay
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  • 0

    Mit der Hoffnung, dass er es eines Tages lesen wird?

    06.02.2013, 20:52 von smn_
    • 0

      Um Himmels Willen, nein. Obwohl?

      07.02.2013, 10:34 von pinkness
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