Fioojla 30.11.-0001, 00:00 Uhr 30 6

WG mit dem Ex

Nicht einfach, wenn man seinen Ex jeden Tag sehen muss, ob man will oder nicht. Das passiert, wenn man voreilig zusammen gezogen ist.

Dass ich jetzt in genau dieser Situation stecke, hätte ich mir vorher denken können. Eigentlich hätte ich es wissen müssen und auf meine Intuition hören sollen.
Als mein Freund damals das erste Mal vom Zusammenziehen geredet hat, hab ich ihn ausgelacht. Er solle doch erst mal lernen, Wäsche zu waschen und mehr als Spiegelei zu braten, bevor ich an sowas überhaupt einen Gedanken verschwenden würde.

Ich bin mit 18 ausgezogen und wurde zur Selbstständigkeit erzogen, er hat noch bei Mama und Papa gewohnt und sich von vorne bis hinten bedienen lassen.
Als dann meine Mitbewohnerin auszog und plötzlich mehr Platz in der Wohnung war, habe ich mich von dieser romantischen Vorstellung vom Pärchen-Paradies hinreisen lassen.
Kurz darauf ist er bei mir eingezogen, und der Anfang vom Ende hat begonnen. Erst im täglichen Beisammensein habe ich gemerkt, wie unselbstständig er ist und konnte es manchmal kaum glauben. Er hatte noch nie gewaschen, noch nie geputzt und höchstens mal Essen in der Mikrowelle warm gemacht. Viel schlimmer aber war, dass er noch nie eine Entscheidung allein getroffen hatte und mich für jeder seiner Entscheidungen brauchte. Egal ob es um wichtige Dinge wie die Wahl des Studiums ging oder nur um die Wahl des Radiosenders - er wusste einfach nicht, was er tun sollte.

Aus einer schönen, romantischen und loyalen Beziehung wurde nach und nach eine Mutter-Kind-Beziehung. Ich habe sein Leben automatisch mitorganisiert und mich gekümmert. Er hat versucht, alles richtig zu machen und mich nicht zu verärgern. Manchmal saß er auch studenlang beleidigt in seinem Zimmer und wollte nicht mit mir reden. Als er mich dann über einen Monat täglich belogen hat, weil er Angst hatte, Ärger von mir zu bekommen und schlecht da zu stehen, habe ich mich getrennt.
Es war eine Trennung wie jede andere, mit Geheule und Geschrei, mit Verletzung und Unverständnis. Der Unterschied war, dass er zwar wutentbrannt gegangen ist, aber kurz darauf wieder kam, um in seinem Bett zu schlafen.
Er führt ein Nomandenleben zwischen Elternhaus und Freunden, aber ist die meiste Zeit in meiner (unserer?) Wohnung. Wir reden normal miteinander, nur berühren wir uns nicht. Wir wissen beide nicht mit der Situation umzugehen.
Wenn er neben mir auf dem Sofa sitzt und mich dreimal fragt, ob das wirklich in Ordnung ist, weiß ich keine Antwort. Darf er? Darf mein Ex-Freund wie jeden Abend zuvor neben mir auf dem Sofa sitzen? Darf er mich nett begrüßen, wenn ich nach Hause komme und mich fragen, wie mein Tag war?
Darf er sich neben mich stellen, wenn ich Zähne putze? Nein, das darf er nicht, das war mir zu intim.

Wie lange es noch dauert, bis er auszieht, ist fraglich. Der Wohnungsmarkt ist nunmal schwierig und mit seinem Naturell noch viel schwieriger. Wie soll er sich auch allein für eine Wohnung entscheiden?
Und jetzt? Was ist, wenn ich schwach werde und es doch bequem finde, ihn hier wohnen zu lassen? Aber so werde ich ja nie meinem lang ersehnten Singledasein fröhnen können!
Aber noch viel wichtiger: Ist eine Trennung überhaupt eine Trennung, wenn man sich nicht räumlich trennt?

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30 Antworten

Kommentare

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    Du brauchst einen neuen Mitbewohner.

    17.08.2017, 18:35 von wgmakler
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    Toll geschrieben!

    08.01.2012, 12:15 von TonightsDream
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    Auf jeden Fall muss eine räumliche Trennung her!

    Ich hab es ungefähr eine Woche ertragen, mit meinem Ex weiterhin in einer Wohnung zu wohnen. Jeden Tag mit dem Schmerz konfrontiert zu werden, für den ich verantwortlich war, das hab ich nicht gepackt. Ich bin ausgezogen, er hat weitere zwei Jahre in der ehemals gemeinsamen Wohnung gewohnt.

    07.02.2011, 13:50 von kalifee
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    irgendwie hab ich in der überschrift 'weg mit dem ex' gelesen. das war vielleicht intuitiv. oder ne freudsche fehlleistung. aber eine verletzende trennung mit schreien und unverständnis kann in einer wg nie beendet werden...

    06.02.2011, 17:10 von paleica
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    FUCK ich bin in genau der selben Situation!!!!
    Das er in der nächsten Zeit auszieht ist auch sehr unwahrscheinlich als Student in Berlin eine Wohnung.............

    Ich fühle mit dir!

    04.02.2011, 21:16 von celllo
    • 0

      @celllo Danke, ich fühle auch mit dir :)

      04.02.2011, 21:30 von Fioojla
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    Super lustiger Text. Schmeiß ihn raus wenn es Deine Wohnung ist, ansonsten wirst Du auf Dauer nicht glücklich...

    04.02.2011, 11:24 von skyreacher
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    tja eigentlich hats dich ja noch ganz gut getroffen... ich hab unfreiwillig mit meinem ex "zusammen gewohnt" weil er sich nach mir meine mitbewohnerin geschnappt hat... und unsere wände sind dünn-.- das ging 2 jahre so (hatte gott sei dank mittlerweile selber wieder einen freund) aber es war die hölle. jetzt mag manch einer fragen wieso ich nicht ausgezogen bin. ganz einfach: meine würde und meinen stolz hatte er schon. meine wohnung aber nicht!

    03.02.2011, 12:15 von mara1605
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    Kick him like Beckham. Oder selbst abhauen.

    02.02.2011, 13:21 von mixtapeape
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    Ich verstehe dich so gut!!! Bin gerade in der gleichen situation, aber ich habe endlich eine Wohnung gefunden, und werde Ende des Monats ausziehen... Noch schwierger ist es aber, wenn einer eine neue Beziehung hat, und dieser eine bin ich...
    Aber zum Glück haben wir uns im "Guten" getrennt, deswegen können wir mehr oder weniger gut miteinander umgehen...
    Ich wünsche dir viel Kraft für die Zukunft in der gemeinsamen Wohnung, und dass diese Zukunft nicht allzu lange währt!

    02.02.2011, 12:28 von Aidualc
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    Merkwürdig, wie wenig manche Männer können. Dabei ist das alles (kochen, waschen, Leben organisieren etc.) gar nicht schwer. Aber die Generation nach mir scheint da massive Defizite zu haben. Es ist nicht das erste Mal, dass ich das lese, bzw. höre.

    Jungs, werdet erwachsen!

    02.02.2011, 10:09 von Plutarch
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