Dunnagh 20.05.2008, 09:03 Uhr 16 8

Wer wagt, gewinnt! [/ironie off]

Männo! Nix darf man!

Meine Beziehung zu ihr war nicht immer einfach. Sie wohnte in Berlin, später in Halle/ Saale, ich in Münster. Kennen gelernt hatten wir uns im Urlaub, und es war von Anfang an klar, dass wir eine Beziehung auf Entfernung haben würden. Mein Studium tröpfelte so vor sich hin, mit nicht erkennbaren Schritten nach vorn, aber mit entsprechendem Nebenjob war die Zeit so angenehm… wer muss sich da beeilen?

Wir sahen uns jedes zweite Wochenende – und es war toll! Natürlich gab es dennoch hier und da die üblichen Entfernungsbeziehungsprobleme: Poppen, wenn man sich sieht, weil man ja muss. Freunde vernachlässigen am Wochenende, keine Zeit für sich haben etc. Dazu kam aber noch: Sie war sehr eifersüchtig, weniger auf andere Frauen, als eher auf die Zeit, die ich mit andern verbracht habe. Aber die Entfernung stand dazwischen. Vor allem hatte sie wohl Angst, dass ich irgendwann jemanden fände, mit dem ich lieber zusammen wäre – jemand, der nicht so weit weg wohnt. Vermutlich hätte ich ihr diese Topf-Deckel-Geschichte nie erzählen sollen… (ich hatte meinen Deckel bereits irgendwann gefunden – dieser hatte mich jedoch zum reinregnen allein gelassen)
Nun, und so fing ich an, Wahrheiten zu biegen. Wenn ich mich mit einer guten Freundin traf, um in den Zoo zu gehen, behauptete ich einfach, ich träfe einen Freund zum Kartenspielen. Fall 1: Freundin regte sich unsäglich auf, machte mir am Telefon eine Szene sondergleichen (wobei sie geschickt vorging: Sie warf mir nicht das Treffen vor, sondern dass ich mich in der Zeit nicht um mein Studium kümmere)
Fall 2: Sie nahm es einfach so hin und wünschte mir viel Spaß.
Und ich fühlte mich durch ihre Eifersucht immer erdrückter. Nun… ich bin den falschen Weg gegangen, das weiß ich. Aber so war es viel einfacher, zumal mir beides (Zoo und Kartenspielen) gleich viel bedeutete und natürlich es natürlich auch einfacher war, dem Problem aus dem Weg zu gehen. (Ich kann das allgemeine Ächzen hören: „Männer…“) Und so kam es, wie es immer kommt: Es riss ein. Eine kleine Notlüge hier, eine andere winzige Unwahrheit dort. Nie irgendwas Dramatisches, aber eben gelogen:

Ob ich mich schon für die Prüfung angemeldet hab? Na klaro hab ich! (Ab aufs Fahrrad und los zum Prüfungsamt… mist. Zu.)
Selbstbefriedigung ist mist? Stimmt. Wie kann man nur? (Auflegen, Porno an und ab die Post)

Wir haben in drei Jahren viel erlebt und viel durchgemacht, aber wir waren uns immer einig, dass die Gefühle füreinander stimmten. Und dennoch: Irgendwann ging es nicht mehr. Es musste was passieren. Aber mein Studium dauerte noch an, mein Referendariat stand auch noch aus… und NOCH drei Jahre waren einfach zu viel. Trennung. Weinen. Spontane Zugfahren nach Berlin. Wiedervereinigung. Wieder Trennung. Wieder rückgängig, wieder Trennung, wieder… bis zu dem Tag meiner mündlichen Prüfung, an dem sie mir mitteilte, dass es endgültig vorbei sei. Vorbei. Und ich habe es zum ersten Mal auch geglaubt. Das Hin und Her der letzten Wochen sowie die Prüfung haben ausgesprochen an mir gezerrt. Frei! Noch am gleichen Tag lag ich mit einer andern Frau im Bett. Jetzt so im Nachhinein versteh ich mich da selbst nicht mehr, aber in dem Moment war es das Gefühl, die neugewonnene Freiheit mit Xuxu, Sekt und „so viel Unterwäsche hab ich gar nicht bei“-Sex zu zelebrieren.

Ich hielt mit meiner Ex lockeren Kontakt… wir haben uns gesprochen, geweint, festgestellt, dass es so nicht geht – und wieder „Adieu“ gesagt. Über bestimmt 4 Monate hinweg vermissten wir uns… bis ein Entschluss im Raum stand: Ein neuer Versuch muss her. Ernsthaft. Mit Zukunft. So richtig. Planungen, zusammen zu ziehen etc. Nur stand für mich eines fest: WENN eine gemeinsame Zukunft, dann nur mit offenen Karten. Ich konnte nicht länger mit jemandem zusammen sein, vor dem ich verbergen muss, wie ich wirklich bin.

Ein langer, langer Brief wurde geschrieben und abgeschickt. Ehrlichkeitsfaktor: 100%. Alles: Zoo, Prüfungsamt, autosexuelle Handlungen, die Nacht der Freiheit. Dazu der innige Wunsch, eine gemeinsame Perspektive zu entwickeln.

Zwei Tage später das Telefon: All der ganze Krams, die Unwahrheiten wären doch egal… aber wie konnte ich ihr nur fremd gehen?
Moment… in Gedanken ging ich den Brief noch mal durch. Konnte man was falsch verstehen? Nein. Man konnte nicht. Und dennoch sie tat es: Das Beziehungsende sei doch mehr eine Beziehungspause gewesen. Dann fielen noch unschöne Worte. Die letzten, die wir je miteinander sprachen.

And now I'm watching you
Wanting and a wishing that I kept my mouth shut

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16 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Ich mag auch die Stelle mit der Selbstbefriedigung. Sehr lustig. :D
    Hab mal ne Frau getroffen, die meinte, ihr Mann würde so etwas nicht tun. Lächerlich...

    Nun denn, mir gefällts. Also, den Text meine ich.

    13.05.2010, 05:22 von Novah
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  • 0

    Bei so viel Hin und Her muss doch einer von Euch extrem blind gewesen sein, oder?

    Text an sich ist ganz nett geschrieben, aber trotz der einen oder anderen Spitze dennoch fad und langweilig; ohne Aufbau, ohne Struktur, ohne Pointe...Hey, genau wie Eure Beziehung. So gesehen ist der Text innerhalb seines Zusammenspiels von Inhalt und Form SUPER! /ironie off

    08.05.2009, 02:19 von DarenBRens
    • 0

      @DarenBRens die beziehung war ganz sicher nicht fad ;))

      08.05.2009, 06:54 von Dunnagh
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  • 0

    Wer lügt, dem gehören die Beine gebrochen.
    Da gibt es kein "Wieviel Ehrlichkeit muss sein?"
    Und manche Dinge klärt man VORHER.

    Was ist dabei, zu sagen: Ich geh mit ner Freundin in Zoo? Nix.
    Man hält niemanden vom Fremdgehen ab. Wenn das passiert, passiert es halt.

    Und wenn ihr euch solche eifersüchtigen Frauen sucht und zu faul seid, auf ne anständig entspannte zu warten –mei, da gibt's dann auch kein Mitleid.

    07.05.2009, 15:20 von frl_smilla
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  • 0

    Wie echt ist das jetzt hier?

    Ausgedacht? Passiert? Halbhalb?

    07.05.2009, 15:13 von frl_smilla
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    :D

    07.05.2009, 15:04 von Dina-Lisa
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    ach guck mal einer an. du bist mir ja schonmal über den weg gelaufen ... ^^

    05.05.2009, 23:03 von la_lionne
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  • 0

    soviel wird in diesem text ja gar nicht gewagt.

    05.04.2009, 13:01 von MisterGambit
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      @hippogreif dem stimme ich zu.

      05.04.2009, 12:31 von Don-negro
  • 0

    wenn das ne "echte" geschichte ist, dann ist sie ein paradebeispiel dafür, wie man eine gute sache gegen die wand fährt.
    von ihrer seite aus, von seiner seite aus.

    sehr sehr schade.

    dass sie nicht in der lage ist, über die eine nacht mit ner anderen hinwegzusehen, das ist nur das sahnehäubchen.
    und wieder stellt sich die frage, wieviel ehrlichkeit verträgt mensch (MEINE antwort auf diese frage ist eine sehr desillusionierte....)?

    ach, traurig.

    27.08.2008, 10:17 von RedSonja
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    also ich reih mich mal mit ein, gefällt mir sehr gut!

    27.08.2008, 09:25 von dieANA
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