sinith 24.04.2009, 00:02 Uhr 1 2

Wer kann sich schon entscheiden

"Ich und die Leidenschaft - was für eine ungewohnte Kombination"

Da kannte ich deinen Namen und dein Gesicht gerade mal ein paar halbtrunkene Stunden im Club, da hast du zu mir gesagt:
"Nimm ihn doch bitte mit nach Hause."
Und ich saß am Schoß deines Kumpels und gerade hatte ich seinen Hals gebissen nachdem er meine Lippen geküsst hatte.
Dann meintest du noch:
"Ich muss jetzt nach Hause zu meiner Freundin. Viel Spaß euch beiden."
Und weg warst du.

Und Tage später starrten wir gebannt auf den Screen, während wir uns durch Retro-Games zockten und lachten eine Nacht lang. Weil wir rauchten und tranken und weil wir uns sympathisch fanden.
Und ich hab dich nicht gefragt, was da mit deiner Freundin ist.
Und du hast mich nicht gefragt ob ich ihn an jenem Abend als wir uns kennenlernten, mit nach Hause genommen hatte.
Und dann schob ich Ausreden vor und meinte:
"Ich muss jetzt gehn, eine Freundin wartet auf mich."
Und du hast mich halb umarmt als du mich zur Tür gebracht hast und ich dachte noch, halt ihn doch einfach fest, da war ich auch schon aus dem Haus.

An deinem Geburtstag tranken wir Wein, und als ein Freund vorbeikam und dich fragte, wo denn der Rest der Party sei, die du eigentlich heute Nacht veranstalten wolltest, war deine Antwort:
"Ich wollte heute niemand sehen, es geht mir nicht so gut."
Und ich saß im Sessel neben dir und hielt mich am Weinglas fest weil ich Angst vor seinem Blick hatte, der mich fragen würde, warum zur Hölle ich dann hier war, wo wir uns doch gar nicht kannten.
Und weil ich nicht wusste was ich mir selbst antworten sollte.

Und als ich dich später in der einen Bar dann in den Arm nahm und dich küsste und du nur fragen konntest:
"Bist du dir wirklich sicher dass du dir das antun willst?",
da war es schon zu spät um noch zu gehen.
Wir wussten es nach ein paar Sätzen, damals schon, backstage im Club, als man uns vorstellte und wir über Dinge sprachen, die allen anderen egal waren, weil sie entweder zu berauscht oder zu entfernt von unserer Videowelt waren, um zu begreifen was mit uns passierte.
Wir haben beide auf unsere Art reagiert und versucht voreinander zu fliehen.
Du, indem du eine Bekanntschaft zur Freundin gemacht hast, ich, indem ich mich deinem Kumpel an den Hals warf.

Jetzt wache ich morgens auf und seh als erstes dein Lächeln.
Und ich weiß dass dahinter ein Schlachtfeld liegt, und du weißt dass ich genauso kaputt bin, und wir fragen nicht nach.
Ich war nie geduldig, doch auf einmal möchte ich mir alle Zeit der Welt nehmen, um dich nichts sagen zu hören. Um einfach nur hier zu sein. Und dich bei mir
zu haben.

Ich mache mir keine Illusionen, ich weiß dass wir früher oder später im echten Leben ankommen werden, und auch wenn ich mir wünsche, dass die Seifenblase lange hält, auf den Knall freu ich mich trotzdem.
Ich will mir selbst und dir beweisen, dass so etwas funktionieren kann.
Auch wenn wir uns gesträubt haben weil wir instinktiv wussten, dass wir einander in unseren Schwächen nur ermuntern werden, erwischt hat es uns trotzdem.

Hör auf dir auszumalen was alles schiefgehen kann.
Wir sind beide hier und lächeln.
Das reicht fürs erste.

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Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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      @[Benutzer gelöscht] dreh den kopf, das hier war vielmehr als abgesang an genau dieses klischee gemeint.

      24.04.2009, 12:51 von sinith

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