ruma 18.12.2014, 18:37 Uhr 1 2

Wer braucht schon Feuerwerke?

Über ein Ende vor dem Anfang...

Absurd. Ja, das trifft es vielleicht am besten. Aber eigentlich gibt es gar kein passendes Wort für diesen Nachmittag.

Ich traue mich kaum, dich anzuschauen, wie du da mit roten, verweinten Augen auf meinem Bett sitzt. Und dabei fing alles scheinbar harmlos an.


Mit drei Worten: Ich. Habe. Nachgedacht.


Danach: Stille. Denn wir wissen beide, was das heißt. Ich schlucke. Und dann platzt du plötzlich. Weinst. Mitten hinein in die Stille. Und kannst nicht schnell genug loswerden, über was du alles nachgedacht hast und warum das hier heute das Ende eines so schönen Anfangs ist.


Ich wusste, dass das heute kommt. Schon seit Tagen. Seit du plötzlich so still wurdest. Trotzdem trifft es mich unvorbereitet. Mir fällt nichts ein, was "uns" noch retten könnte. Stattdessen sage ich nur leise: "Willst du ein Taschentuch?" Und ratlos, weil du auch nicht mehr weiter weißt, nickst du. Das sei alles "sehr emotional" für dich, sagst du. Dabei sollte es doch andersrum sein, oder? Sollte nicht ich diejenige sein, die weint? Ist das nicht gegen die Regeln?


In meinem Kopf herrscht Chaos. Wobei, eigentlich ist es gar kein richtiges Chaos... Eigentlich ist da nur eine einzige Frage. Immer wieder. In allen Tonlagen gleichzeitig: WARUM NICHT?


Du sagst: "Wenn ich mir eine Traumfrau malen könnte, dann wärst du das.", "Mit dir zusammen zu sein, war wie Urlaub, wie Auszeit.", "Du bist so ein toller Mensch." ...


Auf mein schüchternes: "Aber was stimmt denn dann nicht?" reagierst du verletzt, fast so als müsstest du dich verteidigen: "Als ich früher verliebt war, war es anders- mehr Kribbeln, mehr Feuerwerk. Alles war darauf ausgerichtet. Ich vermisse dich nicht genug. Das heißt, manchmal schon, aber nicht immer. Ich kann das hier nicht." - und deine Oberlippe wird wieder ganz schmal, weil du die Tränen zurückhalten willst.


Ich muss mich zwingen, dich nicht in den Arm zu nehmen und zu trösten.

Ja, wirklich absurd.


"Es ist deine Entscheidung." sage ich. Denn zwingen will ich niemanden. "Du kannst gerne gehen. Das musst du jetzt nicht mit mir aussitzen." Aber davon willst du nichts hören. Zu bleiben sei doch wohl das Mindeste!

Und so sitzen wir hier ohne uns zu berühren, werfen uns sehnsüchtige Blicke zu und irgendwann halte ich es nicht mehr aus und fange an, über Gott und die Welt zu reden. Und als mir nichts mehr einfällt, schauen wir uns Youtube-videos an, lachen sogar ein bisschen. Es dauert Stunden bis du langsam vom Bett aufstehst. Dein Gesicht ist mittlerweile nicht mehr rot. "Ich mach' mich dann mal auf den Weg."


"Okay" sage ich.


Im Flur umarmst du mich und küsst mich auf die Stirn. "Pass gut auf dich auf."

Wir beide wissen, dass das hier ein richtiger Abschied ist. In Kontakt bleiben willst du nicht. Auf der Treppe drehst du dich noch einmal zu mir um. Ich bleibe noch eine Minute hinter der geschlossenen Tür stehen, damit ich nicht sehe, wie du um die Ecke verschwindest. Erst dann weine ich.


Für mich war es auch nie ein "Feuerwerk". Nicht diese grelle Verliebtheit wie damals mit siebzehn.

Es war Geborgenheit, es war "Ich-Selbst-Sein-Dürfen", weil du mich genau dafür mochtest.

Es war - trotz der kurzen Zeit- eine unfassbare Nähe. Ich hätte dafür sofort jedes "Feuerwerk" und jedes Kribbeln eingetauscht, das ich bisher erlebt habe.

Es war leise und bescheiden- und echt.


Ich verstehe nicht, warum du gehen musstest. Und ich glaube, eigentlich verstehst du es auch nicht.

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