Pandamotte 30.11.-0001, 00:00 Uhr 18 36

Wenn Worte meine Sprache wären

Manchmal würde ich Worte gerne festhalten können.

Manchmal würde ich Worte gerne festhalten können, während sie so durch die Luft schwirren, dich soeben verlassen haben, mich vielleicht noch nicht ganz erreicht, aus deinen Gedanken externalisiert wie ein Voice Over eines Erzählers eines Filmes, der von Momentaufnahmen handelt. Er erzählt von lautlos berauschten Momenten stiller Gedanken, der unausgesprochenen Sehnsüchte, der Begierde, von Liebe gar, irgendwo zwischen den Zeilen. Von unbewusst angedeuteten Versprechungen, stets unter dem Deckmantel der Unverbindlichkeit und Privatheit.

Jeden der im virtuellen Raum rumschwebenden Buchstaben möchte ich einzeln greifen und unter meinem Kopfkissen verstauen, um sie herausholen und anfassen und herumdrehen und begreifen zu können, wenn ich das Gefühl habe, sie entgleiten mir. Möchte jedes Wort genau abwägen können, haptisch, sensuell, sie ordnen, um Fehlinterpretationen und Buchstabensuppe zu vermeiden. Möchte sie ihrem geschriebenen Status entreißen, sie real werden lassen, mir deuten lassen, was das Wort „Bedeutung“ eigentlich für eine Bedeutung hat.

Dann würde ich ihnen zuhören, was genau sie eigentlich zu sagen haben, sie fragen, ob sie nicht eigentlich etwas anderes meinen – und warum sie gewisse Dinge nur spät Nachts auszusprechen wagen, von Rechtschreibfehlern durchsetzt. Oder warum sie dann wieder ausbleiben. Würde einige von ihnen kräftig durchrütteln, andere eng an mich drücken, sie zwingen mich anzusehen und zu fühlen, was ihnen in ihrer schlichten Existenz möglicherweise entgeht.  Ihnen zeigen, wie wertvoll sie sind, ihre Existenzangst nehmen, die Tür öffnen zu einem Wunderland, in dem sie nicht nur Schall und Rauch einer rauchenden Raupe sind.

Wir würden uns aneinandergeklammert gegenseitig versichern, dass sie nicht nur Zusammenschluss semiotischer Zeichen sind oder Teile von Syntax, sondern Wahrheit. Uns würde klar, dass das Medium die Botschaft ist, und Kommunikation wäre nicht zu komplex. In einer Black Box säßen wir dann und würden kichern über vorherige Missverständnisse und –deutungen, würden uns endlich zu fassen kriegen. Bis uns dann auffiele, was wir übersehen hatten: Ein kleines Wörtchen. Vier Buchstaben. „Wenn.“

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18 Antworten

Kommentare

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  • 1

    wenn du tim bendzko in deiner überschrift zitierst, dann bin jetzt ich dran mit phillip poisel: 
    wer braucht schon worte, wenn er küssen kann?

    sehr schöner text! :)

    08.04.2013, 22:11 von paulaer-garfield
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  • 1

    spätestens bei der rauchenden raupe hattest du mich.

    08.04.2013, 15:18 von entfesselt
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  • 0

    Ich verstehe das mit dem 'Wenn' am ende nicht so ganz!?

    06.04.2013, 13:42 von Gk
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  • 0

    Ich steh nicht so auf Texte,die Lieder als Überschrift haben...aber an sich: guter Text. 

    05.04.2013, 19:38 von emii89
    • 1

      mir fiel nichts anderes ein, meine überschrifttexterin war gerade beschäftigt und dann ... passt es ja irgendwie doch ganz gut ;)

      05.04.2013, 23:47 von Pandamotte
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  • 0

    schöne Sinnkrise! ;) Nein, ernsthaft, schön geschrieben.

    05.04.2013, 19:13 von Tora
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  • 1

    Weiber und Worte – Himmel, da kommt was zusammen...

    Zu viel von allem, zu wenig vom Wesentlichen. Aber ich höre schon all die Mädchenseufzer. Hmmmmm, soooooo schön!

    05.04.2013, 17:46 von Justaff
    • 0

      Seufz, klingt wie ein Poisel-Text ohne Poisel-Fresse, findich aber okay

      05.04.2013, 18:01 von EliasRafael
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    • 0

      Was genau willste damit sagen - also mit der "adaptierten" Po-Ente? Haste keine eigenen Worte gefunden?

      06.04.2013, 14:01 von Justaff
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  • 1

    sehr gut in worte gefasst und gerne gelesen!

    05.04.2013, 17:41 von jetsam
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  • 1

    ein Text, Worte, zum Lieben geschrieben, endlich mal kein Gejammere um die falschen Freunde, geil, genial, wunderbar, wie ein enstpanntes Wochenende ohne die Notwendigkeit im Halbrausch schöne Frauen finden zu müssen, welche Körbe verteilen.
    Danke!

    05.04.2013, 15:46 von Filousoph
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  • 2

    Ich mag deinen Text und die Vorstellung, Worte "greifbar" zu machen. Trotzdem liest es sich irgendwie mühsam für mich. Das liegt vielleicht an der Wahl deiner Worte - ob's jetzt Absicht ist oder nicht.


    "externalisiert - Voice Over - Deckmantel der Unverbindlichkeit - haptisch - sensuell - Zusammenschluss semiotischer Zeichen - Syntax...


    ...und Kommunikation wäre nicht zu komplex."

    05.04.2013, 15:09 von Freulein_Taktlos
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