hedylamarr 30.11.-0001, 00:00 Uhr 13 6

Wenn man wüßte wie lange es noch dauert

wäre es leichter. Ich bin einer von diesen Dauersingles, soeiner den es in jeder Clique gibt

und machnmal stelle ich mir die Frage wieso das so ist.
Die Freundin die eigentlich immer spontan Zeit hat wenn mal Not am Mann ist und die Freundin mit der man
Wochenendtrips und Städtereisen macht. Weil der eigene Partner des Freundes oder der Freundin eher jemand ist mit dem man dann die großen Reisen macht. Wie Thailand, Südamerika und sowas. Die Rolle habe ich verinnerlicht!

Mitte März, 2003, Start meines Singledaseins.
Da wo man merkt "ich bin verdammt alleine", wenn man abends ins Bett geht und wenn man dann am Sonntag alleine daheim vor der Glotze hockt oder die Eltern besucht, weil man zufällig der einzigste Single ist in der Clique. Da dacht ich noch, naja, das wird schon nicht so lange dauern. Der Kummer geht vorbei, let it flow, das wird schon wieder, sind doch alle nicht wirklich lange alleine im Freundeskreis.

Die Experimentierphase begann, ich ging auf Männerfang, nur daß es für eine Beziehung nie gereicht hatt. Anfangs hab ich mich vorschnell auf ein paar Männer eingelassen, die Sehnsucht war doch so groß. Die Sehnsucht nach Liebe und Nähe und Sex. Zu der Zeit bin ich oft in meinem damaligen Lieblingsclub rumgehangen und hab mich verführen lassen und habe verführt. War ja ganz lustig, wenn ich nicht so blöd und unerfahren gewesen wäre und immer gleich die große Liebe gewittert hätte. Aber mit 22 und 23 war ich so und eigentlich ist es schön heute zu sehen daß ich nicht so abgebrüht war, wie es viele heute in dem Alter schon sind.
Oft hab ich mir die Finger verbrannt. Freunde sagten "der Mann der zu dir paßt wird nicht an der Bar stehen". Komisch nur wenn zu dem Zeitpunkt mehr als 50% meiner Freunde mit Menschen glücklich (!) zusammen waren die sie in Clubs oder auf Konzerten kennen gelernt hatten. Ok, muß wohl bei mir anders laufen - wird schon werden.
Naja, mit 24 fing ich dann an zu zweifeln.

Das Extrem-Weggehen stellte sich ein - der Club fing mich an zu langweilen. Ich stromerte herum, auf der Suche nach neune Clubs, Hobbys und Dingen die ich machen könnte um meine Lücken füllen zu können. Hier Sport, da ein Elternbesuch (man könnte meinen ich sei ein Mutterkalb, aber ich bin lieber bei Kaffe und Kuchen mit meinen Eltern am Sonntagstisch, als völlig alleine zu Hause).
Der Freundeskreis war schon da, aber halt anders, wie das so ist - wie es sich ergibt wenn man immer mehr erwachsen wird und sich auch Prioritäten verlagern. Man trifft sich, meist in Gruppen - der Partner der anderen dabei, logisch. Zu später Stunde (falls es soweit kommt, ein Phänomen vieler Paare ist es, sich gegenseitig zum Verlassen der Party zu motivieren), wird doch wieder am Tisch getuschelt, gekuschelt und die Zweisamkeit genossen.
Ja, so kam ich mir oft irgendwie vom Leben verarscht vor. Super, das wollte ich mir auch nicht immer ansehen und dabei so tun zu müssen, als wäre die ganze Welt in Ordnung und ich hätte gar kein Problem damit. Schwachsinn, wie kleine Messerstiche fühlt sich das an... zack, zack, und noch einer...zack.

Zugegeben die ersten Jahre bis 25 ist mir vielleicht die Sehnsucht aus dem Gesicht gesprungen, so daß die Männer unter Umständen sofort Panik hatten. Heute kann ich das verstehen und heute springt mir auch keine Sehnsucht mehr aus dem Gesicht. Aber wie verbirgt man denn, daß man die Liebe sucht? Nicht falsch verstehen, ich bin nicht eine, die von Kindern und vom Häusle baue in der ersten Nacht spricht. Das Problem das ich hatte, war daß die Männer meißt irgendwie nicht bereit waren. Da hang doch der ein oder andere Mann noch der hoch glorifizierten Ex nach, oder sah sich erstmal noch für ein, zwei, drei Jahre im Ausland. Oder sie lernten kurz nach mir die Frau der Träume kennen. Alles Fakten, so wars.

Einmal (!) hatte ich in den 5 Jahren eine Fernbeziehung (300km) - für ganze 6 Monate - das war eigentlich alles noch am aufblühen, da kam der Schlußstrich. Gründe fürs Schlußmachen waren "ich sei zu festgefahren in meinem Leben", "hätte schon nen Masterplan". Aber was soll ich dazu sagen? Hätte ich denn die letzten Jahre blauäugig auf den Prinzen warten sollen, der mir die große Welt zeigt? Dann wär ich doch echt blöd gewesen. Es ist komisch, ich sehne mich immer noch nach dem großen Glück, fühle aber auch daß es so fern liegt, weil ich es inzwischen nicht mehr zulassen kann. Aus Angst verletzt zu werden und mich wieder alleine hochziehen zu müssen.

Nun, jetzt bin ich 27, bin immer noch allein. Bin umgezogen vor zwei Jahren, weil ein Tapetenwechsel manchmal ganz gut tut. Raus aus der Stadt - mehr in die Nähe meiner Eltern. Freunde sagten "du bist viel bei deinen Eltern" ich meinte "ja, die haben nen Garten, da sitz ich gerne" in Wirklichkeit meine ich "da bin ich nicht alleine".

Ich nehme vieles in die Hand - fahre auch alleine in den Urlaub. Hab mir Hobbys gesucht die ich gerne alleine mache und die mich erfüllen. Irgendwie bin ich inzwischen so autark, daß ich Angst habe, daß niemand mehr in mein Leben paßt. Es war einfach dumm gelaufen in den letzten Jahren, es hat nicht sein sollen. Aber es hat mich auch ein wenig verbittert und meine Bereitschaft mich auf andere Menschen einzustellen verändert. Ich bin kritisch bei Männern, laß mir nichts mehr sagen, und mache die Schotten sofort dicht wenn ich mitbekomme daß der Mensch keine Ziele hat, nichts auf die Reihe bekommt.

Meine Freunde habe ich selbstverständlich immer noch, aber die Lage um mich herum verschärft sich, es wird zusammen gezogen, Kinder geplant, teilweise auch schon geboren. Häuser geplant und gebaut. Was mache ich? Renne noch auf Konzerte, suche noch die Freiheit und mache Urlaub mit dem Surfbrett unterm Arm, weil ich da nicht auf jemanden angewiesen bin. Schau mir die Welt alleine an.

Manchmal weiß ich nicht ob ich zufrieden sein soll, oder tottraurig. Weil mich niemand liebt? Doch meine Freunde und meine Familie, die haben mich ja dennoch nie im Stich gelassen und ich freue mich für ihr Glück in der Liebe. Wäre es mir so ergangen, dann würde ich wohl genauso leben.

Alles was mir fehlt - auch das wird weniger, jetzt nach 5 Jahren ist es, manchmal jemanden neben mir zu wissen wenn ich einschlafe, jemand, der mich liebt und mir in der Früh ein Nutellabrot schmiert und mich küsst und knuddelt.
Ist das schon zu viel?

Keine Ahnung, ich weiß nicht mehr ob man sowas erwarten darf im Leben oder nicht. Aber so langsam beginne ich mir meine Zukunft auch anders vorzustellen. Nicht mehr der große Traum vom Haus mit Mann, Kind und ein paar Hühnern im Garten. Ich sehe mich, alleine, die Welt erobern. Weil mein Herz keine Energie mehr hat um für die ewige Sehnsucht und die Liebe des Lebens zu schlagen.
Es schlägt jetzt für mich alleine.

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13 Antworten

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    ,,Weil mein Herz keine Energie mehr hat um für die ewige Sehnsucht und die Liebe des Lebens zu schlagen. "
    schön.. traurig..treffend.

    10.04.2016, 20:27 von americancookie
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    Haha, als ob du mir aus der Seele sprechen könntest... Nach dem Studium wollte ich immer heiraten, ein Haus bauen und Kinder bekommen. Dann ist aber beruflich und privat vieles anders gekommen. Deshalb Prioritäten anders gesetzt: erstmal die Welt sehen, schließlich lebe ich ja nur einmal

    10.04.2016, 18:15 von Schlori
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    Haha, als ob du mir aus der Seele sprechen könntest

    10.04.2016, 18:07 von Schlori
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    Ich empfinde genau so wie du, exzellent in Worte gefasst. Sind zwar "erst" 2 Jahre bei mir, aber mittlerweile gewöhn ich mich auch schon an das Solo-Dasein (da ich eh keine Kinder auf die Welt setzen will und Heiraten mir suspekt ist). Ausserdem ist die heutige Gesellschaft keine mehr, die zusammen Alt werden will. Partnerwechsel bis in's hohe Alter...Zu anstrengend ^^

    12.08.2008, 20:03 von LeyluraLegbreaker
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    ehrlich, emotional, eins a.

    26.03.2008, 16:58 von misspringle
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    Danke für Deinen lieben Kommentar...hab auch Deinen Text gelesen, der mich gerade verwirrt , berührt und mir etwas Angst macht...aber ich werde aufhören zu suchen, suchen und suchen und versuche es mal mit mich
    finden lassen;)

    26.02.2008, 16:34 von Wortgaertnerin
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    Beste Voraussetzungen.

    23.02.2008, 00:20 von chessige
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    dein text gefällt mir. er ist ehrlich.
    "Zugegeben die ersten Jahre bis 25 ist mir vielleicht die Sehnsucht aus dem Gesicht gesprungen, so daß die Männer unter Umständen sofort Panik hatten."
    vielleicht warst du zu dem zeitpunkt einfach zu verbissen.
    "Keine Ahnung, ich weiß nicht mehr ob man sowas erwarten darf im Leben oder nicht."
    ich denke, dass du dadurch, dass du deine erwartungen gänzlich zurückgeschraubt hast, lockerer geworden bist und dir deine verbissenheit (nicht negativ gemeint!) nicht mehr ins gesicht geschrieben steht!
    Da fällt mir der Spruch ein: Unverhofft kommt oft! ;-)
    Kopf hoch!

    23.02.2008, 00:14 von Colene
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