Wenn Helga um die Ecke sieht
1. Eine junge Frau. Ein alter Mann und dazwischen viel mehr als du gedacht hast...
Helga ging um die Ecke und prallte frontal auf den seltsam gekleideten Herrn.
„Hey! Kannst du nicht aufpassen?! Verdammt, meine ganzen Einkäufe!“, schnauzte die junge Frau. Er, der seltsam gekleidete Herr, schaute sie verwundert an und erwiderte: „Mein blutjunges Fräulein, warum schnaubst du wie ein Ross nach langem Ritte? Ich hoffe du verzeihst, wenn die Frage verworren scheint, aber warst nicht du es, die in stiller Hast die Ecke nahm?“ „Was ist denn mit dir los?“.
„Mit mir? Ich erhoffe mir in diesem Weltgetümmel einen Platz zu nehmen, der mir gerecht und den anderen nicht allzu ungerecht erscheint. Aber ganz ruhig ist mein Blut, sanft meine Seele, es gibt kein Ding, das mich quäle und, ich hoffe du verzeihst die Frage, aber du scheinst von aufgebrachtem Blute? Die Seele im wilden Sturm, die Augen, alle Helligkeit verneinend, nur das Dunkle anzustarren, dein Mund vermisst das Lachen und sogar das Haar spricht von stumpfer Pein, die an deiner Seele zerrt. Ward die Liebe dir verwehrt?“, fragte der seltsam gekleidete Mann und schaute Helga tief in die Augen.
„Ich verstehe nicht...“, Helga hob in ihrer Verwirrung die Arme und wusste nicht weiter.
„Du verstehst nicht. Natürlich nicht, du liebes Kind, die Unschuld raubt dir hier den Atem. Jede Träne, die ich hinter deinen Wimpern sehe, ist von reinem Odem nur. Du weißt nicht, wovon ich spreche, auch wenn du es schon fühlst. Ist es nicht so?“, flüsterte er und nickte Helga dabei zu. Sie hielt seinem Blick noch einen Moment stand, dann schloss sie die Augen und senkte den Kopf. Eine Träne versickerte in ihrem Kleid und sie nickte.
„Die Ungerechtigkeit hat so viele Gesichter, nicht die Sterne könnten sie zählen, doch ist es einfach das Schlimmste auszuwählen. Die Ungerechtigkeit der Liebe ist von ganz besonderer Grausamkeit, weil ihr modriges Angesicht durch das schönste Gut geschaffen wurde. Aus Rot wird Schwarz, aus Licht die Dunkelheit und das was vorher gut gewesen, ist nun die Quell´ des Leidens. Es gibt keinen Weg, um dieses Schicksal zu vermeiden, nicht, wenn es dich auserwählt sein Opferlamm zu sein. Kein Gold, kein Augenfunkeln und kein Bitten hat die Macht, die Ungerechtigkeit aus Leiden schafft.“
Der seltsam gekleidete Herr fing Helga auf, während sie in sich zusammensackte, ihre Tränen flossen in Strömen in seine grüne Fleecejacke und er strich ihr mit seiner großen, alten Hand über die Haare. Sie weinte fast zehn, sogar fünfzehn Minuten. Dort auf der Straße, vor allen Leuten, die vorübergingen. Sie weinte zum ersten Mal seit langer Zeit.
„Woher weißt du das? Wer bist du? Warum sagst du mir das alles?“
„Weil das Schicksal uns, mit schneller Hand, an dieser Ecke hier, frontal verband.“
„Ich glaube nicht, dass ich das verstehe.”
„Du weißt es, gutes Kind, weil du und ich das Gleiche sind.“
„Nein! Ich bin eine junge Frau und du ein alter Mann! Wie kommst du darauf, dass wir das Gleiche sein könnten?“
„Weil die Liebe zwei Gesichter hat - so unterschiedlich wie die Sonne und der Tod - das eine strahlt und das andere droht. Das, welches Freude schafft und schenkt, und das, welches Leben in die tiefsten Trümmer senkt. Die Liebe ist so, wie alles war und ist und immer bleibt. Ein Sohn der Zweisamkeit.“
„Du bist ich. Ich bin die Liebe?“
„Und ich bin die Ungerechtigkeit.“






Kommentare
Ich wünschte ich wäre fleißiger...
15.07.2010, 21:01 von Junger_Faust@Junger_Faust Ja, Faust. Mach ma hinne! Mir warten schon.
15.07.2010, 21:46 von Steifschulz@Steifschulz ach, immer arbeiten und arbeiten und jetzt urlaub ohne stift und zettel..wie soll man da zum texten kommen?
16.07.2010, 14:04 von Junger_FaustSuper kleiner, großer (wie auch immer) Goethe!
03.06.2010, 19:12 von MiezemauzDu machst deinen "Namen" alle Ehre. weiter so...ich will noch mehr davon lesen;D
@Miezemauz vielen dank für die empfehlungen! habe ein wenig zeit gefunden um die text-idee von neuem aufzubauen..weiß zwar nicht wann ich fertig werde, aber ihr habt mir lust darauf gemacht! danke.
21.06.2010, 16:33 von Junger_Faustwie kriegst du sowas hin?
25.04.2010, 12:28 von saruschelwie findet man die inspiration für sowas ??
Kooooomplimeeeeeeent!
... und empfohlen =)
22.04.2010, 21:11 von some_kind_of_naturewunderbarer Text!
22.04.2010, 20:55 von some_kind_of_natureWürde glatt ne Empfehlung bekommen, wenn ich wüsste, wie das geht.. =(
Ich persönlich finde ja, sowas gehört Startseite.
21.04.2010, 18:13 von Miss_SatansbratenAllein schon wegen dem überdurchschnittlich gutaussehenden Typen, der das Teil sicher innerhalb kürzester Zeit runtergeschrieben hat.
wie eine träne von reinem odem sein kann erschließt sich mir nicht.
21.04.2010, 11:23 von Der_Misanthropund statt "die quell'" kann man ruich auch ma "der quell" schreibn - brich dir da keinen ab^^
ansonsten gut gut und verdient endlich ma n paar empfehlungen. begibst dich langsam ins establishment, wat?
„Die Ungerechtigkeit der Liebe“ .. da bitte ich ein wenig um Aufklärung.
21.04.2010, 09:23 von CyroWas ist das ?
Liebe hat für mich verschiedene Erscheinungsformen:
Eigenliebe: Bis zu einem gewissen Maße notwendig. Wird negativ wenn man sich selber über andere stellt und/oder nach der Maxime „Der Zweck heiligt die Mittel“ handelt, wobei der Zweck dann das eigene Wohlergehen auf Kosten anderer ist. Ganz besonders unschön, wenn die Motivation der Eigenliebe Eitelkeit, Hochmut und Dummheit heisst.
Nächstenliebe: Sofern nicht übertrieben, eine gute Sache. Wird aber negativ, wenn man das Wohlergehen andere im Übermaß über das eigenen Wohlergehen stellt.
Liebe in Sachen Partnerschaft, Sex: Es kommt immer drauf an, wo die Motivation liegt. Täglich aufs Neue. Was will ich vom Partner und warum ? Soll er etwas für mich machen oder für sich oder für uns beide ? Kann ich ihm Freiheiten lassen, kann ich vertrauen ? Usw. usw.
Es gibt mit Sicherheit noch mehr Definitionen der Liebe, meine Lieblingsdefinition, die ich mal vor Jahren hörte, habe ich leider nicht mehr gefunden (grob gegliedert: Liebe als Sex, Liebe als Bruderliebe (nicht sexuell, sondern als Nächstenliebe), Liebe als göttliche Liebe (immer gebend, nichts erwartend, fast nicht möglich))
Was ist aber die Ungerechtigkeit der Liebe ?
Vieles was aus Eigenliebe geschieht wird anderen als Ungerechtigkeit erscheinen. Trifft es das, wenn Du von der Ungerechtigkeit der Liebe sprichst ?
Wow. Im ersten Moment dachte ich...das isn Dialog zwischen Schauby und nem blutjungen wbl Neon-Neuling...
21.04.2010, 08:46 von Miss_Satansbraten- aber jetzt bin ich natürlich platt.