Wenn es aufhört zu regnen
Manchmal ist Liebe wie ein sanfter Nieselregen. Man hat nicht das Gefühl, nass zu werden und am Schluss ist man doch bedeckt mit Wassertröpfchen.
"Weißt du, manchmal wünsche ich mir, dass ich in einem glücklichen Moment fotografiert werde und Jahre später dann dieses Bild finde, und mich an diesen Augenblick erinnere. Vielleicht habe ich ihn dann schon vergessen und erinnere mich nur durch dieses Foto wieder.“
Ich wende den Blick vom Meer ab, und lächle ihn an.
„Stimmt. Ein Foto von diesem Moment wäre wundervoll.“
Seine Augen sind traurig, er weiß, wie wenig Zeit uns verbleibt.
Wir halten uns an den Händen, halten uns fest. Es ist, als würde ich ihn in diesem Moment schon verlassen, als würde ich schon gehen.
„Darf ich euch fotografieren?“, fragt plötzlich eine Stimme hinter uns.
Wir drehen uns um, lachen, nicken. Und werden Teil eines Fotoprojektes über Menschen, die aufs Meer blicken.
„Das war verrückt.“, sage ich, als wir wieder nebeneinander auf der Kaimauer sitzen.
Er lacht und antwortet: „Nein, das war Ironie des Schicksals. Oder es war einfach dein Leben, das sich für dein wunderschönes Lächeln bedanken wollte.“ Und er küsst mich.
Ich habe das erste Mal das Gefühl, über und über mit leichter, sanfter Liebe bedeckt zu sein. Es fühlt sich ein bisschen an wie Nieselregen, bei dem man nicht das Gefühl hat, dass es wirklich regnet, und am Ende ist man doch voll winziger Wassertröpfchen.
Ist es besser, dass wir wenig Zeit hatten? Konnten wir damit schlimmeren Liebeskummer verhindern? Oder hätten wir es nach längerer gemeinsamer Zeit besser akzeptieren können, dass uns zukünftig 10.000km trennen würden?
Am letzten Tag schlagen wir Räder auf dem Strand, er zeigt mir einen fast geglückten Rückwärtssalto und ich einen ebenso gelungenen Handstandüberschlag. Wir lachen, er schreibt Till the stars don’t shine auf meine Pantalón de viaje*, die am Ende dieses Tages völlig vollgekritzelt sein wird mit Namen, Wünschen und kleinen Malereien, von den aufgenähten Muscheln und Stickereien meinerseits mal abgesehen.
Er schenkt mir seinen Pullover. Seinen Lieblingspullover, er riecht nach ihm. Ich will den Namen seines Parfüms wissen, er schüttelt den Kopf.
„Wenn du mich wieder riechen willst, musst du mich wiedersehn.“
Ich schlucke.
Mein Bus kommt.
Er küsst mich.
„Te quiero.**“, sagt er leise. Traurig. Er sagt es nicht zu jeder. Jedenfalls hat er das gesagt.
„Ich dich auch.“, flüstere ich.
Ich weine nicht im Bus. Ich vergrabe mein Gesicht in seinem Pullover. Und weine erst, als ich an einer niedrigen Steinmauer vorbeilaufe, auf deren Steine ich später noch „Ich liebe dich“ schreiben würde.
Ich habe Freundinnen, die ihren Freunden versprechen, dass sie ihn nie verlassen würden. Ich hatte nicht einmal die Chance, so töricht zu werden, weil mein Flug nach Hause gebucht war, bevor ich ihn auch nur kennenlernte.
*Reisehose
** Ich hab dich lieb.






Kommentare
Du hast genau das Gefühl von Sommer, Urlaub, Fernweh und Ferienliebe eingefangen!
26.02.2011, 19:24 von krawallkaethchenSchön!
hmm... traurig.
10.08.2010, 12:54 von MyaBeerwunderschön!
09.08.2010, 22:26 von Emiliano