vanillabird 30.11.-0001, 00:00 Uhr 79 15

wenn Du online bist

"Je länger ich auf das "online" starre, desto heftiger wird der Schmerz. Desto fester und schneller schlägt ein Hammer gegen meine Brust..."

Ich schreibe diesen Text, weil ich sonst Dir schreiben würde.

Ich sehe, dass Du online bist. Ständig. Bis spät in die Nacht. Und ich frage mich was Du schreibst, wem Du schreibst. Wieso Du nicht mir schreibst.

Und mir wird schlecht wenn ich Dich online seh'. Mich juckt es in den Fingern Dir zu schreiben, Dich zu fragen, ob Du jetzt glücklicher bist. Endlich nicht mehr eingeengt, endlich von meinem Leben verschont. Ich möchte Dir sagen, wie weh Du mir tust, was Du mir antust, indem Du nicht mehr schreibst, mich aus Deinem Leben verbannst. Ich hasse es, dass Du dir keiner Schuld bewusst bist und einfach so davon kommst, während ich daran zerbreche...

Je länger ich auf das "online" starre, desto heftiger wird der Schmerz. Desto fester und schneller schlägt ein Hammer gegen meine Brust, treibt meine Tränen nach oben und macht jeden Atemzug zur Qual. Diesen schmerzhaften Hammer hast Du kreiert, mit Deinem Egoismus und Deinen Worten, die jegliche Hoffnung aus meinem Körper saugen.
Sie wiederholen sich in meinem Kopf. Immer und immer wieder. Und jedes mal treffen sie mich mit voller Wucht, mitten ins Herz.

Wann bist Du nur so abgestumpft? Ich erinner mich noch gut an die Zeit in der Du Dich brennend für mich interessiert hast. Du wolltest immer wissen wie es mir geht, was ich mache. Wenn ich Dich gebraucht habe warst Du zur Stelle, hast mich mitten in der Nacht abgeholt, die richtigen Fragen zur richtigen Zeit gestellt und mir immer zugehört. Du warst lustig, leidenschaftlich und hast mich fest umschlungen, als ich Halt brauchte.

Doch der Abstand wurde größer. Deine Worte wurden leerer, Dein Interesse an mir immer blasser. Nachts war eine Distanz zwischen uns, die ich kaum ertragen konnte. Du in Deine Decke eingewickelt, unnahbar, distanziert, ich kam nicht mehr an Dich ran.
Je mehr ich es versuchte, desto weiter hast Du Dich von mir entfernt.

"Es ist besser, wenn das mit uns aufhört" hast Du gesagt. Und wahrscheinlich hast du Recht gehabt. Deine Emotionslosigkeit war kaum noch auszuhalten, doch die guten Erinnerungen sind zu lebendig, zu präsent. "Es ist besser, wenn das mit uns aufhört" schallt es immer wieder in meinen Ohren. Besser für Dich, damit du ohne schlechtes Gewissen mit Deiner neuen Bekanntschaft schreiben kannst? Wenn ich sehe, dass Du online bist, stelle ich mir vor, dass Du gerade mit ihr schreibst und sehe mich selbst in ihr. Ich stelle mir vor, dass Du ihr genau wie mir mit deinen Worten den Kopf verdrehst. Mit Deiner positiven Lebenseinstellung den Tag versüßt und sie mit Deinem Humor von Dir überzeugst. Sie wird auf Dich reinfallen, genau wie ich es tat, wie schon einige vor mir es taten. Am liebsten würde ich sie warnen, sie solle sich nicht von Deinem wunderschönen Lächeln blenden lassen. Doch ich weiß, das hätte keinen Sinn. Denn ich wurde auch gewarnt, habe mir immer wieder verboten Dich in mein Herz zu lassen und trotzdem hast Du es erobert, ohne es überhaupt zu wollen.

Am liebsten würde ich Dir schreiben. Dich als Arschloch bezeichnen, als Herzensbrecher, Dir sagen, dass Du aufhören musst Frauen Hoffnungen zu machen, wenn Du doch sowieso lieber alleine bist. Dich beschimpfen, Dir ein schlechtes Gewissen machen oder Dich anbetteln, zurückzukommen.

Das Schlimmste ist, dass ich Dir eigentlich gar nichts vorwerfen kann. Du warst immer ehrlich, hast gesagt wir können viel Spaß haben, aber mehr auch nicht. Und ich habe mir so sehr eingeredet, dass es funktionieren wird, bis ich selbst davon überzeugt war. Aber natürlich konnte ich es nicht trennen. Bei jedem Kuss war ich mit dem Herzen dabei und frage mich nun, wo Deins geblieben ist.

Ich weiß, dass man sein Glück nicht von anderen abhängig machen sollte, dass Du nicht für meins verantwortlich bist. Und dennoch fühlt es sich an, als hättest Du mir ein großes Stück Glück geraubt. Es ist so schwer Dich gehen zu lassen, Dir nicht mehr von den kleinen und großen Dingen in meinem Leben zu erzählen, Dir nicht zu schreiben, obwohl Du online bist.

Ich schreibe diesen Text, damit ich Dir nicht schreibe. Als Selbstschutz, um wenigstens noch ein letztes bisschen Achtung vor mir zu behalten, nicht noch erbärmlicher dazustehen, als ich es ohnehin schon tue.

Ich schreibe Dir nicht.
Nicht heute.
Nicht morgen.

Bis ich wieder schwach werde.


Tags: Gefühle, Trennung, Einsamkeit, Schmerz, Erinnerung, Enttäuschung
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79 Antworten

Kommentare

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  • 0

    "Bei jedem Kuss war ich mit dem Herzen dabei und frage mich nun, wo Deins geblieben ist."
    - oh nein.. :/

    24.10.2013, 22:53 von schnutopard
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  • 0

    mehr als überschrift und diesen untertext schaff ich nicht
    mir tut sofort alles weh , aber wirklich ALLES
    (verschwindet heulend)

    21.08.2013, 21:36 von yuhi
    • 2

      ?

      ...aber nich so mit den Türen schlagen, nä?

      21.08.2013, 21:53 von SirMCPedta
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  • 1

    Wie das jetzt wieder passt...

    Ein Traum:

    [...]


    "...und die feuernden Flammen des Anfangs wurden kleiner, sie erstickten langsam in deiner Traumwelt in der ich mich verstrickt und hoffnungslos verloren wähnte. Und so wahnsinnig berauschend und unglaublich filmreif wie es angefangen hatte konnte nur die Realität ihre bittersüße Würze streuen, dass jeder weitere Tag eine Enttäuschung bürgen muss. Ich stolperte in dein Herz und Du in meines, ich riss deine Fenster auf und Du die meinen und wir atmeten die frische Luft und schlossen die Augen vor Genuss der Liebe. Wir stillten sorglos und frei unsere Triebe und und sangen süße Lieder von der Liebe. Doch wenn sich mein Herz eingedrückt fühlt weil es nicht mehr glaubt, nur noch nach aller Betäubung noch etwas fühlt, es nichts besseres und nichts gutes und ehrliches an mir geben kann, auch sonst nichts schönes mehr auf dieser Welt, dann sind es die guten Erinnerungen die wie Träume in mir weiterleben und jeden Tag in meinem Herzen schlagen. Wie das mit uns passierte ist zu schön gewesen, dass es verfilmt zu werden verdient. Ich schreibe dies hier in mein Tagebuch und eigentlich sollen Dich diese Zeilen nie treffen, denn ich will Dich nicht mehr verletzen, ich bin nur ein dummer Narr der nach Liebe und Freiheit sucht. Ich liebe wen ich will und denke das ist Freiheit, stattdessen bin ich wie der dumme naturfremde Wanderer der an allen Blumen schnuppern will und dabei so manche abbricht dass sie stirbt. Ich bin in Wahrheit der Tod - ich liebe jeden - wie eine schwarze dunkle Grube die alles an Kraft verschlingt weil das eigene keine Kraft hat mit der Einsamkeit zu schlagen. Ich sammel Herzen die ich zu Steinen forme, die ich auf immer und ewig mit mir herum trage bis ich sterbe. Meine dunkle Grube füllt sich, mein Herz wird schwerer, am Ende werden alle Steine die ich gesammelt, eine Einheit bilden die mein Grabstein sind. Ich sah alles platzen was noch vor uns lag und verdrängte all die Träume die Du mir gabst. Du warst ebenso mein Tod und eh ich es begriff, zog ich weiter zur nächsten Blume um daran zu riechen. Aber ich kam nicht mehr zurück, weil Du mir nicht mehr geschrieben hast. Und das Einzige was mir bleibt ist zu hoffen, dass ich auch nur ein kleiner Stein in deinem Herzen bleibe, der unter vielen anderen Steinen am Ende deinen Grabstein bilden. Steine bleiben für immer. Liebe kommt Dir rasch entgegen, aber aufgesucht will Treue sein. Mein Herz ist rastlos, treulos, haltlos...weil Du mir nicht mehr schreibst."

    [...]

    (Auszug aus Pedtachens Mondfahrt und der Narr. Das Buch das es nicht gibt, nachzulesen in dem Kapitel das es nicht gibt)

      


    21.08.2013, 21:03 von SirMCPedta
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  • 1

    wo ist eigentlich violett?

    21.08.2013, 18:34 von yuhi
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  • 5

    Ich bin ja verschärft misigün oder wie das heißt, aber manchmal möchte ich allen verzweifelten Mädchen da draußen eine lebenslange Lolli-Flat schenken. Jaja.

    21.08.2013, 17:44 von JackBlack
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      Nur so viel: In einer Welt, in der ich Mann wäre, bräuchte niemals ein Mädchen einen Lolli.

      21.08.2013, 18:33 von JackBlack
    • 0

      ich dachte immer schokolade wäre der lolli :D

      21.08.2013, 18:34 von yuhi
    • 1

      In einer Welt, in der ich Mann wäre, bräuchte es keine Schokolade.

      21.08.2013, 18:52 von JackBlack
    • 0

      macho ;) hihi

      21.08.2013, 19:26 von yuhi
    • 2

      Eine der wenigen Sonnenseiten am Männinsein: den Macho kannste dir ungestrafter leisten.

      21.08.2013, 19:41 von JackBlack
    • 1

      Allerdings auch unausgelobter.

      21.08.2013, 19:42 von JackBlack
    • 0

      Ich glaub, ich mach das jetzt hier mal dingfest. Der/die Erste, der/die mich heiraten will, hat mich. (Gropper, lies das! Bitte!)

      21.08.2013, 20:25 von JackBlack
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  • 4

    Trotzdem schöner Text, vor allem das hier:

    Es ist so schwer Dich gehen zu lassen, Dir nicht mehr von den kleinen und großen Dingen in meinem Leben zu erzählen

    21.08.2013, 14:34 von tiefesWasser
    • 1

      Jup. Das ist echt schön. Ich glaub das ist auch mit das wichtigste an einer Freundschaft/Partnerschaft/Beziehung - dass man sich den großen wie den kleinen Scheiss des Alltags erzählen kann...


      21.08.2013, 21:19 von SirMCPedta
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  • 2

    Lass dich das nächste Mal auf nichts Lockeres ein, wenn du was Festes willst, erspart dir viele Taschentücher!
    Man kann ihm ja nicht mal was vorwerfen...

    21.08.2013, 14:33 von tiefesWasser
    • 1

      Wie oft schon habe ich das vorgenommen und dann kam es doch anders.
      Es lässt sich nicht immer steuern. :-)

      21.08.2013, 16:39 von sakuja
    • 2

      Klar, einem verliebten Hirn kann man eigentlich auch nichts vorwerfen, verstehe, was du meinst ;)

      21.08.2013, 17:58 von tiefesWasser
    • 0

      "Lass Dich das nächste Mal auf nichts lockeres ein"

      Lieber was festes? Liebe ist wie Stuhlgang, der feste ist der bessere. Selten kommt die Liebe und sagt: He, ich bin fest. Liebe ist wie Durchfall, s kommt einfach...

      Äh...noch ein paar wertvolle Tipps? Wenn jemand die Treppe heruntergefallen ist, ist der blödeste Tipp: "Fall mal nich die Treppe runter, nä?" 

      21.08.2013, 21:24 von SirMCPedta
    • 0

      Wenn mans vorher nicht weiß, macht das natürlich keinen Sinn, aber in dem Text heißt es ja, dass der Typ die Fronten vorher geklärt hat.

      22.08.2013, 14:25 von tiefesWasser
    • 0

      Klar tut es weh, zu sagen, "pass mal auf, wenn du nur Spaß willst, wird das mit uns nix, ich will nämlich was Ernstes." Aber ich finde, es ist besser, das im verliebten Zustand abzuklären, wenn man noch nicht allzu viel investiert hat, als sich auf ne Beziehung einzulassen und dann richtig derbe Liebeskummer zu haben.

      22.08.2013, 14:30 von tiefesWasser
    • 0

      Irgendwie hat man ja doch einen kleinen Funken Hoffnung so besonders zu sein, dass sich mehr entwickelt..

      22.08.2013, 18:28 von vanillabird
    • 0

      Lass dir von so einem Kerl doch nichts kaputt machen. Irgendwann kommt derjenige, der deine Besonderheit auch erkennt =)

      23.08.2013, 14:17 von tiefesWasser
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  • 5

    Ich frage mich, wozu wir eigentlich eine NSA brauchen.

    Die Totalüberwachung funktioniert ja anscheinend auch so ganz gut.

    21.08.2013, 13:43 von frl_smilla
    • 1

      Ich frag mich grad wozu wir diesen Kommentar so brauchen...

      21.08.2013, 21:50 von SirMCPedta
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    • 0

      mir tut auch schon alles weh !

      21.08.2013, 20:33 von yuhi
  • 1

    Fleicht liest er den/sie den text ja hier und äh dann is deine intention hin?

    21.08.2013, 10:33 von MaasJan
    • 0

      gott, da is ja alles kreuz und quer. liegt bestimmt daran, dass ich beim querlesen nichso aufmerksam war.

      21.08.2013, 10:35 von MaasJan
    • 4

      Tora?

      21.08.2013, 10:39 von quatzat
    • 0

      dennsii

      21.08.2013, 11:21 von MaasJan
    • 2

      wissnjanichwassitun

      21.08.2013, 11:24 von quatzat
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