Fegefeuer 04.05.2009, 23:48 Uhr 17 14

Wenn du mich lieben würdest

Was hast du damals empfunden? Als ich noch in deinen Armen lag? Habe ich dich da schon gelangweilt?

Zärtliche Berührungen, der Schutz den ich nur in deinen Armen spüren kann, deine Liebe, deine Wärme, was ist der Preis? War ich ihn nicht wert?
Stunden habe ich neben dem Hörer gesessen. Auf die Schnur gestarrt. Auf jede einzelne Schlaufe, Windung für Windung.
Nichts. Plärrende, kreischende Ruhe.
Ich will es ja verstehen, es begreifen. Wissen, was die Gedanken des einzigen Menschen sind, der mich kriechen lassen hat, wie ein Wurm. Im Dreck gewunden. Warum?
Für ein -Ich liebe dich-?


Was hast du damals empfunden? Als ich noch in deinen Armen lag? Habe ich dich da schon gelangweilt?
Wusstest du bereits, dass es ein Abschied für immer ist?

Eigentlich sollte ich dir danken. Du hast mich zum dem gemacht, was ich heute bin. Stolz. Mein Kopf hebt sich, mein Blick bleibt stark- keiner stellt sich mir in den Weg. Denn es lässt mich kalt. Alles. Bis er kommt. Der Gedanke an dich. Die Sehnsucht. Und wieder liege ich da, winde mich. Der Dreck droht mich zu ersticken. Zerdrückt, die einst vor Stolz geschwellte Brust. Zerrissen, das Herz in dem du nichts als Leere hinterlassen hast.

Aber ich bin doch dein Blut! Schau in meine Augen und du siehst deine. Stündest du neben mir, niemand könnte es leugnen. Das ich dein Kind bin. Dein Stolz? Deine Liebe?

Ich wär ja schließlich auch kein Junge, hast du gesagt. Da hat man ja nicht so die Bindung, hast du gesagt. Das müsse man doch verstehen, hast du gesagt.

Ich habe es nicht verstanden. Ich war vier!
Mama hat´s auch nicht verstanden. War ratlos. Wie erklärt man seinem Kind, dass der Papi wohl doch nicht mehr kommt? Nicht zum Geburtstag, nicht zu Weihnachten? Nie!

Schlittschuhe hast du mir versprochen, da war ich 5. Es war das letzte, was ich von dir gehört hab. Wo sind sie? Viele Jahre hätte ich sie gebrauchen können. Meine Runden auf dem Eis drehen. Zwischen kleinen Mädchen und ihren stolzen Vätern. Oder hätte ich mir einen Fußball wünschen sollen?

Ich habe Brüder. Hab ich gehört. Liebst du sie, Papa? Die Schweiz ist ja schließlich auch weiter weg. Hast du gesagt. Aber in den Ferien könntest du mich ja mal holen. Hast du gesagt.

Wo warst du? Ich habe gewartet. 4 Stunden lang. Mit meinem Teddy und gepackten Koffern.
Don´t worry, daddy! Mama hat´s gerichtet. Die Tränen getrocknet.

Deinen Stolz und deine Liebe bin ich nicht wert. Das habe ich früh gelernt. Und dein Geld?
Wo war das Geld, als ich den Kühlschrank nicht mehr voll bekam? 13 Jahre Unterhalt. Nicht einen Cent habe ich bekommen. Klage um Klage. Nichts.

Trotzdem war ich dir dankbar. Ohne dich wär ich nicht, wer ich bin. Selbstständig. Schönes Wort, oder? Einen bitteren Preis habe ich gezahlt, um es kennenzulernen. Aber ich war dankbar.

Und dann dieser Brief? 17 Jahre habe ich nichts gehört.
Darmkrebs, hat deine neue Frau gesagt. Nicht mal selbst geschrieben hast du mir. Oder kannst du das schon nicht mehr? Bist du zu schwach?
Was willst du von mir? Den Abschied für immer hatten wir schon. Dafür war dein Tod nicht mehr nötig. Fehlt dir die Absolution um zu gehen?
Sich verabschieden…schreibt deine Frau. Bevor man „Ade“ sagt, kommt ein „Guten Tag“. Hast du das vergessen? Du bist mir fremd. Ein fremder Mann, der einsam stirbt. Doch es lässt mich kalt. Ohne Sehnsucht. Ich fühle mich befreit.

Wenn du mich lieben würdest, wär ich bei dir. Ich hoffe, dass du das weißt.

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17 Antworten

Kommentare

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  • 1

    richtig gut.

    12.04.2013, 20:58 von blindpilotwishes
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    Beruehrend, ehrlich, nachvollziehbar - und so bewegend.

    21.02.2012, 15:09 von baffledQueen
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    vor diesem tag hab ich einen riesen schiss. so wie es ist, ist es gut, man hat keinen kontakt und nach jahrelangem vergebenen warten und unzaehliger enttaeuschter traenen ist das auch absolut in ordnung so, aber ich weiß, dass der sich meldet, wenn gevatter schwarzkutte an die tuer klopft. ich werd nicht hingehen.... aber ich werd auf seinem grab tanzen.... einmal will ich auch die jenige sein, die mit fueßen tritt... ;o)

    21.11.2011, 01:58 von Insomnia291986
    • 1

      Kopf hoch! Ignorieren und einfach besser machen! Solche Menschen braucht man einfach nicht im Leben!


      09.01.2012, 16:50 von Fegefeuer
    • 0

      das sehe ich auch so, nur, ganz so einfach ist das eben nicht, weil gesetzt dem fall, der typ wuerde zum pflegefall und seine angetraute waere finanziell nicht in der lage, die pflegekosten zu tragen, koennten (und nach meiner erfahrung werden) die Behoerden dann an mich und meinen Brueder herantreten und uns gesetzlich zur zumindest teilweisen uebernahme verpflichten. und das seh ich nicht ein, dass ist der einzige punkt, den man noch nicht abhaken kann, und es aergert mich manchmal auch total, wofuer soll ich den denn pflegen, oder dafuer bezahlen? dafuer, dass es den einen scheiß gekuemmert hat, was mit uns ist, ich lag in meinem leben bspw. 5 mal im krankenhaus, davon 2 mal, weil ich seine enkelinnen zur welt gebracht habe, und er war nicht einmal da. auch sonst ja nie.... aber ich hab gelernt, damit zu leben und die frage nach dem warum ad acta zu legen, sowie alle anderen fragen, in dem ich ihm einen "abschließenden brief" geschrieben hab, der i. ü. auch nie beantwortet wurde (obwohl ich ihn unter der bedingung in versand gegeben hatte, dass nur er persoenlich ihn entgegennehmen kann.... die empfangsbestaetigung mit unterschrift hab ich auch noch irgendwo in den alten ramschkisten im keller.... ))naja, auf jeden fall hab ich ihm in 5 seiten geschrieben, was ich denke und meine fragen gestellt, lediglich mit der bitte um kenntnisnahme.... und ihm vorgerechnet, wie viel meiner bisherigen lebenszeit, er tatsaechlich physisch anwesend war und das waren verschwindend geringe 4%. 

      wenn meine tochter, mir das so verdeutlichen wuerde, haett ich ein schlechtes gewissen.... aber vielleicht hat er das ja, keine ahnung, ich kenn ihn ja nicht so gut ;oDDD er hat mir auf jeden fall gezeigt, wie mans nicht macht und meine kinder profitieren davon tag fuer tag, immer dann, wenn "muddi" nicht aufhoeren kann, ihnen zu sagen, wie toll sie sind und wie sehr ich sie lieb hab und es macht mich innerlich einfach nur total gluecklich, wenn dann noch mein mann anruft, der leider auch zeitweilig nicht bei uns sein kann und den kindern sagt, wie sehr er sie vermisst und liebt. ich hab meinen frieden gefunden... ich fands irgendwie beruhigend, mal zu lesen, dass auch andere gezwungen sind, sich mit diesem thema zu befassen, da fuehlt man sich nicht ganz so alleingelassen mit solchen gedanken und ich dachte, ich geb dir das gefuehl zurueck, mit dem signal, dass ich deine emotionen absolut nachvollziehen kann. (blabal...viel zu viel text... ;oD)

      10.01.2012, 22:52 von Insomnia291986
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      In solchen Fällen muss man die Kosten für Pflege von Angehörigen nicht übernehmen.

      12.04.2013, 21:54 von nuehle
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    Nur ein Wort: Gänsehaut

    31.12.2009, 13:29 von gedankenkarussell
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    Nur ein Wort: Gänsehaut

    31.12.2009, 13:28 von gedankenkarussell
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    Ich habe diesen Artikel nun aufgrund einer aktuellen Empfehlung noch einmal durchgelesen. Und wieder denke ich: „Wenn solche Typen wie der Vater genug emotionale Intelligenz hätte zu sehen, was sie mit ihrem Verhalten anrichten ...“. Schade, dass dem nicht so ist. Manchmal sogar katastrophal. Eine traurige Tatsache ist das .... zu der mir nichts konstruktives einfallen mag.

    16.10.2009, 13:00 von Cyro
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    tja, ich kann da leider sehr gut mitfühlen. und ohne taktlos sein zu wollen, aber manchmal wünschte ich, dass dieser brief auch endlich in meinem briefkasten liegt...

    15.05.2009, 09:04 von MoiJey
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    wir haben wohl gemeinsamkeiten.

    07.05.2009, 15:32 von sushi1965
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    gefällt mir

    05.05.2009, 13:57 von Alexiana-original
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