adivinaa 17.02.2015, 14:00 Uhr 0 4

Wenn du das liest, ist es zu spät.

Sie sagen, ich soll dir endlich schreiben, wie es um mich steht.

In Worte fassen, was du mit mir machst. Wie mich deine Nachrichten, oft kürzer als 140 Zeichen, mitten aus dem Leben reißen, von den Beinen holen, durch die Luft wirbeln, atemlos.

Sie sagen, ich hätte nichts zu verlieren. Würde mich besser fühlen, wenn ich mir Luft mache. Wenn ich dir gestehe, wie oft ich noch immer an dich denke, sieben Monate danach. Immer.

Sie sagen, es kann so nicht weitergehen. Dass ich nicht mehr die Alte bin. Meine Leichtigkeit verloren habe, meine klaren Gedanken. Dass ich nicht mehr zuhören kann, nicht mehr da bin. Für niemanden und auch nicht für mich. 

Sie sagen, dass ich feige bin. Mein Herz nicht auf der Zunge trage, weil ich Angst habe, dass es herausfällt. Und dass du drauftrittst.

Ich schreibe das hier für dich, damit du das liest. Weil es nicht in 140 Zeichen passt, was passiert ist. Ich wollte das nicht, wollte dich nicht. Doch irgendwann, zwischen durchquatschten Nächten und durchschlafenen Tagen habe ich mich zu dir hingedreht und mich in dich verliebt. Nicht laut und mit Anlauf. Leise und bestimmt. So natürlich, als würde ich atmen. Mit jedem Atemzug mehr. Mich mit dir füllen, lebendig fühlen. So, wie es sein soll.

Du bist weg, ich weiß. Am anderen Ende der Welt, auch mit deinen Gedanken. Ich weiß nicht, wer neben dir liegt. Wer dich atmet. Ich weiß nichts mehr von dir.

Aber wenn du das liest, dann ist es zu spät. Hier, siehst du, hier liegt mein Herz. Nimm es oder lass es. Kein Herumtänzeln mehr, keine Spielchen. Natürlich ist schon lange nichts mehr natürlich zwischen uns. Das weiß ich jetzt. Sie haben Recht.

Luft anhalten.

Weiteratmen.




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