Wenn die Liebe vergeht
Ein Hauch von Fremde gemischt mit leiser Vertrautheit.
Ich sitze an einem Tisch und lasse von meinem Löffel zwei Zuckerstücke in den Kaffee fallen. Ich stoße sie mit meinem Finger herunter, in ihren Tod, sehe zu wie sie langsam sinken, sich auflösen und kleine und große Blasen aufsteigen. Sie haben keine Chance und wehren sich auch nicht. Die Zuckerstücke erinnern mich an uns. Mutig und voller Hoffnung haben wir uns in die Beziehung gestürzt, sind langsam gesunken und haben uns aufgelöst. Eine Stille erfüllt den Raum. Du sitzt mir gegenüber und streichst mit einem Messer die Butter sanft über dein Brot. Du machst das sehr behutsam, so wie du alles behutsam und leise machst. Wenn ich nicht aufpasse, nehme ich dich gar nicht wahr. Ich will schreien. Deine Lebendigkeit war es, in die ich mich verliebte, jetzt bist du ein Geist. Und wer ich bin, weiß ich nicht mehr. .
Du fährst dir mit deiner Hand durch dein Haar und siehst zu, wie der Regen wild auf der Straße tanzt. Ich sehe uns in Unterwäsche auf dem Balkon hüpfen, ein schöner Moment. Wir waren eins. Ein Gesicht, ein Atemzug, zwei Herzen, untrennbar. Jetzt sitzen wir hier und suchen nach einem Platz, um uns zu ertrinken.
Wir sagen nichts, weil wir nichts zu sagen haben. Das ist schon lange so. Und draußen ist der Himmel grau, so wie unsere Köpfe hier drinnen. Grau, trostlos und leer. Gestern Abend haben wir nicht miteinander geschlafen, so wie unzählige Abende zuvor. Weil ich zu müde und du von der Arbeit schlecht gelaunt warst. Es liegt eine sanfte Unruhe in der Luft, eine unbequeme Stille, ein Hauch von Fremde gemischt mit leiser Vertrautheit. Und ich frage mich ob es sich so anfühlt, wenn die Liebe vergeht.
Ich weiß es nicht und wenn es so ist, dann sag es mir nicht.




Kommentare
kurz und verdammt gut.
23.03.2012, 21:01 von marie-goldgut geschrieben
23.03.2012, 20:51 von jasiiiiifind ich sehr schön! kann ich genau nachvollziehen. auch den letzten Satz, der die Angst vor der Zukunft ausdrückt, finde ich gelungen...
23.03.2012, 20:30 von Joy_Ich will schreien. Deine Lebendigkeit war es, in die ich mich verliebte,
15.03.2012, 00:31 von watedromancejetzt bist du ein Geist. Und wer ich bin, weiß ich nicht mehr. .
wie wahr es sein kann...
..entweder es ist das Ende oder der Anfang [ bezogen auf den Kommentar vorn Sterlinger4ever: 'Fühlt sich nur schlimmer an als es ist, denn nach diesem Tief kommt
07.03.2012, 21:49 von Love.Laugh.Lifemeist das, was man Liebe nennt. Hört sich weniger aufregend an, ist aber
umso schöner und bedeutender.' ]
gut beschrieben und ich konnte mich sehr gut reinfühlen, danke für die zeilen und alles liebe.
Ich kann den Text gut nachvollziehen. Er bringt einfach die Stimmung und alles sehr gut rüber.
07.03.2012, 11:13 von Taneaschön geschrieben. leider zu kurz.
Miza hat alles gesagt!
07.03.2012, 10:45 von SurecampGenau das interessiert mich auch, warum dieser letzte Satz?
Ansonsten hat mir der Text sehr gut gefallem, kurz aber sehr aussagekräftig.Mein Highlight darin ist:
06.03.2012, 21:02 von Mrs.McH
ich glaube, sie will es einfach nicht wissen. sie will kein ende, will nicht, dass es aufhört, dass sich herausstellt, dass "alles umsonst" gewesen ist und dass ihre liebe nun vorbei ist..
07.03.2012, 01:06 von llottiso hätte ich das jetzt nun gedeutet..
Ja, schade. Sie will: Lebenszeitverschwendung...
08.03.2012, 07:06 von Mrs.McH