AliceD 24.06.2012, 16:38 Uhr 6 6

Weil auch meine Socken Löcher haben...

Nichts. Einfach gar nichts. Ich öffne die Augen und schaue ihn an. Das kann nicht sein, denke ich mir. Er ist doch so ein sau-solider Typ...

Nichts. Einfach gar nichts. Ich öffne die Augen und schaue ihn an. Das kann nicht sein, denke ich mir. Er ist doch so ein sau-solider Typ. Diese warmen Augen, dir mir sagen, egal was ist, du kannst mir vertrauen. Diese kantigen Wangenknochen mit dem dunklen Dreitagebart, die mir kratzbürstig ins Ohr flüstern, ich bin dein Mann, ich beschütze dich. Ein Bild von einem Mann, wie aus einer Hugo Boss Werbung geklaut.  Die breiten Schultern und diese Arme, die mich in die Luft heben, als wäre ich eine zarte Feder und keine Moppelfee. Die großen, wunderschönen Hände, dich mich einfach an ihn ziehen, auch wenn ich mal wieder rumbocke und alles schlechte dieser Welt auf ihn schiebe.

„Was ist los?“ fragt er mich in seiner tiefen Stimme, die mir augenblicklich Gänsehaut verpasst. Verdammt, dieser Mann sollte Versicherungen verkaufen. Ich würd sie alle nehmen. Ich würde nicken, lächeln und unterschreiben.

Er drückt mich an seinen muskulösen, perfekten Körper und ich spüre seinen warmen Atem auf meiner Haut. Es kann einfach nicht sein, sage ich mir erneut und küsse ihn. Seine Lippen sind perfekt und er schmeckt wie die frische Sommerbrise einer Kaugummi-Werbung. Von Kopf bis Fuß gephotoshoppt. Er fühlt sich so gut an. Er ist so gut. Er liebt mich. Er will mich. Und ich? Ich spüre nichts. Einfach gar nichts.

„Ich muss nochmal los,“ ich befreie mich aus seiner Umarmung, steife mir die Haare aus dem Gesicht und blicke in seinen enttäuschten Hundeblick.

„Es ist drei Uhr morgens, wo willst du denn jetzt noch hin?“

Ich gebe ihm einen schnellen Abschiedskuss – nein gar nichts, überhaupt nicht. Ich ziehe die Haustür hinter mir zu und weiß, dass er auf mich warten wird.

Ich steige in die Bahn und fahre durch die halbe Stadt. Mit jeder Station, die ich näher komme, muss ich mehr grinsen. Ich steige aus. 3:34 Uhr. Fünfter Stock. Maaaaaaaan. Viel zu viele Treppen um spontan zu sein. Würde er im Erdgeschoß wohnen, hätte ich keine Zeit Zweifel zu bekommen. Würde ich nicht dazu kommen diese Aktion zu durchdenken. Und käme schon gar nicht auf die Idee meinen Verstand einzuschalten. Aber diese Treppen, die scheinen nichts von leidenschaftlichen Bauchentscheidungen zu halten. Kein Wunder dass es bei Disney keine Treppen gibt, und auch Hollywood beschränkt sich auf Fahrstühle. Mit jeder Stufe verschwindet das Grinsen mehr aus meinem Gesicht und wird durch Zweifel, Angst und Unsicherheit ersetzt.

Als ich endlich vor seiner Tür stehe, ist natürlich Mutter Courage völlig verschwunden und ich will eigentlich geradewegs wieder nach unten poltern. Aber meine Raucherlunge verlangt zumindest nach einer kurzen Verschnaufpause. Ich setze mich auf die Treppe und versuche den Kopf frei zukriegen. Und tatsächlich - ich fühle ein großes Nichts. Wenn ich diese Treppen wieder runter gehe, muss ich zurück. Zurück zum zwar perfekten, aber eben zum perfekten Nichts. Keine Schmetterlinge, keine rosarote Zuckerwatte.

Ich stehe auf und drücke den Klingelknopf. Mir wird übel vor Aufregung. Ich bekomme Gänsehaut und vor Angst beginnt sich plötzlich alles an zu drehen. Da geht die Tür auf. Da steht er. Ein großer pummeliger Teddybär. Kleine zugekniffene Augen, ein überhebliches Grinsen. Das T-Shirt zu klein, in der Hand ein Bierflasche. Beschützen müsste wohl eher ich ihn und vertrauen – naja. Männlich? Ja sein Bauch zeugt von literweiser Männlichkeit…

Ich höre stimmen aus dem Off. Er scheint seine Kumpels dazuhaben. Er schaut mich verwundert an und will was sagen. In diesem Augenblick weiß ich wieder genau warum ich hier bin. Ich hab Angst, ich zweifle, ich bin unsicher, aber auch happy, glückselig – ich fühle. Alles. Alles auf einmal, alles durcheinander. Einfach alles.

„Psssssst!“ Ich halte meinen Zeigefinger vor den Mund, nehme seine Hand und ziehe ihn in den Flur. Es lässt es geschehen. Mehr wie ein kleines Kind das sich führen lässt, als ein gestandener Kerl der mich beschützen könnte. Ich blicke ihm in die Augen und küsse ihn.

Alles einfach alles. Kribbeln überall in meinem Körper. Viele kleine Knallerbsen die in mir explodieren. Überall ist rosarote Zuckerwatte. Alles ploppt und knallt, es knistert und knirscht und wird heiß und kalt. Ich kann sein Grinsen spüren. Er zieht mich an sich und ich fühle seinen runden Bauch und die Bierflasche in meinem Rücken. Seine Lippen schmecken nach Bier und Zigaretten. Und es ist einfach alles - alles perfekt!

 

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6 Antworten

Kommentare

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  • 3

    Es ist doch irgendwie schön zu wissen, dass am Ende das Herz gewinnt... :)

    Der letzte Absatz ist große Klasse!

    24.06.2012, 18:47 von red.sheep
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  • 0

    Genau. Male Models sind halt nur hübsche Hohlkörper, ne? 

    24.06.2012, 17:26 von Die.sass.da
    • 0

      Ich bin heute so sexuell angedingst, mir ist alles andere egal ;-) Kann ruhig hohl sein für meinen Bedarf.

      24.06.2012, 17:42 von Mrs.McH
    • 0

      Wenns nur so einfach und er nur ne leere hübsche Hülle wär...

      24.06.2012, 18:53 von AliceD
    • 1

      @ Mrs: Hach ja. Das kenn ich... ;D

      @ Alice: Jep. Is doch klar

      24.06.2012, 22:46 von Die.sass.da
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  • 1

    Nö, ich wär beim ersten geblieben, dem mit dem perfekten Körper.

    24.06.2012, 17:25 von Mrs.McH
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