Sommerabend 30.11.-0001, 00:00 Uhr 45 11

Was, wenn's das war?

Kann eine Beziehung wirklich langsam zu Ende gehen? Wenn der Schmerz über Monate kommt und bleibt.

Wann alles angefangen hat, weiß ich nicht genau. Eigentlich dachte ich, es war in der Zeit, bevor die Zu- und Absagen von den Unis kamen. Angespannt war die Stimmung, täglich begleitet von Zweifeln. Ich habe versucht, ihm Mut zu geben, habe alles optimistisch gesehen – und damit Recht gehabt. Die Zusage zum Studium kam, der Umzug, Semesterbeginn. Alles schien zu klappen und damit stieg meine Hoffnung auf ein entspannteres Zusammensein. Doch es wurde schlimmer. Plötzlich war da der Druck, alles zu schaffen. Er hat einen großen Anspruch an sich selbst; seine Familie blickt zu ihm auf. Da war kein Platz für die Freundin, der Lernstoff musste geschafft werden. Dass wir eine Fernbeziehung schaffen können, haben wir uns schon vorher bewiesen. Ich studierte bereits im dritten Semester, fuhr mindestens alle drei Wochen nach Hause, um ihn sehen zu können. Und auch er stand überraschend vor meiner Tür und zeigte mir seine Sehnsucht.

Das war jetzt anders. Er erteilte mir Besuchsverbot. Erst sollte die Wohnung fertig renoviert sein, außerdem hatte er keine Zeit, weil er soviel lernen musste. So verstrichen die Monate. Tränenreiche Telefonate, tagelange Funkstille und immer wieder das Gefühl: Was passiert hier bloß? Wir sind doch füreinander geschaffen! Es ist kaum möglich, die Situation, die Beziehung in Worte zu fassen. Manche Dinge kann man nur nachempfinden, wenn man sie selbst erlebt hat. Er sagte am Telefon hässliche Dinge, legte immer wieder auf – und kostete mich damit viel Kraft.

Mit der Zeit schlich sich der Gedanke ein, dass es vielleicht doch nicht das Richtige mit ihm war. Phasenweise war ich bereit, die Beziehung zu beenden. Doch ich bin kein Mensch, der schnell aufgibt. Drei Jahre wirft man nicht einfach weg. Und jedes Mal, wenn wir uns dann wiedersahen, schnürte es mir fast die Kehle zu, weil ich merkte: Ich kann ohne diesen Menschen nicht leben. Dann nahte mein Praxissemester und ich zog für fünf Monate in seine Stadt. Ich schob meine Entscheidung, wie es mit uns weiter gehen soll, auf diese Zeit auf, wollte sehen, ob es mit uns klappt, wenn wir uns nur näher sind.

Doch rückblickend war die Zeit erschüttert von vielen Auseinandersetzungen. Nicht bloß kleine Streitigkeiten, sondern heftige Krisen. Irgendwann beging ich den wohl größten Fehler, den man machen kann in einer solchen Situation: Ich wusste mir nicht mehr zu helfen, er ignorierte mich, ich flehte ihn an, mit mir zu sprechen. Ich kam nicht an ihn ran und mein Kopf sagte mir und ihm: Es ist aus.
Diese Worte sprach ich aus, obwohl ich sie nicht richtig fühlte. Ich wollte ihn wachrütteln, ihm klar machen, wie ernst es mit uns ist. Dabei war ich doch immer diejenige, die gesagt hat: Schlussmachen ist kein Spaß, kein Druckmittel. Das macht man einmal und dann war’s das.

Es folgte eine Versöhnung, hunderte Versöhnungen und noch mehr Streit. Mehr und mehr dachten wir beiden an die Trennung, dabei waren unsere Gefühle klar: Wir lieben einander, wollen niemand anderen. Unsere Beziehung war ein ständiges Auf und Ab in den letzten Monaten: Es gab immer wieder tolle Momente, in denen wir einfach glücklich zusammen waren. Doch regelmäßig setzte der Streit ein. Ich kann gar nicht genau sagen, warum. Er ist ein Mensch, der schnell sauer wird und dann einschnappt. Ich bin dafür, Probleme zu besprechen (oder anders gesagt, bis ins Letzte auszudiskutieren), er stellt auf Durchzug und macht dicht.

Schon Dinge wie Zuspätkommen oder am Nachmittag schlafen waren für ihn Anlass, sauer zu sein und mich zu beschimpfen. In solchen Momenten war nicht mit ihm zu reden. Hinterher war er dann ein ganz anderer Mensch, der Mensch, den ich so lieb(t)e. Mit etwas Abstand gewann ich an Stärke, an Überzeugung: Wenn eine Beziehung schon so früh so kompliziert ist, sollte man sich ernsthaft fragen, ob es das richtige ist. Fest stand: Ich war unglücklich mit der Situation, ich wollte eine Veränderung. Ein Beratungsgespräch bei einem Paartherapeuten lehnte er ab.

Vor ein paar Tagen habe ich die Notbremse gezogen. Er war mal wieder sauer aus unerklärlichen Gründen, nörgelte an mir rum und verhielt sich respektlos. Da wusste ich, dass ich gehe. Ich habe ihm gesagt, dass es dieses Mal ernst ist. Ich gehe, und zwar das letzte Mal. Und ich bin gegangen. Ich habe nicht geweint seitdem. Ich denke oft über uns nach, unsere Fotos geben meinem Herzen jedes Mal einen Stich. Ich sehe mich auch nicht als Single, obwohl ich es doch bin. Ich kann mir nicht vorstellen, mich in einen anderen Mann zu verlieben. Gibt es so was? Einen Zustand zwischen „vergeben“ und „Single“? Kann man sich trennen, trotzdem man Liebe füreinander empfindet? Mir fehlt ein greifbarer Maßstab, der mir sagt: Soviel ist in einer Beziehung noch OK und da hört es auf. Ich weiß, dass dieser Maßstab eigentlich unser Bauchgefühl sein soll. Doch das spricht nicht so klar mit mir.

Ich bereue meine Entscheidung nicht, schließlich hat sich über Monate hinweg nichts gebessert. Doch realisiere ich noch nicht klar, was das genau heißt, von ihm getrennt zu sein. Und noch weniger weiß ich, was passiert, wenn er vor mir steht und mir sagt, dass er mich vermisst und mich zurück haben möchte.

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45 Antworten

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    Oh mein Gott. Ich dachte gerade das ist meine Geschichte. Für mich kam aber das schlimmste als er nicht kam und nicht vor mir stand und mir sagte dass er micht vermisst.
    Als ich mir bewußt wurde dass von ihm nichts mehr kommt, begann auch erst der Liebeskummer.

    Wenn der Partner gemein zu einem ist, ist das eine Demütigung, und deshalb sagt einem das gesunde Ich mit dem darfst du nicht mehr zusammen sein...denn wenn er Dich genauso geliebt hätte wie du ihn, hätte er nicht zugelassen dass du unter ihm oder seinen Launen leidest.. Alles Gute und ich wünsche dir eine glückliche Beziehung...

    22.01.2008, 17:37 von Loeffelbiskuit
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    oh mann...mir gehts im mom auch bisschen so. haben sozusagen beide "beschlossen" schluss zu machen..dass das das beste ist. aber jetzt?! ich steh hier und er fehlt mir so. so oft. ist ers vier wochen her das ganze, waren bisschen mehr als zwei jahre zusammen, aber so schlimm wie ich ihn vermiss ist das echt alles ganz schön schwer. weils ihm scheinbar gut geht. das ist das schlimmste. aber ich muss da irgendwie durch. auch wenn ich noch nicht seh wie...

    02.11.2007, 20:27 von finchen86
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    Ich fühle mir aus der Seele gesprochen, habe gerade heute diesen Schritt gewagt, es war auch nur noch Streit vorhanden, und irgendwie merke in mir: " Es hat sich nicht wirklich etwas geändert!" Ich musste gehen sonst wäre es eskaliert einfach komisch kann es nicht beschreiben wie gerne würde ich :(

    28.09.2007, 17:25 von DasWasichBin
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    das klingt nach dem typischen Fall, das er keine Lust hatte, das zu beenden. Männer können da manchmal sehr feige sein. Wollen diesen Part nicht übernehmen oder machen sich keine Gedanken darüber.
    Eine Freudnin von mir hab ich vor einer Woche vom Bahnhof abgeholt. Ihr Freund hat sich getrennt, weil er die Entfernung nicht ertragen hat und es waren nicht mal 200 km...

    18.09.2007, 08:24 von Solevita85
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    Ich habe vor ein paar Tagen auch mit meinem Freund Schluss gemacht, obwohl ich noch sehr starke Gefühle für ihn habe. Aber genau die Respektlosigkeit, entstanden aus seiner Unsicherheit, hat mich fertig gemacht. Irgendwann ist es eine Sache vom Stolz und der Verstand setzt sich immer mehr durch.
    Aber Single fühle ich mich auch noch nicht, zumal ich weiß, dass es ihm auch scheiße damit geht. Aber das reicht nunmal nicht, wenn immer nur der eine investiert. Schade...

    30.08.2007, 17:33 von drops_of_august
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    Du sprichst mir aus der Seele. Das beschreibt fast meine letzten 3 Jahre. Sehr schön und sehr traurig und sehr anstrengend.

    08.08.2007, 12:12 von haasime
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    Ich bin gerade auch in so einer Situation. Wir streiten ständig - wegen Kleinigkeiten die es nicht Wert sind zu streiten. Jedesmal wenn wir streiten muss ich weinen und er versucht mir vorzuspielen, dass es ihn kein bisschen berührt; es ihm egal ist. Wir sind jetzt 1,5 Jahre zusammen und das mit dem Streiten waren immer Phasen die mal Monatelang bleiben und dann ganz verschwunden sind. Letztens haben wir gesagt wir wollen neu anfangen. All die Streitereien vergessen die es bis jetzt zwischen uns gab, und wir wollen uns zusammenreißen. Wenn das nicht hilft, dann...ich wüsste nicht wie ich jemals über ihn hinwegkommen könnte. Dazu bin ich nicht stark genug und ich denke wenns es so weit kommen sollte, dass Schluss ist wird für mich eine Welt zusammenbrechen.

    Ich weis nicht warum es zwischen Menschen die sich lieben zu solchen Auseinandersetzungen kommen kann, aber Hass und Liebe sind sich manchmal näher als man glaubt..ich denke du hast das Richtige gemacht und vielleicht werdet ihr beide mit der Zeit vernünftiger und seht ein, welche Fehler ihr gemacht habt. Und vielleicht führen eure Wege irgendwann wieder zusammen..

    Also große Bewunderung von meiner Seite aus, du bist wirklich stark und ich wünsche dir von ganzem Herzen dass du oder ihr den richtigen Weg findet. Danke für deine Geschichte!

    02.08.2007, 13:00 von Vicarious
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    absolut schoener text mit soviel wahrheit! hab das auch kuerzlich mitgemacht und kommt auch seh nah an das ran was dir passiert ist!

    30.07.2007, 08:28 von n1z3
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    Hey...wie lange ist Eure Trennung jetzt her? und hast Du Kontakt mit ihm? Du hast das, was Du fühlst, ganz schön gut in Worte gefasst... Lieben Gruß!

    26.07.2007, 23:15 von Aloisia
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    oh man! die liebe: eine so schöne sache kann so verdammt wehtun...
    bei deinem text denke ich, du hast mein herz auf den kopierer gelegt.
    wünsche dir viel kraft! hab sie selber leider (noch) nicht...
    lg

    25.07.2007, 21:40 von schneidi0606
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