NieOhne 13.08.2018, 17:24 Uhr 3 5

Was ich nicht weiß...

Wieviel Geheimnis verträgt die Liebe?

Wie geht man in (offenen Beziehungen) eigentlich mit dem Thema „Privatsphäre“ um? Ist es eigentlich okay, nicht alles vom anderen wissen zu wollen, bzw. muss ich alles wissen müssen? Will ich alles wissen, was der andere tut, bei wem er gerade ist, mit wem er gerade einen Kaffee trinkt oder sogar mit wem er schläft?

Man ist gewohnt in Liebesbeziehungen alles miteinander zu teilen, man will alles voneinander wissen, weil man einen faszinierenden Menschen gefunden hat auf dessen Wesensgrund wahre Schätze zu finden sind. So sehe ich es, wenn ich jemanden ins Herz geschlossen habe. Ich möchte wissen, wie es meinem Herz geht, was ihn bewegt und umtreibt. Ich möchte seine Welt durch seine Augen sehen und kann nicht genug davon bekommen, mir inspirierendes aus der Welt des anderen anzuhören. Oh wie glühe ich dafür in Menschen einzutauchen und sie dadurch noch tiefer lieben zu lernen. Ich lasse mich so gern von wilden Seelen verzaubern.

Menschen sind schön. Menschen, die man sich aussucht, weil man zu ihnen eine besondere Verbindung hat, die sich Liebe nennt, sind einmalig. Sie sind Inspirationsquelle, Quelle der Freude und tiefer Erkenntnis für mich. So geht es mir, wenn ich mich verliebe oder auch tiefer lieben darf.

Das Thema Sex klammere ich hier aus, weil das nichts mit Liebe zu tun hat. Wenn sich aber Sex und Liebe überschneiden, feiern die Götter im Himmel ein Fest, so schön ist das.


Stellt euch einmal folgende Situation vor:

Ihr habt jemanden neben eurer Hauptbeziehung lieben gelernt. In euerer Hauptbeziehung gibt es eine sehr klare Vorstellung von Privatsphäre.

Alles was den anderen betrifft ist sein geistiges Eigentum, gehört nur ihm und darf nur angetastet werden, wenn man Erlaubnis dazu hat. Dazu gehört, dass man keine Mails liest, sowieso die Finger von seinen Accounts und seinen Dokumenten lässt und vor allem natürlich, dass man sein Handy liegen lässt. Stellt euch vor ihr habt die Absprache, dass alles was die Beziehung betrifft, unmittelbar kommuniziert wird. Der Rest aber im Ermessen des anderen liegt. Ein Grund etwas zu kommunizieren was die Beziehung betrifft, wäre zum Beispiel Termine mitzuteilen, die in das gemeinsame Leben eingreifen, bzw. sich mit den Plänen des anderen überschneiden. Oder auch, wenn sich da in den Außenkontakten etwas so verändert, dass es die Hauptbeziehung betrifft. Das könnte der Fall sein, wenn sich ein Partner verliebt und sein Außenkontakt doch zu einer Außenbeziehung entwickelt, denn dann hat sie einen anderen Stellenwert als eine Affäre. Und das würde bedeuten, dass dem Einfluss auf euer gemeinsames Zeitkontingent hat, da der Partner mehr Zeit mit seiner Beziehung verbringen möchte. Ob so was wie eine Beziehung neben dem Hauptpartner überhaupt drin ist, muss natürlich geklärt werden. Am besten bevor der Fall eintritt.

Mehr Regeln braucht es daher eigentlich gar nicht was die Offenheit und Transparenz angeht. Ich denke, dass mit zu viel Wissen die Liebe entzaubert und auch zerstört wird. Ich denke, dass man sich in dem Bedürfnis den anderen ganz nah zu haben und schon fast in ihn reinkrabbeln zu wollen, sogar bremsen muss. Ich halte kleine Geheimnisse oder das Aufrechterhalten der Privatsphäre in einer Beziehung, egal welcher Konstellation, für wichtig.

Mein Partner ist autonom, unabhängig, ein Individuum, wie ich auch eines bin. Welches Gesetz der Welt schreibt vor, dass er mir alles zu erzählen hat. Man vergisst das gerade zu Beginn einer Beziehung sehr oft, dass jeder sich selbst gehört und auch die geistige und emotionale Innenwelt nicht teilbar sind. Der andere ist kein Herrschaftsraum, über den ich verfügen kann.

Aber brauchen wir nicht alle Zeichen der Liebe und Verbundenheit, um die es geht, wenn wir offen und ehrlich erzählen, was wir wann und wie tun? Wenn wir unsere Welt mit dem anderen teilen, bis ins kleinste Detail und immerzu erzählen wollen von uns und den anderen einladen uns in diese Welt zu folgen? Wir wollen Beweise, Zeichen, brauchen Marker an denen wir ablesen und vergleichen. Ein irrationales Gefühl soll messbar werden. Soll sich im Außen so manifestieren, dass andere sehen: Wir sind zusammen, wir sind ein Paar.

Aber warum?

Warum wollen wir das? Wenn doch die Liebe frei ist?

Wir bauen zu Beginn der Beziehung so viel Nähe auf durch Kommunikation, dass es uns irgendwann die Liebe kosten könnte, weil wir uns verirren in unserer Liebesbedürftigkeit. Weil wir vergessen, dass der andere eben doch nicht ich selbst bin. Weil der andere eben doch nicht mir gehört. Weil ich die Welt, seine Gedanken und seinen Willen nicht kontrollieren kann. Denn darum geht es, wollen wir alles wissen.

Irgendwann weicht dem freien Interesse das Bedürfnis nach Kontrolle.Oh ja, auch in offenen Beziehungen ist man dem Problem des scheinbaren Kontrollverlustes über den anderen ausgesetzt und muss sich damit wohl oder übel auseinandersetzen. Das ist ein anderes Thema, das wollen wir hier nicht besprechen.

Halten wir also fest, dass das Bedürfnis nach Nähe dazu führt, dass man sich ganz viel voneinander erzählt. Mit der Zeit weicht das Gefühl des Interesses dem Gefühl der Angst. Und das kommt zustande, wenn man vergisst, dass man unabhängig voneinander ist. Und wenn man Angst hat, dass was man da zu haben oder zu besitzen scheint weggehen und enden könnte. Wenn man vergisst, dass man die Liebe nicht festhalten und besitzen kann, wenn man versteht, dass sie stirbt, wenn man sie erdrückt, wenn man alles noch einmal schmerzvoll verstehen muss, was einen eigentlich in dieses offene Lieben hineingeführt hat, dann ja dann hat man doch verstanden, dass es besser ist doch nicht alles wissen zu wollen.


In einem schlauen Film wurde mal gesagt, dass alles was man liebt, freigelassen werden muss, damit es frei sein kann, um aus freien Stücken zurückkommen zu dürfen.

Und daran glaube ich.

Liebe ist ein Kind der Freiheit und nicht der Beherrschung hat schon der gute alte Erich Fromm gesagt.

Also lasst Raum zwischen euch. Und schweigt auch manchmal über Unwichtiges und Kleinigkeiten.

Raum braucht es, um zu wachsen.

Raum braucht es, damit die Liebe atmen kann.


https://amandalears.wordpress.com

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3 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Das Thema "Liebe" ist nicht kaputt zu kriegen :-)


    Liebe ist das eine, Abhaengigkeit oder Hoerigkeit durch die Liebe ist ein Desaster.
    Oft glauben die Liebenden, den Partner dominieren oder erniedrigen zu duerfen.

    Die Idee von dem Raum, den man der Liebe lassen sollte, finde ich akzeptabel.

    Bei mir ist des so, dass ich nur noch Sympathie zulasse.Von Liebe und gegenseitigem Ausfragen halte ich ueberhaupt nichts mehr.

    Nach einer Trennung koennen dann die perversesten Ueberraschungen zu Tage treten.
    Noetigungen und Psychoterror z.B. suchen sich ihren Weg.

    Die beste Loesung ist eine Beziehung, wenn nach dem "Poppen" die Dame wieder nach Hause faehrt :-))

    10.11.2018, 04:16 von Dr_Lapsus
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    14.08.2018, 10:07 von quatzat
    • 0

      Hätt ich jetzt auch so gesagt^^

      14.08.2018, 13:45 von Gluecksaktivistin
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