derbendergeht 20.01.2009, 13:00 Uhr 14 5

Was ich dir noch sagen wollte…

…ich meinte es ernst als ich sagte ich möchte mein ganzes Leben mit dir verbringen.

Kinder, aus dir und mir entstanden, für mich wohl die schönsten und klügsten Menschen der Welt, eine schöne kleine Wohnung mit Dachterrasse, du und ich im Wohnzimmer vor unserem Kamin auf Bärenfell, mit umschlungenen Armen und leiser Musik die Zweisamkeit genießend. Genießen dass da noch jemand ist. Jemand der einen auch ohne Worte versteht, einfach fühlt was man denkt. Ich wollte mit dir noch so oft Lachen, traurig sein, dich trösten von dir getröstet werden zusammen weinen, sei es aus Glück oder aus Schmerz.

Doch jetzt weine ich ganz allein. Ich trauere um dich, um uns und um das was hätte vor uns liegen sollen. Jetzt gibt es keine gemeinsame Zukunft, kein gemeinsam vor dem Kamin liegen, kein gemeinsam durch den herbstlich anmutenden Wald schlendern, kein gemeinsames Aufwachen.

Jetzt ist es Winter, nicht nur draußen, sondern auch tief in meinem Herzen strahlt die pure Kälte, schlängelt sich mit jedem Pulsschlag tiefer und tiefer bis zur kleinsten Pore durch meinen Körper und ich befürchte ich werde erfrieren. Jetzt frage ich mich oft: Wie kann ich dein Herz zurück holen, zurück zu meinem? Zu meinem Herz das keine Energie mehr hat so weiterzuleben. Keine Energie mehr zum tanzen, das war einmal, damals im Sommer. Jetzt sitzt es in der dunkelsten Ecke. Es sitz da, weint, findet den Weg ins Licht nicht mehr. Es braucht Hilfe, die es nicht bekommt. Niemand will es zurückholen, zurück ins Leben. Oh ja es schlägt, es schlägt unaufhörlich, aber ohne ideale, ohne Leidenschaft. Es schlägt weil es schlagen muss, nicht weil es schlagen will. Es ist kalt, eisig kalt.

Jetzt weiß ich, dass ich den wahrscheinlich größten Fehler meines Lebens gemacht habe als ich zuließ, dass wir uns trennen. Der Glaube, dass es bedingt durch die momentane Situation wohl besser für uns beide sei, war wohl das dümmste an was ich je geglaubt habe. Ich habe dir blind vertraut.

Ja, für dich ist alles neu, alles anders, alles so toll und aufregend und deshalb vor allem so einfach mich nicht vermissen zu müssen. Dort wo du hingegangen bist habe ich nie existiert und werde es wohl auch nie können. Ich habe keine Spuren hinterlassen und werde es wohl auch nie können. Dort gibt es kein Lieblingsplatz auf dem Sofa, keine Bettseite, die meine war, kein Bild, was dich an mich erinnert und all das wird es wohl nie geben.

Aber was ist mit mir? Als ich wieder in meine Wohnung kam, musste ich in gefühlte tausend Gesichter von dir schauen, die da an der Wand hingen, in Lebens- oder Überlebensgröße. In das Gesicht einer wunderschönen Frau, mit Lippen die ich zu gerne wieder mit meinen berühren würde. Ich schlief auf der Bettkante, so als würdest du noch im Bett neben mir liegen - du hast ja immer das ganze Bett für dich gebraucht. Ich bin nachts aufgewacht weil ich dachte ich höre dein Zähneknirschen neben mir. Ich träumte in den letzten zwei Monaten jede Nacht von dir und ich mach es noch immer. Aber was bringt es, wenn ich dir das sage, du willst es ja doch nicht wissen, weil es dich nicht mehr interessiert wie es mir ergeht. Kaum zu glauben.

Das hätte ich mir nie gedacht. Ich wollte doch irgendwann mal im Schaukelstuhl neben dir sitzen und über unser schönes perfektes Leben lachen. Ja perfekt, das war es damals mit dir, auch wenn es nicht immer einfach war.

…ich vermisse dich, ich vermisse jede deiner Fasern, jede deiner Launen, jedes deiner Worte, jede deiner Bewegungen und jeden deiner Gedanken. Ich vermisse den Gedanken an meine, an unsere Zukunft.

…am liebsten würde ich dich anrufen, aber ich kann es nicht. Ich schaff es nicht das Telefon in die Hand zu nehmen und deine Nummer zu wählen. Am liebsten würde ich dir diesen Brief schicken aber ich kenn deine Adresse nicht und das ist wohl auch besser so.

Denn was ich dir letztendlich noch sagen wollte…
…tschüss meine Prinzessin. Geh endlich aus meinem Kopf, verschwinde, ich will dich nicht mehr vermissen müssen, ich will dich nicht mehr sehen, nicht mehr sehen in meinen träumen und auch sonst nirgendwo. Ich ertrage es nicht mehr.

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14 Antworten

Kommentare

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    Traurig. Einfach nur Traurig.

    03.07.2010, 11:32 von Laponia
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    treffend geschrieben, ohne zuviel romantik, am ende sehr realistisch. das geht mir nah.

    24.06.2010, 18:54 von hasenmuutz
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    sehr bewegend und wunderschön in worte gefasst!

    21.06.2010, 12:17 von pixelatedbird
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    Etwas schöne Romantik, vielleicht etwas zu viel für die Realität in der wir leben.

    01.05.2010, 11:04 von elle.
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    sehr schön geschrieben - Wow!

    21.02.2010, 15:06 von MrsSunny
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    natalie merchant- my skin im hintergrund... wie ein filmausschnitt. wie ein filmausschnitt aus dem leben des derbendergeht oder eben wie meines, deinesunser aller leben eben...

    09.07.2009, 21:42 von eela
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      @[Benutzer gelöscht] danke...ich gab mein bestes ;)

      09.05.2009, 18:47 von derbendergeht
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    schöööööööön!

    25.04.2009, 18:41 von benedictsmutter
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