Was es ist
Es ist nichts Ganzes und nichts Halbes. Einfach nichts.
Du gehst im Parkhaus neben mir her. Ich neben dir. Du denkst, wir seien Freunde. Ich lasse dich in dem Glauben. Weiß ich es doch selbst nicht besser. Was wir wirklich sind, das weiß auch ich nicht. In meinem Kopf male ich mir aus, wie ich dich an die Wand nagele. Gleichzeitig möchte ein Teil von mir von dir an der Wand genagelt werden. Als ich vor dir die Treppe hochgehe, spüre ich deinen Blick geradezu auf meinen schlanken Beinen, die in der Strumpfhose stecken, auf meinem Hintern, den du so oft mit deinen Händen gepackt hast. Es gibt keine Stelle meines Körpers, die du nicht kennst. Im Kino schmecke ich die Schärfe der Nachos auf meiner Zunge. Auf meinen Lippen. Fahre langsam mit der Zungenspitze über meine Lippen. Aus dem Augenwinkel kann ich erkennen, dass du mich begierig beobachtest. Innerlich lächle ich und freue mich über meinen Triumph. Ich weiß, dass du mich jetzt gerade willst. Aber eben nur jetzt gerade.
Du hast mich verändert. Hast mein Leben verändert. Aber nicht auf eine dieser„Oh-Gott-ich-kann-ohne-dich-nicht-mehr-leben“-Weisen. Sondern auf eine düstere und rekapitulierende Weise. Ich bin anders. Ich bin nicht mehr die, die ich einmal war. Ich habe von dir gelernt, einzufordern, was ich haben möchte. Also nehme ich es mir. Manches Mal auch ohne Rücksicht auf Verluste. Dich will ich nicht. Nicht mehr. Und dennoch komme ich nicht los von dir. Du willst mich nicht. Hast mich wahrscheinlich nie gewollt.
Was du dann willst, weiß ich nicht. Was es ist, weiß ich auch nicht.
Und ich will keinen Herz-Schmerz-Text schreiben. Ich vergieße keine Tränen mehr. Nicht deinetwegen. Ich stelle mir nicht mehr vor, was wäre, wenn. Weil ich dich gar nicht will.Ich rede mir ein, dass es Freundschaft ist. Du sagst Sätze wie „Wir sind doch Freunde...“- Das nehme ich so hin und glaube selbst daran.
Ich stürze mich in stickige Nächte und flüchte in viel zu enge Clubs. Suche nach etwas und weiß doch nicht was, will dich abstreifen wie die am nächsten Morgen nach Rauch, Schweiß und Lust stinkende Kleidung. Tanze mir die Seele aus dem Leib, verschenke mehr Lächeln und reizende Augenaufschläge, als ich habe. Spüre gierige Blicke auf meinem Arsch. Wieder lächle ich innerlich und feiere meinen Triumph, der aber nur von kurzer Dauer ist. Suche nach Bestätigung und wenn ich sie dann gefunden habe, bin ich noch immer nicht zufrieden. Schmecke fremde Lippen auf den meinen, spüre fremde Hände auf meiner Haut, auf meinem Körper. Sogar ich selbst fühle mich fremd an. Und irgendwo in der hintersten Ecke bist immer noch du. Du, der mich verwirrt. Dabei will ich dich gar nicht. Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Einfach nichts.
Aber was mich verstört, bist nicht du. Was mich verändert und geprägt hat, warst nicht du. Was mich noch immer leiden lässt, bist auch nicht du. Sondern schlichtweg die Tatsache, mein Herz verschenkt, ja sogar verloren zu haben und so sehr verletzt worden zu sein. Ich bin es leid, mich eigens zu deinem Opfer und mein Glück von dir abhängig zu machen. Also tanze ich weiter durch die Nächte, atme Rauch und Schweiß, schwitze Angst und Blut, küsse fremde Münder, die so viel besser schmecken als deiner und hoffe auf die Bekanntschaft, die mich das Vergangene vergessen lässt.






Kommentare
'' Ich-kenne-das-Atmer'' kenne ich auch!
14.02.2012, 16:19 von vexierbildIch hatte gerade so einen Ich-kenne-das-Atmer...stimmt alles.. mal wieder
02.02.2012, 23:48 von WeCouldBePerfectwahr...
16.01.2012, 03:02 von DieSelbstvertreterinUnfassbar war und auf den Punkt gebracht.
wow, erinnert mich unglaublich an meine situation, vor allem dort wo du es so beschreibst: ''
Aber was mich verstört, bist nicht du. Was mich verändert und geprägt hat, warst nicht du. Was mich immer noch leiden lässt, bist auch nicht du. Sondern schlichtweg die Tatsache, mein Herz verschenkt, ja sogar verloren zu haben und so sehr verletzt worden zu sein. Ich bin es leid, mich eigens zu deinem Opfer zu machen und mein Glück von dir abhängig zu machen.'' genau so, und nicht anders :)
Wirklich toll!
15.01.2012, 23:10 von ScharlachrotDankeschön.
16.01.2012, 17:47 von NeverGrowUpPasst ja zu der neuen Ausgabe...
13.01.2012, 19:36 von prucelieseNur habe ich den Text geschrieben, als ich noch gar nicht wissen konnte, was in der neuen Ausgabe steht. :)
14.01.2012, 09:01 von NeverGrowUpWow! Toller Text =)
13.01.2012, 16:42 von LuftundLiebe1305"Du willst mich nicht. Hast mich wahrscheinlich nie gewollt." Ich kenne das Gefühl und der Text spricht mir aus der Seele aber zu spekulieren ist wahrscheinlich ein Fehler den Frauen machen. Und ich sage bewusst Frauen weil ich glaube, dass Männer das einfach nicht tun, sich über Dinge Gedanken zu machen, die sie nicht wissen (können). (Ich hoffe jetzt mal, dass ich nicht ins Fettnäpfchen getreten bin und es um eine Frau geht aber es klingt für mich so vertraut männlich) Ich weiß auch nicht genau, was man daraus folgern kann aber vielleicht muss man einfach sehen, dass es grundlegende Unterschiede im Denken von Männern und Frauen gibt, die weder die einen noch die anderen verstehen können. Deshalb ist Ehrlichkeit meistens am effektivsten.
11.01.2012, 19:17 von marxgeliebteIch hab in den letzten Wochen wirklich gemerkt, dass Männer sehr gut im Verdrängen und Einreden sind. Es ist immer besser sich einzureden "man wollte es sowieso nicht". Let´s try...
11.01.2012, 23:50 von ThuyUnbestritten gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
Definitiv NICHT dazu gehören aber: sich Gedanken machen, Kopfkino, Filme zu fahren, etc.
Das beschreibt eher ziemlich klar den Unterschied zwischen Mensch und Tier.
Paul Wazlawick hat sein Buch "Anleitung zum Unglücklichsein" ganz bestimmt nicht nur für Frauen geschrieben.
13.01.2012, 20:57 von LudwigMartinQuote worthy...
11.01.2012, 06:42 von Effie.Says.So