Wollsocken 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 1

Was bin ich nur für ein Mensch?

Ich bin kalt und gemein zu dir und selbst dies zu bereuen, fällt mir schwer.

Wir waren das Beste, was ich je hatte. Das, wovon ich zu träumen gewagt hatte, was ich dachte, dass mir zu steht und eines fernen Tages bekommen würde. Die große Liebe, das große Vertrauen, das große Glück. Und alles kam so früh.

Gerade noch in der Schule, in derselben Klasse lernten wir uns kennen.
Wie ein kitschiger Teenie-Roman. Unfassbar und wunderschön, aber nicht kitschig, weil real.
Meine Gefühle für dich, absolut real. Anfängliche Zweifel wurden abgeschmettert durch die Erfahrungen mit dir und als ich dich besser und besser kennenlernte und dich doch nie ganz kannte. Ich bewunderte dich für deine Intelligenz, deine Schlagfertigkeit und deine Eigenheit. Obwohl wir wie beste Freunde waren, bliebst du doch immer ein Mysterium für mich, unendlich.

In unserer Beziehung waren wir gleichwertig. Du trugst mich nicht auf deinen Händen, denn wir waren auf einer Augenhöhe. Ein perfektes Team in jeder Sichtweise.
Es lief so perfekt, es machte mir Angst.

Ich wollte nie so eine lange Beziehung. Schon gar nicht so früh. Ich war der Mensch für Liebesabenteuer und einige Dummheiten und ich dachte immer, wenn ich erst so alt wäre, wie jetzt, würde meine Zeit der Eskapaden so richtig beginnen.
Doch du entferntest mich von dem Gedanken. Du liebtest mich mit jeder Faser deines Körpers. Du hast mir so gut getan und mich so glücklich gemacht, dass ich nichts anderes mehr brauchte. Denn du warst alles, zu jeder Minute und Stunde des Tages, unnachgiebig. Und willst das auch noch heute alles für mich sein.

Ich dagegen, kann nicht mehr. Ich fühle mich leer, ausgeschöpft, ausgeliebt. Ich kann nicht mehr von dir geliebt werden und will nicht mehr lieben. Nach 2 Jahren ist kein Tropfen der Leidenschaft mehr übrig, nur noch Reste. Unsere Beziehung ist nach außen noch die Gleiche, doch auf meiner Seite ist sie ausgehöhlt. Ich spiele nur noch ein Spiel, dass ich auswendig gelernt habe, denn aufzuhören, wäre fatal.
Du bist für mich nicht mehr unfassbar. Ich glaube, dich zu kennen und bin gelangweilt. Jedes deiner Worte ist für mich vorhersehbar und jeden deiner Schritte, will ich kritisieren und verändern.

Doch es gibt keinen Grund. Du bist noch derselbe, in den ich so unsterblich verliebt war. Hast dich nicht verändert, hast mir nie etwas getan und das würdest du auch nie. Wie immer, bist
du zu gut für mich.

Doch ich kann nicht mehr. Meine Boshaftigkeit bricht aus mir heraus. Ich bin kalt und gemein zu dir und selbst dies zu bereuen, fällt mir schwer. Der einzige Grund, warum ich weine, ist der Schrecken vor der Leere in mir, so ohne Hoffnung und Trauer, denn wirklich leid, tut es mir nicht. Es scheint mir grausam, aber was vorher unvorstellbar für mich war, scheint mir nun unausweichlich. Und es gibt keinen Grund, außer den, dass ich ein Monster bin.

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