.RehLein. 01.09.2012, 22:01 Uhr 114 76

Warum ich dich liebe

Nackt stehe ich vor dir. Ich selbst. Ohne jede aufreizende Geste, ohne jedes gefällige Lächeln.

Das Stroboskoplicht verwandelt die Tanzfläche in einen Hexenkessel aus zuckenden Gliedmaßen.Selbst die Mädels, die nur von einem Fuß auf den anderen treten, sehen jetzt aus, als würden sie tatsächlich tanzen. Alkohol zirkuliert in meinen Adern und beschleunigt das Gedankenkarussell in meinem Kopf. Es ist heiß. Mein Kleid klebt am Rücken und Schweiß rinnt von meinen Schläfen, den Hals hinunter zwischen meine Brüste. Mein Körper bewegt sich zum Takt aus den Boxen und vibriert vom Bass. Der Rock rutscht immer wieder nach oben, und obwohl ich weiß, dass man inzwischen meinen Arsch sehen kann, lasse ich ihn wo er ist.
SEHT MICH AN!
Manchmal genieße ich das Starren und das Raunen. Lasse mir einen Drink ausgeben, lache keck. Fühle mich lebendig. Eine Spinne unter Glas.

Danach kehre ich zu dir zurück.
Lasse mit den Pumps all die anderen vor der Tür zurück.Streife mit dem Minikleid auch all die anzüglichen Blicke und betrunkenen Komplimente ab. Wische mit dem Make-Up all die zufälligen, fremden Berührungen des Abends weg.
Nackt stehe ich vor dir. Ich selbst. Ohne jede aufreizende Geste, ohne jedes gefällige Lächeln.
Die Gedanken hören auf, sich pausenlos um sich selbst zu drehen.
Dein Blick flüstert mir zu, dass ich schön bin.
Und wenn ich mich dann neben dich lege. Meinen Kopf auf deiner Brust und deinen Herzschlag im Ohr.

Dann fühle ich mich lebendiger.

76

Diesen Text mochten auch

114 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Ich mag den Anfang, wie du den Club beschreibst, und wie du tanzt, da könntest ruhig noch mehr auf die Kacke hauen, find ich. Also... beschreibungstechnisch. ;) Mehr Details und so. Was noch so für Leute da rumkreuchen und -fleuchen zum Beispiel. Und: was für Musik läuft. :) Aber ich bin auch eine kleine Detailfetischistin.
    Das Bild mit der Spinne find ich dann irgendwie komisch und schief.
    Und der Blick von dem Freund am Schluss könnte ein bisschen was tiefgründigeres flüstern, als dass die Erzählerin schön ist. Das hat sie schließlich schon den ganzen Abend mehr oder weniger laut in ihr Ohr geschrien/gelallt gekriegt, oder?

    30.09.2012, 20:00 von Jungle_Julia
    • Kommentar schreiben
  • 0

    kurz ung gut .. schöner Text

     solange sie nur tanzt , ist die Beziehung intakt .. das sollte die Beziehung auch aushalten ...
    und sie kehrt bewusst zurück zu dem , was ihr wichtig ist ... Geborgenheit und Vertautheit ... bleibt zu hoffen , das sie das nicht vergisst ...

    30.09.2012, 19:07 von dirkbeineon
    • Kommentar schreiben
  • 4

    leben und leben lassen, Leute.
    Ich denke, worauf es der Autorin ankam, war dieses Gefühl von Sich-Ausleben, ein bisschen Egoismus und Freiheitsdrang zu beschreiben und im Gegensatz dazu das tiefe, in sich ruhende Gefühl von Liebe und Verständnis.

    Und DAS finde ich, ist super gelungen. In mir hat es dieses Gefühl geweckt, auch wie Stovie sagt, die Zerbrechlichkeit gezeigt.

    Und die Geschichte drumrum muss NICHT immer bemängelt und kritisiert werden. Das vebuch' ich künstlerische Freiheit.

    Aber der Konter von justanotherpicture war ja auch auf poetischer Ebene geführt - Hut ab!

    13.09.2012, 13:21 von mellilou
    • Kommentar schreiben
  • 2

    Wunderbar. Das nenne ich Liebe. 

    08.09.2012, 18:49 von thevagabond
    • Kommentar schreiben
  • 1

    "Selbst die Mädels, die nur von einem Fuß auf den anderen treten, sehen jetzt aus, als würden sie tatsächlich tanzen."  Wunderbar :D

    07.09.2012, 14:11 von HazelEyes
    • Kommentar schreiben
  • 0

    das beschreibt meine situation perfekt! :)
    danke

    06.09.2012, 05:20 von snaty
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 1

    "...
     und obwohl ich weiß, dass man inzwischen meinen Arsch sehen kann, lasse ich ihn wo er ist."


    Was will man auch sonst tun? 
    (Sorry, ich musste den Satz zweimal lesen :D! Natürlich weiß ich wie es wirklich gemeint ist!)

    04.09.2012, 21:42 von independentdreamer
    • Kommentar schreiben
  • 2

    Genauso isses. Klasse Geschichte.

    04.09.2012, 20:02 von LupinaThirteen
    • Kommentar schreiben
  • 5

    ich wär so gern ne tussi, doch bald schon bin ich dick. also kleiner junge, nimm mich heut noch schnell mal mit.

    04.09.2012, 18:22 von Boahmaschine
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2
  • Durchs Wochenende mit Lena Steeg

    Und, wie war dein Wochenende so? Jede Woche fotografiert ein NEON-Redakteur sein Wochenende mit dem Handy. Diesmal: Textredakteurin Lena Steeg.

  • Platzverweis

    Um den perfekten Kinositzplatz wird gestritten, seit es das Kino gibt. Das ist jetzt vorbei. Die Tipps aus dem August-Heft nun auch im Blog.

  • Links der Woche #25

    diesmal u.a. mit den Kid-Emmy-Awards 2014, einem Podcast zum Einschlafen und Hunden, die ihre Herrchen drücken.

Neu: NEON für dein iPad!

Neueste Artikel-Kommentare