HerrSchnabulak 30.11.-0001, 00:00 Uhr 5 2

Warum bin ICH Single? - Ein Erläuterungsversuch.

Eine Erläuterung der Selbsttherapie.

Dieser Text ist für Dich. Ja, genau Dich. Du, der Du Dir die Zeit nahmst die Zeilen einer gedanklichen Selbstbemitleidung zu lesen und dies aktiv oder passiv analysierst, interpretierst und schließlich kommentierst.

Du hast die Frage gelesen, warum DU Single bist und hast eine Antwort erwartet. Sonst hättest Du nicht weiter gelesen. Dir nicht die Zeit genommen in dieser ach so schnellen Welt, die eigentlich doch noch die selbe ist, die sie immer war, die Worte eines mehr oder weniger Unbekannten zu lesen. Wie ich, stellst auch Du Dir die Frage: „Warum bin ICH Single?“ Und wie ich, warst Du erstaunt, enttäuscht, überrascht, bestätigt, verletzt, gekränkt oder resigniert, dass ich die Antwort darauf gab. Und auch wieder nicht.

Du hältst Dich selbst für Adam oder meinst Eva zu sein. Gedanklich spieltest Du die beschriebenen, abgedroschen und doch so präzisen Situationen durch, um festzustellen, dass Du selbst mehr oder weniger bereits in diesen warst. Die Tatsache, dass Klarheit in diesem Augenblick aufflammte, ließ Dich zum Feuerteufel oder Feuerwehrmann werden. Und manchmal hattest Du das Bedürfnis dich daraufhin mitzuteilen.

Ich möchte Dir (m)eine Antwort geben, die ohne Frage nur eine von vielen sein mag und lediglich (m)einen Vorschlag als Sicht auf die Dinge darstellt. Ich versuche keine Deiner Fragen, Argumente, Anekdoten, Beleidigungen, Bestätigungen und Widersprüche zu vergessen, denn wie auch immer Deine Reaktion aussah, hast Du, denke ich, eine Antwort von meiner Seite verdient. Ob Du diese liest oder gar erneut reagierst, liegt an Dir.

„Warum bin ICH Single?“ - Diese Frage trieb mich, wie es Dir vielleicht erschien, zu einem schlechten Frauenbild. Ich blickte mit einer vermeintlichen Arroganz als Diamant in dieser Welt voller Klosteine vom Thron der Überheblichkeit herab, und baute dabei vielleicht nur selbst eine starke Mauer aus gedanklichen Felsen um mich auf. Tat ich dies? Vielleicht. Diese Antwort ist kurz, treffend, aber nicht sehr präzise.. Ich bitte um Nachsicht.

Ich versuche eine bessere zu geben, für die ich zuvor etwas ausholen muss:
Noch heute kann ich mich an eine Situation im Deutschunterricht erinnern, in der es um die Interpretation des Gedichtes „Prometheus“ ging. Man mag mir diese gedankliche Abschweifung verzeihen, doch ich hoffe, sie wird helfen, das darauf Folgende besser verständlich zu machen. Denn Kommunikation ist alles andere als eindeutig und gerade die geschriebene, einseitige, auf der der Empfänger den Sender in keiner Weise im Augenblick der Rezeption in irgendeiner Form greifen kann, verleitet zu manch falscher Schlussfolgerung.
„Was will uns der Dichter damit sagen?“ - Ein Satz, der wie einer Fehler in der Matrix sich ein jedes Mal wiederholte und einen Abgleich mit den bereits vorgegebenen, dem Gefragten noch unbekannten Vorlagen im Deutschunterricht einleiten sollte. Ich hasste diese Frage - wobei mir klar ist, welch starke Emotion ich zur Beschreibung meiner damaligen Gefühlslage nutze - denn oft, so bin ich mir sicher, wollte der Dichter nicht jedermann, geschweige denn uns, die, die wir ihm nie begegnet sind, etwas konkretes damit vermitteln. Er betrieb keine Konversation mit uns. Und manchmal vielleicht sogar nur mit sich selbst. Eine selbstbemitleidende Selbsttherapie? Ich weiß es nicht.
Was wollte Goethe uns mit Prometheus sagen? Nun, im Gegensatz zur Vorlage meiner damaligen Lehrerin, auf die didaktisch korrekt hingeführt werden sollte, hatte ich eine in sich geschlossene andere Antwort. Ein langes Vorspiel, um eine ernüchternde, knappe Pointe zu setzen. Aber sie ist der perfekte Übergang zu meiner Antwort auf das von Dir Geschriebene und Gesagte.

Was wollte ich also mit dem diesen vorhergehenden Text sagen? Nun, ich saß hier, formte Gedanken nach meinem Bilde. Ein Konstrukt, das mir gleich war, zu leiden, weinen, genießen und zu freuen sich. Die Frage, was ich mit dem vorhergehenden Text sagen wollte, wurde in diesem klar beantwortet. Für mich, denn ich schrieb es für den Steppenwolf und nicht für jedermann.

Doch wir wissen beide, dass Du es warst, der sich die Zeit nahm das Gesamte zu lesen. Und Du bildeste Dir eine Meinung. Versuchtest, bewusst oder nicht, zu verstehen, was ich mit dem Geschriebenen sagen wollte und hast dein Ergebnis möglicherweise in irgend einer Art kund getan. Dabei ist, wie schon mehrfach betont, die Kommunikation auf diese Weise keinesfalls einfach. Wortverpflechtungen sind keinesfalls feste Bedeutungskonstrukte und wir alle verstehen die einfachsten Dingen möglicherweise auf die unterschiedlichsten Arten. Unsere Informationen über den Gegenüber, unsere Erfahrungen, unsere Emotionen und manchmal auch unserer Alkoholpegel verleiten uns zu den paradoxesten Deutungen, wobei auch ich mich ohne Frage nicht davon frei sprechen kann. Die Gesetze der Semiotik sind unumgehbar, was mich zu einigen Versuchen der Klarstellung treibt.

Nachdem dieses ermüdende Vorspiel nun geschafft wurde, schulde ich noch immer eine Antwort. Eine selbstbemitleidende Selbsttherapie nannte ich das Konstrukt, das den Eindruck erwecken könnte, dass ich es mir leicht machen würde, die Schuld in eigenen stereotypischen Phrasen bei jedem anderen zu suchen, nur nicht bei mir. Mmh. Ich gebe zu, es ist immer leichter den Finger von sich zu strecken und auf die Fehler anderer zu deuten. Es ist immer angenehmer, die eigene Selbstkritik zurückzuhalten und auf andere Baustellen hinzuweisen. Doch dies ist sicherlich nicht Ziel der Selbsttherapie gewesen. Ich bin mir meiner eigenen Baustellen bewusst und sei Dir sicher, ich versuche jeden Tag aufs neue an diesen zu arbeiten. Es war keine Ablenkung von dem einen, sondern lediglich die Fokussierung auf etwas anderes. Wenn Du also voller Verbitterung mit faulen Äpfeln auf den selbsternannten Adel werfen wolltest, so sei gewiss, dass es kein Thron, sondern lediglich ein alter Holzstuhl ist, auf dem ich Platz nahm.

Oder Du hast Dich wiedergefunden und vor ähnlichen Problemen stehen gesehen. Du fühlst Dich an manchen Tagen wie das traurigste kleine Mädchen auf dieser Welt. Dabei bist du möglicherweise sogar ein Junge. Du bist Adam oder Eva – zumindest ein Teil von Dir. Doch Du selbst lässt diesen Teil nur selten heraus. Du hast Angst erneut verletzt zu werden, so wie mit hoher Wahrscheinlichkeit Dein Gegenüber auch. Es fällt Dir schwer damit ehrlich umzugehen, wie so oft auch Dein Gegenüber, und Du weißt selbst, dass damit das Ende dem Anfang vorweggenommen wird. Mit jedem Tag nehmen wir uns selbst die Offenheit vom Gegenüber möglicherweise verletzt zu werden. Lassen uns prägen von dem, was wir erlebten und erklären die Fehler, die wir mit völliger Klarheit begehen, mit Erfahrungen und Verletzungen der Vergangenheit. Wir erklären unser Verhalten mit der Angst Vergangenes erneut zu durchleben und vergessen dabei, dass wir all zu schnell Gefahr laufen zu dem zu werden, wovor wir uns fürchten. Warum bist du Single? Vielleicht weil Dir der Mut fehlt.
Ein jeder hat es selbst in der Hand des Quäntchen Courage zu beweisen ein wenig mehr Offenheit dem Gegenüber entgegenzubringen und uns diese damit gleichsam zu verdienen.

Homo homini lupus? Oder hatte doch eher Satir Recht? Eine Entscheidung, die ich keinesfalls zu fällen fähig bin und somit war der vorhergehende Text weder die Absolutierung der Allgemeinheit noch ein Freispruch für jeden Y-Chromosomträger. Doch wenn nur ein einziger von Dir dort draußen einen Moment in sich kehrte und bereit ist etwas mehr Offenheit seinem Gegenüber zu schenken, so bin ich mir sicher, dass die Gesetze der Reziprozität auch dieses Mal Erfüllung finden. Ein Potlatsch der Offenheit an dessen Ende wir möglicherweise nicht länger als nötig Single sind.

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5 Antworten

Kommentare

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    Jetzt habe ich ein bisschen Angst vor meinem neuen Singleleben. Dabei fühlt es sich gerade so gut an.

    05.09.2009, 17:16 von zitronenfalter84
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      @zitronenfalter84 Mir gehts genauso.

      25.09.2009, 11:29 von SchmatzeKatze
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      @KingKonschdi besser kann ichs nicht ausdrücken :D

      23.08.2009, 02:45 von mischelle
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