laphz 14.03.2010, 17:26 Uhr 2 3

Wäre es rosa Wasserfarbe

Dann würde das Feuer an meinen Fingern, dann würden die Tränen im Gesicht nicht brennen.

"…Liebe gehört den Egoisten. Menschen werden besitzergreifend, wenn sie lieben, sie nennen einander „Mein Schatz“ oder „Mein Liebling“, „Mein Ein und Alles“…“
Den Text, den du einmal in einer grauen Nacht geschrieben hast, als seichter Jazz über die Straßen floss, halte ich jetzt hier und zünde ihn an.

Du weißt nicht, ob du an die Liebe glauben sollst, sie ist dir zu abstrakt.
Zumindest die, die auf den Straßen zu sehen ist- zwischen den Heuchlern und Blinden.
Ich weiß nicht, wo die Worte sind, wenn wir reden und wenn du mich anlächelst, möchte ich nicht zurücklächeln, sondern weglaufen, zusammen mit dem tonnenschweren Packet, das ich irgendwo in meiner Herzgegend herumtrage.
Da! Die verloren gegangen Worte platzen aus der gut verriegelten Kiste, auf der dein Name steht. Die Worte sind da, aber nur dann, wenn du nicht in der Nähe bist.
Jahre flüsternde Liebe, leise und davongeweht.

Das Feuerzeug braucht ein paar Anläufe bis es funktioniert.
Das Feuer umzüngelt die Zeilen, die Teile, die ich nicht mochte, obwohl sie wahr scheinen.
Doch immer muss ich an die Nacht denken, in der du vorlast, mit einer Flasche Rotwein in der Hand, wie du sagtest, flüssiger Liebe.

„Ich weiß nicht, was Liebe ist, aber wenn es sie gibt, dann würde ich sie wahrscheinlich lieben, ja.“
Gequält lächle ich, nicke und hauche, weil ich nicht lauter kann: „Bestimmt.“
Du redest von deiner Freundin- sie ist anders als ich, ganz anders.
Es gibt keinen Vergleich. Mir ist so schwindelig.
Als ich 7 war und die anderen Kinder die Drehplatte immer schneller werden ließen und ich wegflog, war mir auch schwindelig. Doch der Schwindel ist anders und schlimmer als damals.
Früher landete ich auf Gras. Und jetzt?
Kein Boden und kein Ende- haltlos falle ich.

Nicht dein Aussehen oder deine künstlerische Begabung machten es aus.
Eher schlich sich die Sehnsucht an, als wir über deine dummen Witze lachten und Sätze ohne Sinn erfanden. Als ich mit dir die neue Sicht auf die Dinge sah, sowie deine Kreation namens Spiegelei- Nutella- Brot austestete. Die Sehnsucht war höflich, denn sie wartete, lange und schweigend.

Zeile um Zeile verschwindet und immer mehr auch du. Ich bin mir gar nicht mehr sicher. Ich stehe zwischen zwei Stühlen.

Manchmal sitze ich da, gucke aus dem Fenster und könnte die Vögel dort draußen alle abschießen.
Manchmal liege ich im Bett und schreibe über dich und dein Grübchen rechts neben dem Kinn…Ich hoffe, du liest niemals etwas davon.

Wir brauchen einander.
Dein Name steht in meinen Gedanken und er ist nicht mit leichten Pinselstrichen geschrieben, nein er sitzt viel zu tief.
Wäre er mit rosa Wasserfarbe hingemalt, dann würde das Feuer an meinen Fingern, dann würden die Tränen im Gesicht nicht brennen.
Wobei Letzteres soviel schlimmer ist, weil der Scherz nicht mit kaltem Wasser weggeht.

Das Papier ist jetzt fast ganz abgebrannt und meine Fingerkuppen werden allmählich schwarz. Ein Ruck!
Ich laufe. Ich lasse Wasser über die Hände laufen. Ein Fetzen ist noch übrig.
„Alles“ steht da, das „s“ ist nur halb drauf.
Das Stückchen stecke ich unter mein Kopfkissen.
Ich kann noch nicht loslassen, ich kann nicht lassen.
Du bist mein bester Freund, nur eben „alles“…

3

Diesen Text mochten auch

2 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    das, was es so intensiv wirken lässt, ist die zeitdehnung und alles das, an was du denkst, während du es verbrennst...

    ich mag das, wie du das während des Vernichtungsvorgangs alles noch mal so reflektierst.
    und dir ein wort behältst.

    31.03.2010, 01:11 von saruschel
    • Kommentar schreiben
  • 0

    finde ich sehr gelungen!

    15.03.2010, 23:13 von Kirschbaumfee
    • Kommentar schreiben

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
14. Mai 2012

NEON-Apps für iOS und Android

Neueste Artikel-Kommentare