wendydarling 12.07.2014, 23:30 Uhr 0 4

Vorbei. An deiner Wohnung.

Einatmen, ausatmen. Und mich wie ein Idiot fühlen.


Jeden Morgen und jeden Abend. Hinweg, Rückweg. Gucken, weggucken. Einatmen, ausatmen. Und mich wie ein Idiot fühlen. Mich immer fragen, was du grad tust und warum du das tust. Und mich fragen ob es sein kann, dass da noch der gleiche Mensch wohnt von damals, der auf mich gewartet hat und mich geliebt hat und von dessen Schlafzimmerfenster aus ich den Mond gesehen habe.

Kann gar nicht sein, dass es noch der Gleiche ist. Vielleicht der, der irgendwann einfach ging und nicht zurückkam und nicht mehr schrieb und nicht mehr anrief. Kann gar nicht sein, dass du da sitzt hinter diesem Fenster auf der Couch so wie damals und noch genauso aussiehst und dich noch so bewegst. Und dass du noch lachst wie damals. Hinter dieser Häuserwand.

Das macht gar keinen Sinn, weil ich dich nie gekannt habe mit einer anderen auf der Couch neben dir und das Bild geht gar nicht in meinen Kopf. Und dass du einfach aufgehört hast an mich zu denken und aufgehört hast mich zu wollen, will ich nicht verstehen. Weil der Mensch, den ich kannte mich doch so sehr wollte und immer schrieb. Und die Tür zu diesem Haus für mich geöffnet hat.

Jetzt bist du auch gar nicht mehr auf dem Balkon. Ich hätte dich dort mal sehen können. Die Beine wären mir weich geworden und das Blut hätte pulsiert. Zittrig und eilig hätte ich mich wegbewegt und die Stunden danach daran gedacht. Aber du bist jetzt nicht mehr auf dem Balkon, auf dem wir zusammen so lang saßen und uns angeguckt und geküsst haben. Willst du nicht gesehen werden?

Und warum triffst du dich nicht mit mir? Wer bist du auf einmal? Was ist nur passiert? Warum kannst du nicht einmal versuchen es mir zu sagen? Ist die Wahrheit so scheußlich oder will ich sie nur nicht verstehen? Wie kann sich ein Mensch nur so wandeln oder bist du einfach nur konsequent und ich zu blöd es zu akzeptieren?

Ich würde so gern einmal nicht mehr nur vorbei fahren, wie ein Idiot, ein Stalker, ein Feind, eine Ex. Sondern klingeln und hochkommen und dein Gesicht an der Tür sehen und deine Arme um mich spüren. Wieder neben dir sitzen und reden. Und den Menschen, den ich kannte, erleben.

Aber es wird  niemals wieder so sein. Du, wie du für mich warst, bist gestorben an dem Tag als du mein Bett verlassen hast und gegangen bist. Jetzt wohnt dort ein Anderer und eine Andere liegt in seinem Bett und sieht den Mond.

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