Puffbohne 30.11.-0001, 00:00 Uhr 12 10

Vor ungefähr einem Jahr ...

Ein letzter Abschied vom Liebeskummer

… genauer gesagt vor einem Jahr vier Tagen und sechseinhalb Stunden haben wir uns ein letztes Mal verabschiedet. Im Gepäck leere Versprechungen, falsche Hoffnungen, der irrationale Glaube an eine mögliche Freundschaft und ein gebrochenes Herz. Ich wusste schon damals, dass ich dich einige Zeit lang nicht sehen würde doch an ein „niemals“ wollte ich nicht glauben und die Vorstellung daran hat mich innerlich zerrissen. Also wurde ein Strohhalm gefunden um sich daran festzuhalten, nicht zu ertrinken und einen Grund zu haben jeden Tag aufzustehen und ihn einfach nur zu überstehen. Es ist so viel passiert in dieser Zeit. Und das Wichtigste daran ist: Ich habe es überlebt.

Ich denke jeden Tag an dich. Am Anfang waren die Gedanken schmerzlich, Ströme aus Tränen flossen das Tal hinab und man war gelähmt vor Kummer und Leid. Doch die Tränen trockneten, die Gedanken blieben dieselben nur das Leid wurde weniger. Heute denke ich nicht mehr an dich, viel mehr denke ich über dich nach. Doch der Verstand ist aus seiner Lähmung auferstanden und bewahrt mich davor all den Schmerz täglich aufs Neue durchleben zu müssen. Also ist der Schmerz verschwunden und nur eine Hülle aus Erinnerungen bleibt zurück. Hast du das gewusst?

Es gibt eine tote Playlist mit Liedern, nicht unbedingt traurig und doch verbannt. Um einige von ihnen mache ich heute noch einen Bogen aus Angst, was sie in mir auslösen. Andere ertrage ich stumm, die Bilder in meinem Kopf lasse ich zu, doch wohl ist mir dabei nicht. Und wieder Andere höre ich mittlerweile wieder ganz gern, verbinde neue Erlebnisse und Emotionen mit ihnen. Hast du das gewusst?

Mein Leben hat sich komplett verändert. Ich bin umgezogen, wohne allein. Die anfängliche Angst vor der Einsamkeit hat mich kurz zurückgeworfen doch schnell habe ich gelernt zurecht zukommen und meine Freiheit zu schätzen. Der Gedanke, dass du mich nicht mehr finden konntest quälte mich einige Zeit doch irgendwann wurde es mir egal. Vielleicht wusste ich, dass du mich niemals finden wolltest, also fing ich wo anders von vorne an. Hast du das gewusst?

Ich habe einen neuen Job, arbeite dort wo alles begann. Es war schwer die Flure entlang zu gehen denn alles dort erinnert mich an dich. Einige Kollegen von dir grüßen mich noch oder schenken mir ein Lächeln, unsicher woher sie mein Gesicht wohl kennen. Das Herz wurde mir so schwer als ich die Entscheidung traf dort zukünftig für mein Einkommen zu sorgen. Und doch habe ich es gemacht. Eine Art Mutprobe. Und mittlerweile fällt es mir schon so viel leichter jeden Morgen die Gänge entlang zugehen und die Gedanken an dich einfach von mir weg zuschieben. Denn du bist nicht mehr da. Hast du das gewusst?

Ich hatte Angst vor deinem Auto, Angst vor plötzlicher und ungewollter räumlicher Nähe, der ich mich nicht entziehen kann und die mir auch schnell wieder genommen wird. Ein oder Zweimal habe ich dich fahren sehen, doch es war nur halb so schlimm wie gedacht. Dennoch bleibt mir das Herz kurz stehen wenn ich ein Fahrzeug dieses Typen sehe. Hast du das gewusst?

Es gibt so viele Dinge, die ich dir erzählen wollte. Ich schrieb dir Briefe mit Updates über das Leben, gesammelt in einer kleinen Schachtel, niemals bereit sie abzuschicken. Unter jedem Brief verabschiedete ich mich mit den Worten des Vermissens und einigen Tränen, die sich den Weg an die Oberfläche bannten, geschuldet den schmerzlichen Erinnerungen. Hast du das gewusst?


Und heute? Heute stehen Soldaten um mein Herz, immer bereit es einzusperren und zum Schweigen zu bringen, schon bei der kleinsten Regung. Sie haben niemals Pause, stehen starr an ihrem Platz. Doch wenn ich trinke, dann sind sie wie weggezaubert und das Herz brennt in Flammen. Also lasse ich das Trinken sein. Hast du das gewusst?


Ein Jahr, 4 Tage und sechseinhalb Stunden später sitze ich hier, denke nach über meine Gefühle, die Zeit und das Leben. Du sitzt auf einem Thron, idealisiert und in vollkommener Perfektion, irgendwo mitten in meinem Herzen. Doch die Scheinwerfer, die einmal auf dich gerichtet waren, wurden durch Kerzen ersetzt. Zunächst ein Meer aus Lichtern, doch langsam verblasst Eines nach dem Anderen. Und es wird dunkel um dich herum. Eine Kerze wird immer brennen, du hast mich geprägt auf eine Art und Weise, die mir schwer fällt zu vergessen. Doch aus dem Gefühl des Verlustes und einer Mischung aus Ratlosigkeit und Schmerz wurde Einsamkeit. Und mit dieser kann ich umgehen, denn das habe ich gelernt.


Also gehe ich weiter meinen Weg, jeden Tag aufs Neue stehe ich auf und kämpfe mich durchs Leben. Ich lag am Boden, konnte weder gehen noch rennen. Doch heute kann ich laufen, springen und tanzen wenn ich das möchte. Und all das obwohl du wie ein kleiner Parasit in meinem Körper verweilst. Ich habe gelernt damit zu leben. Hast du das gewusst?


Tags: Abschied, Fühlen, Schmerz
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12 Antworten

Kommentare

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    wow....kenn ich, kenn ich zu gut und jedes Wort trifft es sowas von!

    02.10.2014, 23:07 von effi2.0
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    Mitten ins Herz!

    Dennoch traurig, dass die Person sich "bloß" damit abfindet und noch immer ein Parasit im Körper verweilt... Ich wünsche ihr, dass dieser sie nicht irgendwann ganz aufgefressen hat, sondern erfolgreich bekämpft wird.

    29.09.2014, 13:56 von Aveline
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    Sehr schön und ehrlich, wenn so erlebt.

    28.09.2014, 14:49 von Infinitas
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    Wunderbar, ich fühle mit und kann sooo gut nachfühlen-schön geschrieben!

    28.09.2014, 13:13 von violett84
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  • 1

    Ich finde, du beschreibst den letzten Abschnitt des loslassen und weiterleben sehr gut.
    Und ich denke, das Verfassen dieses Textes wird dabei zusätzlich geholfen haben.

    28.09.2014, 10:01 von -Maybellene-
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  • 0

    Finde ich gut. Der Text kommt authentisch rüber. Irgendwie gibt es immer den Moment wo die Texte ein bisschen nah an den Kitsch kommen, aber finde ich bei deinem, dass du es nie zu heftig übertreibst. Schade eigentlich, dass auf Neon kaum mehr Texte gelesen werden und wäre schön, wenn die Leute mehr als einen Text schreiben würden. Da ich aber selber mit schlechtem Beispiel voran gehe möchte ich den literarischen Seelenstriptease nicht verdammen. Es könnte aber sein, dass ich in einem Jahr vier Tagen und sechs Stunden nochmal einen weiteren Kommentar schreiben werde.

    27.09.2014, 22:00 von DasSystem
    • 0

      Auf NEON werden keine Texte mehr gelesen?

      28.09.2014, 09:59 von -Maybellene-
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    • 0

      War schon mal mehr los :) 

      28.09.2014, 12:50 von DasSystem
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      Und sich immer direkt auszuziehen..ích weiß ja nich, Paris is das auch nich so gut bekommen, jetzt tollt er durch die Weinberge und sammelt Nacktschnecken. Mit den Zehen.

      29.09.2014, 10:49 von MaasJan
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