Die_Phantasistin 30.11.-0001, 00:00 Uhr 6 1

"Von wegen schüchtern!"

„Du bist so schüchtern“ sagst Du zu mir. „Nein“ antworte ich „Ich habe einen Freund!“..

Da bin ich jetzt. Nach 3 Jahren voll komplizierter Fernbeziehung und 4 langen Monaten seit Deinem letzten Besuch. Alles was geblieben ist, sind gemeinsame Fotos, eine unscharfe Erinnerung an ein Uns und ein schaler Nachgeschmack von Liebe.

Und jetzt bist da Du. Einfach so. Zu nett bist Du. Zu interessant. Und einfach viel zu sehr alles was mir gefällt. Und Du bist interessiert. An mir. Überredest mich mit Dir wegzugehen, abends. Mit ein paar Leuten. Nicht großes. Ja, warum denn eigentlich nicht? Am Ende sind wir dann doch nur zu zweit. „Nie würde ich meinen Freund hintergehen“ sage ich zu Dir, schon etwas angetrunken, und meine es. Obwohl eine leise Stimme mir warnend ins Ohr flüstert, dass man niemals nie sagen sollte. Du findest das gut. Wir unterhalten uns. Trinken. Trinken zu viel. Beschließen noch ein wenig durch die Nacht zu spazieren. Du erklärst mir, wie Du die Welt so siehst und irgendwann singe ich Dir meinem Lieblingssong vor. Du lachst. Ich strahle zurück. Zwei Freunde unterwegs in der Nacht.

Als wir alle Sterne gezählt und sämtliche Sternbilder diskutiert haben wirst Du müde. Nach Hause gehst du jetzt. Schlafen. Bin ich enttäuscht?

Du bringst mich zum Bus, umarmst mich. Etwas zu lange hältst du mich fest. Und ich kann Dein Herz durch Deine Jacke klopfen hören. „Danke“ sagst Du „toll wars mit Dir“..Und ich schau Dir durchs verschmierte Busfenster hinterher und geh dann seltsam beschwingt nach Hause.

„Und was hast Du gestern so gemacht Kleine?“ Wieder die Stimme in meinem Ohr, die sich durch mein verschlafenes und noch leicht benebeltes Hirn in mein Bewusstsein drängt. „Sag es ihm!“. „Da war doch gar nichts“ rechtfertige ich mich. „Man wird ja wohl noch was mit nem anderen Typen trinken dürfen!?…“.„Ich war mit Freunden aus.“ sag ich. „Nicht lange. Nichts spektakuläres. Schlafe noch, melde mich später ja?“ Da verstehst Du. Kein Problem. Ein leichtes Ziehen in meinem Bauch.

Dann ein ständiges Gefühl der Unruhe, das Telefon stets im Blick. Angst es könnte klingeln. Du. Noch mehr Angst, dass es das vielleicht nicht tut. Er.

Lange Warten muss ich nicht. „Lust auf nen Kaffee morgen?“ steht da plötzlich auf dem Display. Und am nächsten Tag steht da „Willst Du zum Abendessen vorbeikommen? Ich koche was“. Sieht so unschuldig aus. Weiße Buchstaben auf himmelblauem Hintergrund.

„Ich bin heute Abend nicht erreichbar“ sage ich zu Dir, „Ich koche was, bei Freunden. Kann später werden.“ Du fragst nicht einmal nach. Wir kennen uns ja. Du vertraust mir blind. Das konntest Du auch immer...

Später wird es dann. Immer später. Das Essen ist gut. Der Wein auch. Ab und zu berührt er mich. Zufällig. Kurz. Mir wird abwechselnd heiß und kalt. Meine Gedanken fahren Karussell. Ob ich noch nen Film sehen möchte. „NEIN!!!“ schreit die Stimme. „Nichts lieber als das“ sage ich und würde in diesem Moment genauso begeistert mit ihm in Beton gegossen werden oder vom Hochhaus springen.

Dann sitze ich auf Deinem Sofa. Du sitzt neben mir. Zu nah und trotzdem zu weit weg irgendwie. Du legst Deine Hand auf mein Knie. Ich kriege keine Luft. Du lässt sie liegen. Ich muss mich aufs Atmen konzentrieren. Ein. Aus. Ich bewege meine Finger, will Deine Hand von meinem Knie nehmen. Schaffe es nicht. Stattdessen legt sich meine Hand wie selbstverständlich auf Deine. Ungläubig starre ich auf das was meine Hand da gerade gemacht hat, während sich auch mein Kopf langsam in Deine Richtung lehnt. Du nimmst mich in den Arm. Und plötzlich liegen wir nebeneinander auf diesem Sofa. Blauer Cord. Ein paar Rotweinflecken hier und da, aber genau richtig groß für uns beide. Ich in Deinem Arm. Ich hab mich noch niemals vorher in Armen so wohl gefühlt. Du willst Dich unterhalten. Aber mir ist mein Gehirn zugefroren. Kein Wort krieg ich heraus. Das einzige was noch geht ist fühlen. Dich fühlen. Deinen Geruch. Wie Du mich streichelst. Mein Gesicht an Deiner Brust. Du überall.

Am nächsten Morgen geh ich direkt von Dir zur Arbeit. Aufgewacht bin ich in Deinem Bett. Ich glaub Du hast mich hingetragen und reingelegt. Du hast Dich neben mich gelegt, mich geküsst und mir gesagt wie wunderschön du mich fändest. Geschlafen hab ich nicht. Hat sich so falsch angefühlt in Deinem Bett zu liegen, an Dich gekuschelt, Dein Bein quer über mir. Als würden wir das ständig so machen. Gleichzeitig springt mein Kopf vor unfassbarem Glück fast auseinander und meine linke Hand hält mein Herz ganz fest, damit es nicht einfach übers Bett auf den Fußboden kullert.

Geschlafen hab ich nicht mit Dir fällt mir ein. Aber als mein Handy geht will ich mich am liebsten direkt auf der Stelle in Luft auflösen. Mein rechter Fuß ist schon kaum mehr sichtbar als Du fröhlich „Guten Morgen“ ins Telefon sagst.“Hast Du gut geschlafen?“. „Geht so“ murmele ich. „War´s denn schön gestern Abend?“

Zum Heulen fühl ich mich als ich Deine warme vertraute Stimme durchs Telefon höre. „Du“ sage ich, „ ich glaube wir müssen reden!“

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6 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    Danke =)

    23.03.2010, 16:26 von Die_Phantasistin
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    ist es nicht scheiße...man fühlt sich irgendwie mies aber gleichzeitig sooo gut. hast es gut auf den punkt gebracht, gefällt!

    22.03.2010, 20:38 von dieANA
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    hatte keinen moment, in dem ich mit dem lesen aufhören wollte. fesseln. einfühlend. erhellend. stimmig der mut, der am ende deutlich wird. der mut zu reden.

    wunderbarer text!!!!

    09.03.2010, 16:33 von heimwehschreiben
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    passiert zwangsläufig?
    sollte es eigentlich nicht, aber wenns passiert ist es einfach so unglaublich aufregend. hat mich grad selber in erinnerungen schwelgen lassen...hach!

    02.02.2010, 16:00 von blonde.and.ugly
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    nichts neues, vorhersehbar, passiert zwangsläufig.

    18.01.2010, 11:51 von Zimtsternschnuppe
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      @Zimtsternschnuppe Was wäre denn neu?

      18.01.2010, 15:47 von thor_ben
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